Magdeburg l Spiele mit dem speziellen Etwas gibt es in der Handball-Bundesliga für den SC Magdeburg quasi wie Sand am Meer. Kiel, Flensburg, die Rhein-Neckar Löwen oder die Füchse Berlin, zählt SCM-Geschäftsführer Marc-Henrik Schmedt auf: „Das sind ja alles besondere Spiele.“ Nur wenn es um das Prädikat „Derby“ geht, dann gibt es für den SCM nur diesen einen Gegner: „Das Spiel gegen Leipzig ist das einzige klassische Ost-Derby und elektrisiert dementsprechend die gesamte Handball-Szene“, erklärt Schmedt.

Am Sonntag steht das Aufeinandertreffen der beiden Clubs an, der SCM reist zum SC DHfK Leipzig (15 Uhr, MDR/Sky). Kein Spiel wie jedes andere für Schmedt: „Wenn ich den Spielplan der Bundesliga bekomme, dann ragt diese Partie immer heraus.“ Sein Vergleich: „Es ist wie das Revierderby zwischen Dortmund und Schalke im Fußball.“

SCM-Geschäftsführer Schmedt mit Respekt

Und das, obwohl DHfK Leipzig erst seit 2015 in der Bundesliga spielt. Das Duell der „Neuzeit“ gibt es also noch gar nicht so lange. Trotzdem hat der Klassiker aus Zeiten der DDR-Oberliga seine Anziehungskraft nicht eingebüßt. „Leipzig war schon zu DDR-Zeiten ein starker Verein, die Stadt eine Handball-Hochburg“, meint Schmedt, „die regionale Nähe zu Magdeburg hat die Rivalität verstärkt. So kommt es eben, dass die Entfernung zwischen Magdeburg und Hannover zwar auch gering ist, das aber kein Derby ist.“

Verschärft wird das Ganze noch durch die Wechsel von Spielern. „Mittlerweile ist es ja so, dass Spieler nach Leipzig gewechselt sind, die vorher bei uns waren“, sagt Schmedt. Zum Beispiel Philipp Weber, Maximilian Janke oder Maciej Gebala. Auch Andreas Rojewski gehörte bis zur vergangenen Saison noch dazu. Und die brennen noch einmal besonders darauf, gegen ihren Ex-Verein anzutreten. „All diese Faktoren machen die Partie zu einem speziellen Aufeinandertreffen“, sagt Schmedt.

Besonderes Spiel für die Fans

Zwar geht es – wie immer – auch nur um zwei Punkte. Doch die tiefere Bedeutung liegt eben darin, dass auch ein Stück weit um die angebliche Vorherrschaft im Osten gespielt wird. Das polarisiert, das weckt das Interesse bei Zuschauern und Medien gleichermaßen. „Solche Spiele brauchen wir doch“, sagt der SCM-Manager, „denn die Fans, egal ob wir jetzt auswärts in Leipzig spielen oder ein Heimspiel haben, sind stark vertreten. Das ist etwas ganz anderes, als wenn wir sieben, acht Stunden mit dem Bus durch Deutschland tingeln.“

Zum Geschäftsführer des SC DHfK, Karsten Günther, hat Schmedt ein sehr gutes Verhältnis. „Der Verein ist 2015 aufgestiegen und hat sich seither gut entwickelt“, lobt er, „sie haben eine gute Infrastruktur aufgebaut, ein gutes Management und sind mittlerweile fester Bestandteil der Bundesliga. Die Perspektive stimmt.“

DHfK aktuell vor dem SCM

Auch wenn sich Karsten Günther und Trainer André Haber dazu bedeckt halten, klingt im Leipziger Umfeld doch immer wieder durch, dass die Europapokal-Plätze anvisiert werden. Es wäre eine durchaus beachtliche Leistung. Erst 2007 wurde in Leipzig ja das „Bundesliga-Projekt“ ausgerufen, damals spielte der Verein in der Oberliga. 2011 gelang der Aufstieg in die 2. Bundesliga – und im vierten Anlauf klappte dann auch der Sprung in die höchste Spielklasse. Im Moment liegen die Leipziger in der Bundesliga-Tabelle sogar direkt vor dem SCM auf Rang sechs.

Das bevorstehende Ost-Derby wird also ein Duell auf Augenhöhe, so wie es das in den letzten Jahren fast immer war. Schmedt prognostiziert, dass es Kleinigkeiten werden, die am Ende entscheiden. „Die Leipziger werden hochmotiviert sein – so wie wir auch. Durch die letzten zwei Siege konnten wir uns Selbstvertrauen zurückholen. Jetzt kommt es darauf an, dass wir aus der Länderspielpause gut rauskommen. Wie in der gesamten Bundesliga gilt auch für diese Partie: Jeder kann jeden schlagen.“