Magdeburg l Es war wohl die Szene des Spiels: Wie Robert Weber am Sonntag im Ligaduell beim THW Kiel gleich zwei dänische Handball-Weltmeister vernaschte. Der Österreicher tanzte aus dem Stand mit einer Körperdrehung erst Magnus Landin aus und legte den Ball dann auch noch an Kiels Torwart Niklas Landin vorbei. Ein Klasse-Tor zum 17:16 für den SCM! „Besondere Spiele brauchen besondere Momente“, meinte Weber später mit einem Schmunzeln.

Spontanes Klasse-Tor

Geplant hatte er die Aktion nicht. Weber: „Gegen zwei solche Klasseleute kann man das nicht machen. Das war total spontan, weil sich die Situation plötzlich so ergab.“ Bei der WM gab es diese Lücke zum Beispiel nicht. Da gab es für Weber mit seinen Österreichern gegen die Dänen eine klare 17:28-Niederlage.

Statt mit neuen Angeboten anderer Clubs kehrte Weber deshalb mit viel Frust nach Magdeburg zurück. Aber der ist längst verflogen. Weber wirkt locker und spielt wie in seinen besten SCM-Zeiten. „Im Herbst hatte ich mal so ein kleines Tief. Da habe ich mich auch viel zu sehr verrückt gemacht, weil ich nicht wusste, wie es im Sommer weitergeht. Das ist ja eine ganz neue Situation für mich. Die letzten zehn Jahre hatte ich ja immer frühzeitig alles geklärt.“

Mit Lockerheit zu alter Stärke

Es war Roberts Ehefrau Lisa, die ihn wieder aufgebaut hat. Weber: „Sie hat mir gesagt, es wird schon werden. Und wenn nicht, dann machen wir im Sommer irgendetwas anderes. Wir lieben zwar den Handball, aber er ist auch nicht alles.“ Auch mit dem Verein ist alles geklärt. Weber: „Der Club hat seine Ansichten, ich meine. Aber da bringt es nichts, sich zu streiten. Wir wollen hier gemeinsam noch Erfolg haben.“

Und genau mit dieser Lockerheit holte sich Robert Weber seine alte Stärke zurück und war neben der Aktion aus der Handball-Trickkiste mit insgesamt sechs Toren am Sieg in Kiel beteiligt. Damit hat er echte Werbung betrieben und gezeigt, dass er auch noch für Top-Clubs infrage kommt. SCM-Trainer Bennet Wiegert: „So gut wie Robert zuletzt trainiert hat, konnte ich gar nicht an ihm vorbei. Und die Trainingsleistungen hat er auch voll bestätigt.“

Weber hat mit dem SCM noch viel vor

Hört der Gelobte natürlich gern. Denn trotz der großen Verdienste des 33-Jährigen für den SCM gibt es keinen Bonus für Einsatzzeit. Doch jetzt wird an Weber auch für das Spiel gegen Stuttgart am Sonntag in der Getec-Arena (16 Uhr, Sky) kein Vorbeikommen sein. Weber: „Ich fühle mich gut und habe ordentlich trainiert. Jetzt sollen die nächsten zwei Punkte her.“

Nach dem 28:25 in Kiel ist ein Sieg gegen Stuttgart ein absolutes Muss. „Wir haben nach dem Erfolg beim THW eine breite Brust und können selbstbewusst ins Spiel gehen“, sagt Weber. „Und für die Heimspiele muss uns auch keiner extra motivieren. Da sind wir unseren Fans immer ein tolles Spiel schuldig.“

Neben dem Final-Four-Turnier um den DHB-Pokal rechnet sich der Linkshänder auch in der Bundesliga noch etwas aus: „Wenn ich mir so das Restprogramm anschaue, kann das alles noch mal richtig spannend werden. Für uns ist jetzt sogar Rang drei wieder drin.“

Frankreich wäre ein Traum

Für wen Weber nächste Saison die Tore wirft, ist immer noch nicht entschieden. „Ich bin immer noch nach allen Seiten offen. Es muss ja auch für die Familie passen“, erklärt er. „Unser Sohn wird 2020 eingeschult. Deshalb werde ich da sicherlich kein Abenteuer wie beispielsweise einen Wechsel nach Russland eingehen.“ Bei einem geeigneten Angebot aus Frankreich müssten die Webers dagegen sicher nicht lange überlegen.

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