Magdeburg l Der Umzug liegt gerade einmal ein paar Wochen zurück. Im Hause Weber ist der Trophäenschrank aus dem Dachgeschoss ins Erdgeschoss gezogen. Was für den Handballer des SC Magdeburg vermutlich ein etwas größerer Aufwand gewesen sein dürfte. Denn jener Trophäenschrank ist inzwischen prall gefüllt.

Wenn am Mittwoch die Bundesliga-Mannschaft des SCM in der Getec-Arena zur Saisoneröffnung ruft, beginnt für den Rechtsaußen seine elfte Bundesliga-Saison, die zehnte im Dress der Magdeburger. Zehn Jahre, in denen einiges zusammengekommen ist an Erfolgen.

Robert Weber ist ja nicht irgendein Spieler. Kaum einer hat den SCM in den vergangenen Jahren so geprägt wie der Österreicher. Vereinsintern hält er inzwischen so ziemlich jeden Rekord. Die meisten Tore, die meisten Feldtore, die meisten Siebenmeter-Tore. Und auch ligaweit ist Weber längst eine große Nummer. Im März erzielte er gegen Wetzlar sein 1941. Tor und stieß damit in die Top Ten der Liga-Geschichte vor. Und auch wenn er inzwischen wieder auf Rang elf verdrängt wurde: „Das bedeutet mir eine Menge“, sagt Weber. „Danach habe ich meine Schuhe genommen und die Tor-Zahl und das Datum daraufgeschrieben. Die Schuhe stehen seitdem in meinem Trophäenschrank.“

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Die 2000er-Marke fällt

Robert Weber liebt solche Symbolik. Er mag es, markante Daten in Erinnerungen zu gießen. Nicht nur im Trophäenschrank. Auch seine Tätowierungen erzählen davon. Auf seinem linken Wurfarm beispielsweise hat er den Namen seines Sohnes verewigt, gemeinsam mit dessen Geburtsdatum und einem Ziffernblatt, das die Uhrzeit der Geburt zeigt. „Morgens kam mein Sohn zur Welt, am Abend haben wir gespielt und eine heftige Niederlage gegen Melsungen kassiert.“

Wer sich mit Robert Weber unterhält, staunt mitunter, wie gut seine Erinnerungen an solche markanten Erlebnisse sind. Das gilt auch für die Zahlen seiner Karriere. „Ich liebe Statistiken“, sagt er. Und er beschäftigt sich auch damit. Fragt man ihn nach der ominösen 2000-Tore-Marke, weiß er wie aus der Pistole geschossen: „Mir fehlen noch 41 Tore.“

Lebensmotto gefunden

Eine Zahl, die er in der kommenden Saison ohne Probleme erreichen wird. Und manchmal erwischt er sich auch bei dem Gedanken, sogar ganz nach oben zu schielen. „Aus Spaß habe ich mir das tatsächlich schon einmal ausgerechnet, dass ich noch fünf Jahre bräuchte, dann könnte ich Platz eins erreichen.“

Robert Weber macht keinen Hehl daraus, dass ihm diese Zahlen etwas bedeuten. Warum auch nicht? Auch ein Mannschaftssportler braucht individuelle Erfolge. Und wer das verstehen möchte, findet auf Webers rechter Brust eine gute Erklärung. „Faber est suae quisque fortunae“, steht dort tätowiert. Auf Deutsch bedeutet der lateinische Spruch: „Jeder ist seines eigenen Glückes Schmied.“

Ein Lebensmotto für Robert Weber. „Ich musste immer kämpfen“, erzählt er. Was sowohl privat galt, etwa nach der Trennung seiner Eltern, als er ein Teenager war. Als auch sportlich. Sich als Österreicher in der Bundesliga durchzusetzen, hat er nicht immer als leicht empfunden. Sein Debüt gab er mit Balingen, damals als Liga-15. ein Hinterbänkler. Als er 2009 nach Magdeburg kam, wurde das Team Elfter – weit entfernt von den internationalen Rängen, um die das Team heute kämpft.

Einmal Torschützenkönig

Weber aber bestach immer durch Konstanz. Einmal war er Torschützenkönig. 2015. Das bleibt in Erinnerung. Aber was manchmal untergeht: Er war auch vier Mal Zweiter in der Torjägerliste. „Mir ist es lieber, fünf Mal in den Top Ten zu stehen, als einmal Erster zu sein und dann in der Versenkung zu verschwinden.“

Robert Weber hat in den zehn Bundesliga-Jahren immer geliefert. Ein Wunder an Konstanz. Fünf Mal erzielte er über 200 Saisontore. Deshalb wirft er auch als Mannschaftssportler diesen kleinen Blick nach ganz oben in der ewigen Torjägerliste. Denn: „Wer keine Ziele hat, kann nicht erfolgreich sein“, sagt er.

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