Magdeburg l Bis in den späten Montagabend hatte ein Gremium rund um den Aufsichtsrat getagt, um über die Zukunft des auf Rang 11 abgerutschten SCM und die damit verbundene Trainerfrage zu beraten. Doch wer auch immer es wie zu drehen versuchte, die bisherige Saisonbilanz blieb dürftig: Rang elf ist der schlechteste Tabellenstand seit fünfeinhalb Jahren. Angesichts dieser Fakten war die Geduld am Ende und der Druck aus den Reihen der Sponsoren so groß, dass die Reißleine gezogen werden musste.

„Unsere sportliche Situation nach 23 Pflichtspielen hat zu der Entscheidung führen müssen, uns von Trainer Geir Sveinsson zu trennen“, erklärte Manager Marc Schmedt mit Blick auf „Heimspiele, wo wir uns zum Sieg gekrampft haben“ und die „drittschlechteste Auswärtsbilanz“. Und er betonte, dass trotz bereits herumgeisternder wohlklingender Vorschläge für die Trainernachfolge (Martin Schwalb, Michael Biegler, Dirk Beuchler) „wir uns ganz bewusst dafür entschieden haben, dass Bennet Wiegert gemeinsam mit Co-Trainer Tomas Svensson die Mannschaft führen“ wird. Und das, was Wiegert betrifft, mit ganzer Konsequent: ab sofort und unbefristet.

Auffällig war, dass bei der außerordentlichen Pressekonferenz all jene Entscheidungsträger, die am Vorabend mit am Tisch gesessen hatten, allen voran Präsident Dirk Roswandowicz, bemüht waren, Ge- und Entschlossenheit zu demonstrieren sowie Aufbruchstimmung zu erzeugen. Da wirkte die Frage nach der Stemmbarkeit der finanziellen Doppelbelastung, die durch den erneut vorfristigen Rauswurf eines Trainer (vorher Frank Carstens) ins Kontor schlagen wird, störend. Und so bürstete sie Schmedt auch schnell und kurz ab: „Sonst hätten wir das nicht gemacht“.

Roswandowicz betonte indes, wie schwer sich der Verein „wohlwissend seiner menschlichen Qualitäten“ mit der Entscheidung getan habe, sich von dem in seiner ersten Saison sehr erfolgreichen Trainer zu trennen. Ebenso betonte der Clubchef, wie meinungskonform („mit 14:0 Stimmen“) letztlich alle gewesen seien, „dass es so nicht weitergehen konnte“.

Diese Sicht der Dinge unterstrich auch SCM-Sportchef Steffen Stiebler: „Am Anfang der Saison waren wir zu 110 Prozent überzeugt, den nächsten Schritt machen zu können. Aber nicht in einem Spiel haben wir bisher 60 Minuten konstant abgerufen, was wir an Qualität haben.“ Dass man hinter den Erwartungen geblieben ist, sei aber nicht die Alleinschuld des Trainers, der noch am Montagabend die Mannschaft auf die Herkulesaufgabe im Pokal vorbereitet hatte. „Es ist immer ein Ergebnis aller zusammen. Von Leitung, Trainer und Mannschaft.“ Und Letztere sieht der Ex-Kapitän nun auch zuerst gefordert: „Die Jungs wissen, dass sie im Spiel des Jahres in der Verantwortung stehen.“

Angesichts dessen macht Wiegert das, was ihn schon als Spieler, „Arbeiter“ und Publikumsliebling ausgezeichnet hat: Er krempelt die Ärmel hoch und stürzt sich mit Herz und Leidenschaft in seinen Job. Allerdings könne und wolle er zunächst „nur an kleinen Stellschrauben drehen“. Vielmehr setzt der bisherige Youngsters-Coach („Ich hoffe, da finden wir eine gute Lösung.“) auf die emotionale Karte: „Wir müssen die volle Halle für uns gewinnen und uns von der fantastischen Atmosphäre beflügeln lassen.“