Magdeburg/Mannheim l Angesichts der ersten 30 Minuten in Mannheim musste den Magdeburger Handball-Fans vor dem Fernseher daheim oder den gut 50 mitgereisten Anhängern in der mit 12 312 Zuschauern rappelvollen SAP Arena angst und bange werden. 16 (!) Fehlwürfe plus zwei technische Patzer waren Zeugnis einer katastrophalen Chancenverwertung der ersatzgeschwächten Magdeburger, die ohne sechs Stammspieler aufgelaufen waren.

Löwen-Trainer Nikolaj Jacobsen, der seinerseits auf die brandgefährliche Flügelzange Uwe Gensheimer (Achillessehne) und Patrick Groetzki (Wadenbeinbruch) verzichten musste, hatte indes kaum etwas am starken Beginn auszusetzen: „Meine Mannschaft hatte die Niederlage in Kiel offensichtlich gut weggesteckt. Die Abwehr stand in den ersten 30 Minuten richtig gut, nur im Angriff wurden ein paar Chancen zu viel vergeben.“

Sah es beim Stand 9:16 zur Halbzeit noch ganz danach aus, als müsse der SCM als „Blitzableiter“ für die 20:31-Klatsche herhalten, die die Löwen drei Tage zuvor in Kiel kassiert hatten, wendete sich das Blatt plötzlich. Die Löwen waren in der 2. Hälfte kaum wiederzuerkennen. Der SCM witterte mit einem starken, in der 22. Minute eingewechselten Jannick Green Morgenluft und kämpfte sich heran. Yves Grafenhorst krönte den 9:3-Lauf mit einem sehenswerten Tor, dem eine Pirouette vorausgegangen war (43. Minute). Nach dem 18:19-Anschlusstreffer der Gäste begann das große Zittern beim Tabellenführer. Doch mit Ach und Krach wurde der Sieg ins Ziel gerettet - auch dank Torhüter Mikael Appelgren. Der ärgerte sich hinterher: „Wir führen mit sieben Toren, waren viel besser. Schade, dass wir dann so eine Leistung in der zweiten Hälfte zeigen.“

Magdeburgs erfolgreichster Schütze Robert Weber (9 Tore) erklärte indes zum Spielverlauf: „Minus sieben Tore in Mannheim aufzuholen, das ist nicht die einfachste Aufgabe. Aber wir haben es als Mannschaft in der zweiten Hälfte besser gelöst, uns rangekämpft.“ Am Ende habe wieder einmal das Quäntchen Cleverness und Glück gefehlt. „Das tat beim Abpfiff richtig weh“, so der Linkshänder, der zu allem Unglück zwischenzeitlich auch noch mit einer Fersenprellung das Feld verlassen musste. Die kann der Österreicher bis zum 1. Januar auskurieren, dann ruft ihn wie ein Großteil der Nationalspieler des SCM die Pflicht. Der „Rest“ beginnt unter Wiegert am 11. Januar mit der Vorbereitung auf die Rückrunde.

Löwen: Appelgren, Ristovski – Schmid 3/1, Kneer, Sigurmannsson 1, Baena Gonzalez 3, Larsen 8, Guardiola 2, Steinhauser, Ekdahl du Rietz 2, Pekeler, Petersson 1, Reinkind 7

SCM: Green, Quenstedt – van Olphen, Bagersted 1, Grafenhorst 2, Czech, Haaß 3, Gebala, Weber 9/4, Sohmann, Damgaard 6, Zelenovic 3, Lemke 1

Schiedsrichter: Brodbeck/Reich. Zuschauer: 12312. Zeitstrafen: 2/5, Siebenmeter: 4/2 ; 5/4