Magdeburg l Trainer Bennet Wiegert ist um seinen neuen Job nicht zu beneiden. Um das Ruder im Jahresendspurt noch herumzureißen, bräuchte er alle Mann an Bord. Doch die Liste der Ausfälle vor dem Spiel am Mittwoch gegen Wetzlar (19 Uhr) und am Sonnabend bei den Rhein-Neckar Löwen ist immer noch lang. Doch Bangemachen gilt nicht, schon gar nicht für eine Kämpfernatur wie Wiegert: „Da müssen wir durch. Und das nicht irgendwie, sondern so erfolgreich wie möglich. Im Februar fragt keiner, wie viele Verletzte wir im Dezember hatten. Jeder ist gefordert, die Situation in kleiner Gruppe lösen zu wollen.“

Für Mittwoch rechnet der Coach „ohne Fünf“. Dazu kommen zwei Fragezeichen (Marko Bezjak, Nemanja Zelenovic). Zu den vier Langzeitverletzten Zeljko Musa, Matthias Musche, Andreas Rojewski und Jure Natek gesellte sich das „Opfer“ eines unglücklichen Zusammenpralls in Hamburg, Finn Lemke. Zwar gab es zunächst Entwarnung, da die noch am Sonntag gemachten Röntgenaufnahmen den befürchteten Bruch im Wurzelbereich der linken Hand nicht bestätigten. Weil aber noch weitere Untersuchungen ausstehen, geht Wiegert zumindest von einem Fehlen des Rückraumlinken gegen Wetzlar aus, hofft aber wie Lemke selbst auf ein Happy End: „Ich darf vorerst die Hand nicht belasten und kein Balltraining machen. Aber natürlich bin ich erleichtert, dass die Verletzung nicht das EM-Aus für mich bedeutet.“

Während Bezjak beim Training am Dienstag testen will, inwieweit er mit gebrochenem großen Zeh spielfähig ist, verdient sich Nemanja Zelenovic dieser Tage eine Tapferkeitsmedaille. Der an Schulterschmerzen leidende Neuzugang aus Serbien kriecht ob der Dauerbelastung auf dem Zahnfleisch. In Hamburg musste er durchspielen, weil auch Youngster Alex Saul (Ellenbogen) angeschlagen ist. Das lässt Zelenovics schlechte Trefferquote vom Sonntag von 27 Prozent (15 Versuche/4 Treffer) in anderem Licht erscheinen.

Eine schlechte Wurfeffektivität hatte neben Michael Damgaard (41 Prozent) auch Torjäger Robert Weber aufzuweisen. Sie lag bei für ihn ungewöhnlichen 42,8 Prozent. „Das war eine Katastrophe, das muss ich zugeben“, erklärte der vierfache Torschütze, der noch im Pokal gegen Göppingen von 13 Versuchen zehnmal getroffen hatte. Was Weber noch mehr ärgerte: Er hat HSV-Keeper und Matchwinner Johannes Bitter bereits vor dem Anpfiff in seinen Kopf gelassen: „Ich habe selten ein gutes Spiel in Hamburg gemacht, und so etwas frisst sich zu gegebener Zeit in den Kopf. Mich vorher damit zu beschäftigen, war ein großer Fehler“, gesteht der Linkshänder, der unter anderem zweimal vom Siebenmeterpunkt scheiterte.

Auch wenn die Quote ein Ausrutscher nach unten war (Saisonschnitt liegt bei 70 Prozent) , will Weber das Ganze nicht einfach so abhaken. „Natürlich mache ich mir Gedanken, denn ich will der Mannschaft immer so gut geht helfen. Was im Verein passiert, geht natürlich auch an mir nicht spurlos vorüber.“ Für die letzten beiden Spiele heiße es nochmal: Augen zu und durch, dann klappt es vielleicht auch mit dem Happy End.