Magdeburg | Dieser Handball-Sonntag hat die Massen wahrlich elektrisiert: Nachdem die SCM-Spieler bei der Erwärmung anhand der TV-Bilder auf der mitlaufenden Anzeigetafel durchaus registriert hatten, dass Flensburg im ersten Knaller des Tages in der Campus-Arena dem Rekordmeister THW Kiel den Schneid abgekauft hatte, wollten die Magdeburger als Gastgeber gegen die Löwen das Gleiche versuchen.

Allerdings standen die Vorzeichen für das zweite Heimspiel der Saison alles andere als gut, denn völlig überraschend fehlte Spielmacher Marko Bezjak. Sportchef Steffen Stiebler klärte auf: „Marko hat schon am Freitag über Kopfschmerzen geklagt. Am Sonnabend stellten die Ärzte in der Uni-Klinik die Diagnose Nasennebenhöhlen-Entzündung. Marko ging es nicht gut, er musste passen.“

So schien es ein fast unmögliches Unterfangen zu sein, dem Vizemeister Paroli zu bieten. Doch allen Unkenrufen zum Trotz erwischte der SCM einen Traumstart. 5:2 stand es nach neun Minuten. Vor allem Neuzugang Michael Damgaard machte mit vier Toren da weiter, wo er in Lübbecke aufgehört hatte. Dazu hatte noch Robert Weber per Konter getroffen.

Die Abwehr, allen voran Kapitän Fabian van Olphen, sowie Dario Quenstedt im Tor hatten bis dahin ganze Arbeit geleistet und die entsprechenden Ballgewinne erkämpft.

Doch nach und nach kamen die Löwen in Fahrt. Ein 4:0-Lauf vom 3:8 auf 7:8 (davon drei Siebenmeter) stellte die Tuchfühlung her (18.). Der SCM bekam Probleme mit der offensiven, früh störenden 3:3-Abwehr der Gäste. Das Resultat: Fehlwürfe und Ballverluste. Die Chancen auf leichte Gegentore nahmen die Löwen dankend an.

Im offenen Schlagabtausch hatte der SCM knapp die Nase vorn, und das trotz einiger schwer nachvollziehbarer Pfiffe der Schiedsrichter. Kurz vor der Halbzeitpause gelang dem Gast der 12:12-Ausgleich. Doch der SCM hatte noch einen Doppelschlag von Weber im Köcher.

In der zweiten Hälfte nahm die gnadenlose Abwehrschlacht noch mehr Fahrt auf. Jedes Tor war harte Arbeit. Der SCM behielt zunächst die Oberhand (15:12/37.), doch drei Minuten später waren die Löwen beim 15:15 wieder dran. Die Partie drohte zu kippen, auch weil die Hausherren im Angriff viele Ballverluste produzierten. Doch in der Hitze des Gefechts war Keeper Quenstedt der Fels in der Brandung. Seine Paraden verhinderten lange Zeit die erstmalige Führung der Gäste. Doch beim 18:19 durch Harald Reinkind war auch der SCM-Torhüter machtlos (49.).

Die letzten zehn Minuten hatten es in sich. Der SCM warf alles nach vorn, drehte ein 19:21 in ein 22:21 (56.). 90  Sekunden vor dem Abpfiff war beim 23:23 immer noch alles möglich. Weber hatte es beim Strafwurf in der Hand, doch er scheiterte an Darko Stanic. Nun waren die Gäste am Drücker. Alexander Petersson zog nach dem lange ausgespielten Angriff aus 11 Metern ab – und traf. Die verbleibende Zeit und ein Freiwurf reichten den Magdeburgern nicht mehr, sie standen abgekämpft mit leeren Händen da.

Stiebler nach dem Spiel: „Wir haben viel Leidenschaft auf die Platte gebracht, aber die Löwen sind eben immer noch eine Nummer cleverer als wir.“

 Magdeburg: Quenstedt, Green – Musa 2, Rojewski 1, Musche 2, van Olphen 1, Natek 3, Bagersted, Haaß, Weber 8/2, Saul, Sohmann, Damgaard 6, Lemke

R.-N. Löwen: Appelgreen, Stanic – Schmid 4, Gensheimer 5/5, Kneer 1, Sigurmannsson, Baena 2, Steinhauser, Larsen 1, Groetzki 2, Reinkind 1, Guardiola, Petersson 5, Ekdahl du Rietz 3

Schiedsrichter: Brauer/Holm. Zuschauer: 6515. Zeitstrafen: SCM 1/Löwen 1. Siebenmeter: SCM 4/2, Löwen 5/5