Handball

Verletzungsschock sitzt tief

Handball SCM-Trainer Bennet Wiegert geht Drama um Gisli Kristjansson richtig nah

Von René Miller
21.03.2021, xgox, Handball LIQUI MOLY HBL, SC Magdeburg - Fuechse Berlin emspor, v.l. Bennet Wiegert (Magdeburg, Trainer) gibt Anweisungen, gestikuliert mit den Armen, gesticulate, gives instructions Jan Huebner

Magdeburg

Der Schock ist immer noch groß bei den Handballern des SC Magdeburg. Dass Gisli Kristjansson sich am Sonntag beim Sieg gegen die Füchse Berlin die linke Schulter ausgekugelt hat, deshalb operiert werden muss und für längere Zeit ausfallen wird, macht vor allem Trainer Bennet Wiegert sehr nachdenklich. Der Coach sprach direkt nach der Partie in den ersten Interviews sogar darüber, seine Handball-Philosophie zu verändern.

„Wir spielen einen Handball, der vielleicht ein höheres Verletzungsrisiko birgt, als wenn man aus neun Metern ohne Kontakt aufs Tor wirft. Unsere Spieler gehen nun einmal dahin, wo es auch weh tut“, so der Coach, dessen Aussage aber nicht überbewertet werden sollte. Schließlich steht der Stil des SCM für modernen, attraktiven Handball.

Gestern Abend machten sich die Grün-Roten per Charterflug von Leipzig aus auf den Weg nach Nordmazedonien. Da steht heute Abend (20.45 Uhr, DAZN) bei Pelister Bitola das Achtelfinal-Hinspiel in der European Handball League an.

So ehrgeizig wie Wiegert auch ist, um ein gutes Ergebnis hinzulegen, so sehr geht er nach der Verletzung von Kristjansson auch in sich. „Wer mich kennt, der weiß, dass mir das sehr nahe geht. Meine Spieler sind wie meine eigenen Kinder. Die können mit allen Dingen zu mir kommen. Deshalb mache ich mir da um Gisli große Sorgen und Gedanken“, sagt der Trainer, der nach dem Füchse-Spiel erst einmal zu Kristjansson in die Uni-Klinik gefahren ist, um dem Isländer Mut zuzusprechen.

Obwohl der Verletzung keine rücksichtslose Attacke des Gegners vorausging, appellierte Wiegert bei seinen Aussagen zwischen den Zeilen auch für weniger übertriebene Härte im Handball. „Mir ist bewusst, dass solche Verletzungen in unserer Sportart passieren können. Aber wir müssen schon ein bisschen aufpassen. Durch die vielen Spiele gibt es immer mehr Stress und mehr Belastung. Deshalb muss man sich hinterfragen, wie man die Spieler besser schützen kann. Vielleicht über das Regelwerk? Denn bei der WM wurde alles sehr hart bestraft“, so Wiegert, den die Vorbereitung auf das heutige Europacup-Spiel mehr beschäftigt haben dürfte, als es die Klasse des Gegners hergibt. Denn der SCM geht als klarer Favorit in dieses Achtelfinal-Duell. Wiegert: „Da wir zwei Spiele haben, nehme ich das auch so an. Aber keiner darf denken, wir fahren da hin und gewinnen ganz locker. Dort spielen mit Stipe Mandalinic und Josip Peric zwei bundesligaerfahrene Akteure.“ Auch der ägyptische Nationaltorwart Karim Mostafa gehört zum Kader.

Nach inzwischen 19 ungeschlagenen Spielen reist beim SCM aber ordentlich Selbstvertrauen mit. Der 29:24-Sieg gegen die Füchse Berlin tat der Magdeburger Handball-Seele besonders gut. Wenn da nicht die schlimme Verletzung von Kristjansson wäre. „Das MRT liefert die Bestätigung der ersten Befürchtungen. Eine erneute Operation an der Schulter wird unumgänglich, was eine langfristige Ausfallzeit zur Folge haben wird. In den nächsten Tagen wird über den Umfang und Ort der Operation entschieden, erst im Nachgang zum bevorstehenden Eingriff kann somit eine erste Prognose über die Verletzungsdauer abgegeben werden“, teilte der Verein offiziell mit.

Zum Glück kann der SCM im linken Rückraum wieder auf Michael Damgaard bauen. Der Däne hatte mit Schulterproblemen lange pausiert und sich zuletzt in Moskau am Knie verletzt. Gegen die Füchse meldete er sich aber stark zurück. Als er für Kristjansson auf die Platte kam, erzielte er mit seiner ersten Aktion gleich ein Tor und bereitete im nächsten Angriff ein weiteres vor.