Manchester (dpa) - Jürgen Klopp bemühte sich, die Enttäuschung über die erste Saisonniederlage für seinen FC Liverpool runterzuspielen.

"Wenn mir jemand gesagt hätte, dass wir nach dem Man-City-Spiel vier Punkte Vorsprung haben, dann hätte ich Geld dafür bezahlt", scherzte er nach dem 1:2 (0:1) des Tabellenführers beim Titelverteidiger Manchester City. Dessen Trainer Pep Guardiola war sehr erleichtert. "Hätten wir das verloren, wäre es fast gelaufen gewesen", sagte er. Jetzt ist das Rennen um die Fußballmeisterschaft in England wieder offen - und bei Liverpool wächst der Druck.

Für britische Medien gab der Rückschlag für die Klopp-Elf jedoch keinen Grund zur Beunruhigung. "Es ist kein Ergebnis, dass das Selbstvertrauen der Reds beeinträchtigt oder ihnen den Glauben nimmt, dass sie dieses Titelrennen gewinnen können", hieß es in der BBC. Die Zeitung "Guardian" erinnerte daran, dass City vor einem Monat noch fünf Punkte Vorsprung hatte und machte Liverpool Mut: "Es gab nur einen anderen Club in der Geschichte, der ungeschlagen ins neue Jahr gekommen ist und nicht Meister wurde." Das Missgeschick ist eine Weile her, es passierte Sheffield United in der Saison 1899/1900.

In der knappen Partie am Donnerstag sorgte der starke deutsche Nationalspieler Leroy Sané (72. Minute) für die Entscheidung. Zuvor hatte Sergio Agüero (40.) Man City erstmals in Führung geschossen. Den zwischenzeitlichen Ausgleich für Liverpool erzielte der frühere Hoffenheimer Roberto Firmino (64.). Zwar strahlte das Angriffstrio, zu dem neben Firmino auch Mohamed Salah und Sadio Mané gehören, nicht die gewohnte Gefahr aus, aber die Reds hatten in der knappen Partie auch einfach "kein Glück beim Abschluss", wie Klopp betonte.

Wohl auch deshalb stapelte sein siegreicher Trainerkollege Guardiola, der an der Seitenlinie höchst aufgeregt gewirkt hatte, tief - und lobte den Gegner. "Liverpool ist immer noch spitze", sagte er. "Es sind genug Punkte, um weiter zu konkurrieren, aber ich möchte auch gleichzeitig die Chance nutzen, um diesen unglaublichen Spielern zu dem zu gratulieren, was sie in den letzten 16 Monaten gezeigt haben."

Mit 17 Siegen und 3 Unentschieden in den ersten 20 Spielen dieser Saison hatte Klopps Mannschaft ihre Anhänger in Anfield träumen lassen. Die Sehnsucht nach dem ersten Meistertitel seit 29 Jahren ist groß. Und mit einem Sieg in Manchester hätte Liverpool wohl für die Vorentscheidung gesorgt, denn dann hätte der 18-malige englische Meister zehn Punkte Vorsprung gehabt. Diese Chance wurde verpasst.

"Wenn wir danach kein Spiel mehr gewonnen hätten, hätte es auch nichts gebracht", sagte Klopp trotzig. Der Coach, der mit Borussia Dortmund zweimal die deutsche Meisterschaft feierte, wehrte sich gegen die hohen Erwartungen. "Wenn wir den Titel fünfmal in den letzten zehn Jahren gewonnen hätten, könnten wir sagen: den holen wir hundertprozentig. Aber die Erfahrung haben wir nicht, warum sollen wir so tun, als hätten wir ständig gewonnen?" Schließlich schien er sich selbst Mut zuzusprechen. "Wir sind immer noch in einer ziemlich guten Position", sagte er, "also ist alles in Ordnung für uns."

17 Partien sind noch zu spielen. Nach dem FA-Cup-Wochenende, an dem Man City den Zweitligisten Rotherham United empfängt und Liverpool bei Ligakonkurrent Wolverhampton Wanderers antritt, geht es in der Premier League erst am 12. Januar weiter. Dann könnte die Klopp-Elf mit einem Sieg in Brighton am Samstag den alten Vorsprung von sieben Punkten wieder herstellen - zumindest vorübergehend, denn Verfolger City spielt erst am Montag gegen Wolverhampton.

Matchbericht

Website FC Liverpool

Website Manchester City

BBC-Bericht

Guardian-Bericht

Klopp-Aussagen

Guardiola-Aussagen

   

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