Tennis

Aufschwung in Zeiten der Krise

Steigende Mitgliederzahlen im Corona-Zeitalter? Eine Vielzahl von Tennisvereinen in Sachsen-Anhalt durfte diesen Trend verzeichnen.

Haldensleben l So haben sich über 150 neue Mitglieder gegenüber dem Vorjahr angeschlossen. Tennis scheint als kontaktfreie Individualsportart im Aufwind.

Nach wie vor stellt die Corona-Pandemie den Breitensport vor große Herausforderungen. Nicht nur, dass der Landessportbund Sachsen-Anhalt jüngst über einen signifikanten Mitgliederschwund informierte, sämtliche sportliche Aktivitäten sind im Bundesland vorerst bis zum 10. März nur dann erlaubt, wenn es sich um kontaktfreien Individualsport handelt, der allein, zu zweit oder mit dem eigenen Hausstand ausgeführt wird.

Zu den zahlreichen Freizeitbeschäftigungen, die dadurch nicht ausgeübt werden können, zählt der Tennissport also nicht. Zwar mussten die Wettkämpfe in der Halle abgebrochen werden, doch der Trainingsbetrieb und der Vereinssport konnten mit Auflagen fortgeführt werden. Ein echter Vorteil, denn schon seit dem Beginn der Corona-Pandemie war der weiße Sport, mit Ausnahme weniger Wochen im Frühjahr, auch im gesamten vergangenen Jahr erlaubt.

So konnten die Vereine nicht nur überwiegend ihre Mitglieder halten, sondern auch Neue dazu gewinnen. Die Sportart scheint besonders bei vielen Quereinsteigern in den Fokus gerückt zu sein.

„Die Einhaltung von Abstands- und Hygieneregeln wurde konsequent in den Vereinen eingehalten. Viele Clubs haben die Chance genutzt und neue Mitglieder mit diesen Vorteilen überzeugen können“, vermutet Axel Schmidt, Präsident des Tennisverbandes Sachsen-Anhalt (TSA).

Tennis als Teil der Lösung während der Corona-Pandemie, darauf baut auch der Landesverband. „Die Mannschaftssportarten können derzeit nicht ausgeübt werden. Tennis ist eine willkommene Alternative, um sich fit zu halten und sorgenfrei seinen Körper in Schwung zu halten“, so Schmidt. Grund für Optimismus gibt auch die jüngste Bestandserhebung zum Ende des Jahres 2020, nach der viele Vereine konstante bis steigende Mitgliederzahlen meldeten.

„Die Zahlen stimmen positiv. Zusammen mit unseren Vereinen möchten wir als Verband weiter daran ansetzen, dass die Tennis-Familie in Sachsen-Anhalt natürlich auch langfristig weiter wächst“, erklärt das TSA-Oberhaupt, das sich nicht auf dem kurzfristigen Aufschwung ausruhen möchte.

Mit Hilfe von zwei großen Projekten, die durch das Land Sachsen-Anhalt gefördert werden, kann der Verband seine Vereine dabei auch unterstützend begleiten. Neben dem Vereinsbenchmarking und der Vereinsberatung vor Ort wird der TSA durch ein Digitalisierungprojekt gefördert, um die technische Entwicklung im Verband und im Spielbetrieb weiter zu festigen.

Parallel zur Einführung der Spiellizenzen hat sich auch die Kommunikation mit den Vereinen stark verbessert. Dabei hat sich die Stärkung von Online-Angeboten durch den TSA als echter Erfolg erwiesen. „Das ist eine echte Win-Win-Situation. Als Verband können wir die Vereinsarbeit aktiv unterstützen und die Mitglieder können den gewonnenen Input im Verein für neue Angebote umsetzen. Gleichzeitig hören wir die Sorgen der Vereine und können deren Fragen und Anregungen für unsere Arbeit aufgreifen“, erklärt TSA-Geschäftsführerin Bettina Krause.

Wie auch beim Online-Seminar, bei dem der bayerische Vereinsberater Marco Kummer gestern über Chancen und Vorteile der Mitgliedergewinnung während der Corona-Pandemie referierte und Maßnahmen zur Umsetzung im eigenen Club mit auf den Weg gab. Bei der weiteren Planung kann der TSA auch durch seine Vereinsberatung helfen und den Club vor Ort unterstützen. „Die neue Möglichkeit wird zunehmend entdeckt, es liegen mehrere Anfragen vor“, freut sich Krause über den Zuspruch von der Basis.

Als Gewinner der Krise möchte sich der Tennisverband in Zeiten der Corona-Pandemie jedoch nicht verstehen. „Allein aus Solidarität gegenüber anderen Sportarten werden wir in der gegenwärtigen Lage so nicht denken“, weiß Schmidt um die angespannte Lage in der Gesellschaft.

Vielmehr möchte der Tennissport als „willkommene Alternative“ in Corona-Zeiten wahrgenommen werden. In Sachsen-Anhalt scheinen dafür die Weichen gestellt zu sein.