Vorab zu einem "Endspiel" um den Klassenerhalt in der Fußball-Landesklasse, Staffel II, deklariert, ging das Derby zwischen Niegripp und Gerwisch gestern Abend mit 3:0 (0:0) an die Gastgeber. Ein erlösendes Tor kurz nach Wiederbeginn löste sämtliche Niegripper Blockaden.

Niegripp/Gerwisch l Nur einen halben Kopf trennen Bastian Schlüter und Markus Rogge voneinander - eigentlich zu wenig, um wie beim Basketball von einem "Mismatch", also einer zu ungleichen Größenzuordnung, zu sprechen. Und doch waren es jene Handvoll Zentimeter Unterschied zwischen dem Defensivmann der SG Niegripp und dem seinem Gegenüber bei der SG Gerwisch, die den Unterschied machten.

Knappe sieben Minuten war die zweite Halbzeit alt, als der eine Schlüter auf Niegripper Seite, Marcus, seine gefühlvolle Flanke in den Strafraum der Gäste bringen durfte, der andere Schlüter, Bastian, eben die entscheidenden Zentimer höher sprang als Rogge und zum 1:0 der Hausherren traf. "Dieses Tor war unser Dosenöffner. Danach war die Nervosität weg", brachte es Trainer Michael Hucke auf den Punkt. Bis zur Führung steckte nämlich in so ziemlicher jeder Aktion der beiden Sportgemeinschaften blau-weiße Zurückhaltung, Respekt vor dem Gegner und auch ein wenig Angst, den ersten - womöglich entscheidenden - Fehler zu begehen.

Zwar kamen die Gerwischer nach ereignisloser erster Halbzeit, in der einzig Bastian Schlüter mit einem Pfostenschuss Torgefahr andeutete (35.), druckvoller aus der Kabine, doch mit dem Rückstand nahm das Unheil seinen Lauf. "Wir haben uns irgendwann aufgegeben, hatten nichts mehr entgegenzusetzen", stellte ihr Trainer Lars Köthnig fest. Zwar verbuchte Thomas Schmidt noch eine Schusschance (60.), doch zehn Minuten später war jeglicher Widerstand gebrochen.

Scheiterte Paul Sandmann zunächst noch im Anschluss an einen Freistoß aus der Nah- distanz, war Thomas Böttcher im Nachfassen zur Stelle und besorgte das 2:0 (69.). "Damit haben wir den Deckel drauf gepackt", sagte ein zufriedener Hucke, dessen Elf nun offenkundigen Appetit auf das Doseninnere zu haben schien. Beinahe jedem Ball wurde hinterhergegangen, den geschockten Gästen kaum Platz gelassen und immer wieder tauchte die Heimmannschaft vor dem Tor von Gerwischs Keeper Marco Pranke auf.

"Der rennt durch sechs Leute durch", monierte der Schlussmann der Gäste in der 80. Minute. "Der" war übrigens Christoph Ackmann und er sah sich eigentlich nur drei Abwehrspielern gegenüber, doch diese dienten dem Torschützen zum 3:0 allenfalls als freundlicher Begleitservice. Die von Hucke nach der 1:4-Niederlage vom Sonnabend bei Arminia Magdeburg geforderte "Reaktion" war somit zumindest in Hälfte zwei zufriedenstellend erbracht worden.

Die am Ende klare Überlegenheit des Gastgebers musste dann auch Köthnig anerkennen, der jedoch betonte: "Der Druck war für Niegripp vor dem Spiel größer." Doch ist dieser zumindest bis zum nächsten Duell am Sonnabend gegen Roter Stern Sudenburg gewichen. Einem einfachen Haushaltsgerät und ein paar wenigen entscheidenden Zentimetern sei Dank.

SG Niegripp: Rateike - Reiprich, Briest, Böttcher, Müller, B. Schlüter (60. Lorbeer), Philipp (76. Komin), Mlynek (83. Kübler), Ackmann, Sandmann, M. Schlüter

SG Gerwisch: Pranke - Lisak, Tangermann, Schröder, Rogge, Hoppe, Müller, Schmidt (81. M. Köthnig), Thormeier, Jahnel, Krüger