Der SV Germania Güsen hat am Sonnabend die nächsten drei "Big Points" in der Fußball-Landesklasse, Staffel I, eingefahren. Der 3:1 (1:0)-Heimsieg über den SV Medizin Uchtspringe stand jedoch ein wenig im Schatten eines kuriosen Gegentreffers.

Burg l Was wurde nicht in jüngerer Vergangenheit über den Sittenverfall auf deutschen Sportplätzen gesagt, geschrieben und gesendet. In Zeiten übler Grätschen, nicht jugendfreier Worte und unschöner Handgemenge ergibt sich zuweilen ein Bild der Verrohung. Umso schöner sind da solche Geschichten, wie sie Chris Hoffmann am Sonnabend schrieb. Der dritte Torhüter des SV Germania Güsen, der nach den verletzungsbedingten Ausfällen von Daniel Vormeister und Philipp Hirsch am Sonnabend gegen Uchtspringe das Gehäuse der Gastgeber hütete, übertrieb es nämlich ein wenig mit der Fairness.

In der 55. Minute blieb Gästespieler Rico Gerhardt im Tornetz der Güsener liegen. Hoffmann eilte herbei, um dem Verletzten aufzuhelfen, und war sichtlich erschrocken, als Schiedsrichter Christian Schütze (Gerwisch) in die Pfeife blies und zur Mittellinie deutete. Hoffmanns Hilfsbereitschaft hatte einen hohen Preis: das zwischenzeitliche 1:1. Da er während des Überschreitens der Torlinie den Ball im Arm hielt, war an der Rechtmäßigkeit des Treffers nicht zu rütteln und das Entsetzen groß. Auch bei Trainer Hartmut Kober: "Ich dachte nur: Das kann es nicht geben. In 27 Jahren auf unterschiedlichsten Sportplätzen habe ich so etwas noch nicht erlebt." Was sollten erst seine Spieler sagen?

Ihre Antwort auf das wohl jetzt schon kurioseste Tor der Saison war bemerkenswert: Erst jagte Torsten Linnecke, nach absolviertem Studium nach Güsen zurückgekehrt, einen Volleyschuss zum 2:1 ins Tor (80.). Sechs Minuten später überwand Toni Lamprecht Gästetorhüter Alexander Schulz mit einem direkt verwandelten Freistoß aus 30 Metern - 3:1. Nach dem 3:0 in Goldbeck war der zweite wichtige Sieg binnen einer Woche perfekt, über die Posse um den Ausgleich wurde inzwischen herzlich gelacht und Kober zeigte sich zufrieden: "Was uns auch schon in Goldbeck ausgezeichnet hat, war unsere Einstellung. Jeder ist für den anderen mitgelaufen. Alle haben bis zur letzten Minute gekämpft. Uchtspringe ist zwar stets gefährlich geblieben, aber die Jungs haben sich gegenseitig immer wieder angespornt. Ich bin stolz auf sie."

Schon in der ersten Halbzeit zeigte das Team um Kapitän Robert Schüßler, dass es gewillt war, den Vorwochensieg nicht zur Eintagsfliege verkommen zu lassen. Die Gäste, die um geordneten Spielaufbau bemüht waren, wurden frühzeitig attackiert. Güsen produzierte Ballgewinne in Serie und wagte gefährliche Vorstöße über die Außenbahnen. Ein solcher konnte kurz vor der Halbzeit von der Medizin-Abwehr nur zur Ecke geklärt werden. Sebastian Dieterts Eingabe fand Tobias Pohl, der per Kopf zum 1:0 traf (42.). "Wir studieren im Training viele Angriffe über die Außen ein - mit Erfolg, wie man sieht", freute sich Kober.

Jenes Mittel soll auch am Mittwoch, im Duell bei Eintracht Salzwedel zum Erfolg führen. "Wenn wir dieses nächste Sechs-Punkte-Spiel gewinnen, sind wir wieder im Geschäft", formulierte Kober - wohlwissend, dass Fairnesspreise zwar löblich sind, Zähler gegen den Abstieg aber umso wertvoller.

Germania Güsen: Hoffmann - T. Lamprecht, Schüßler, Huth, C. Kopp, Buchheim, C. Vormeister, Elsner, Dietert (73. Linnecke), Pohl, F. Lamprecht (60. Weber)