Burg (bjr) l Mathias Lange war es vielleicht gar nicht unrecht, dass die Beschallung in der Sporthalle am Platz des Friedens am Ende auch nicht mehr so recht wollte. Als der Kapitän der Burger Verbandsliga-Handballer am Samstagabend zum Mikrofon griff, ergab eine kurze Tonprobe: nichts. Also versammelte der Kreisläufer der SG Fortschritt das Team im Anschluss an die 25:26 (14:17)-Niederlage gegen den SV Wacker Westeregeln auf Höhe der Mittellinie und sprach - nun also ohne elektrischen Schallwandler - aus, was ihm nicht leicht fiel.

Die Ansprache fiel etwas länger aus, es wurde sich viel umarmt und vor allem gestalteten sich die Momente nach der Schlusssirene tränenreich. Verständlich, war doch die Zeit zum Abschied nehmen gekommen und dies gleich in mehrfacher Hinsicht.

Einerseits wurde Steffen Bretschneider alles Gute gewünscht. Er schließt sich zur neuen Saison dem SV Eintracht Gommern an, hält also sportlich gesehen die Klasse. Dieser Punkt war nämlich die eigentliche Überschrift für das abschließende Heimspiel vom Sonnabend: Es war auf unbestimmte Zeit das vorerst letzte Verbandsliga-Heimspiel der SG Fortschritt, die nach einer Saison wieder den Gang in die 1. Nordliga antreten muss. "Es war eine Erfahrung", wollte Lange das eine Jahr keineswegs als verschenktes verstanden wissen. Die Umstände, welche den Aufsteiger seit September vergangenen Jahres begleiteten, waren aufgrund der bekannten personellen Misere nicht die glücklichsten.

So war das Spiel gegen den SV Wacker auch zumindest in der ersten Hälfte, in welcher die Burger klasse mithielten, noch einmal ein Beispiel für die große Frage nach dem "Was-Wäre-Wenn". Auch Fortschritt-Trainer Holger Leske sah es so: "Wir haben im ersten Abschnitt gesehen, was mit einer halbwegs voll besetzten Bank möglich ist."

Elf Spieler waren auf Burger Seite gegen den SV Wacker im Spielprotokoll aufgeführt - eine luxuriöse Situation, trat doch die SG Fortschritt in dieser Spielzeit auch schon einmal mit siebenköpfiger Not-Besetzung an. Dass es dem Aufgebot vom Sonnabend vor allem durch ein gutes Dutzend Fehlwürfe im zweiten Abschnitt nicht gelang, einen Heimsieg zu landen, ernüchterte den Trainer nicht. "Wer sich keine Würfe nimmt, kann auch keine Tore erzielen." Diesen Satz könnte Leske seinem Team ebenso ins Stammbuch schreiben wie den folgenden: "Ich hoffe, dass das Team zusammenbleibt und diesen Neuanfang in der nächsten Saison gemeinsam angeht."

Er selbst wird ihn jedoch nur aus der Ferne verfolgen, den Weg seiner Mannschaft. Noch einmal, am Freitag um 19 Uhr beim Derby in Biederitz, nimmt Leske auf der Bank der SG Fortschritt Platz und hängt sich das Kärtchen als Mannschaftsverantwortlicher um den Hals. Dann ist auch für ihn vorerst Schluss. "Aus zeitlichen und familiären Gründen gebe ich das Traineramt ab."