Burg/Magdeburg l „eSport ist nichts Böses, wie die Politik manchmal glauben machen will. Es gibt in ganz Deutschland auch Sportschützen, die im Gegensatz zum Ego-Shooter statt mit virtuellen Waffen mit echten hantieren. Und auch ihnen wird Vertrauen entgegengebracht“, äußert Marius Lauer offen seine Gedanken. Gemeinhin ist der eSport in Deutschland noch nicht ins große Blickfeld gerückt, obwohl er bereits hierzulande eine große Anhängerschaft hinter sich weiß und die Landeshauptstadt mit „eSport Magdeburg“ Sitz des bisher größten Vereins mit über 200 Mitgliedern in Deutschland ist.

Lauer, langjähriges Vereinsmitglied und eines der bekanntesten Gesichter der Kommentatoren-Szene, hat Magdeburg zu seiner Wahlheimat gemacht und arbeitet daran, eSport zu etablieren. Dafür hat er etwa den Verband „eLSA – eSport Sachsen-Anhalt“ gegründet. „Wir müssen uns weiterentwickeln“, lautet seine Devise.

Tausende Zuschauer

Dass der eSport ungehindert weitermachen kann, ist dennoch eine Fehlannahme, wie Lauer erklärt: „Wir haben zwar den Vorteil, dass das Zocken online weitergehen kann. Bei internationalen Wettkämpfen funktioniert das allerdings nicht, da aufgrund der Zeitverschiebung gleiche Rahmenbedingungen unmöglich sind.“ National, sogar kontinental sei die Austragung jedoch weiterhin möglich. „Online, in sicheren Gefilden, versteht sich. Dennoch mit mehreren tausend Zuschauern, die das Spektakel virtuell vom eigenen PC oder Fernseher aus verfolgen.“

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Die Krise sei schlimm, räumt Lauer ein, dennoch hat gerade der eSport nun die Gelegenheit, sich weiterzuentwickeln und aus seinem Schattendasein hervorzutreten. Dass dies mit und in den Vereinen bestmöglich umgesetzt werden kann, stehe außer Frage. „Normalerweise bietet das Internet Möglichkeiten, um sich anonym zu äußern. Oftmals wird diese Anonymität dazu missbraucht, andere Menschen zu diskriminieren und das darf nicht sein.“ Wie auf dem Fußballfeld gebe es Regeln, an die sich die Teilnehmer halten müssen. Die Anonymität im Spiel ist tatsächlich nur Schein. „Anhand der vergebenen IP-Adresse lässt sich die Identität ermitteln und der Betreffende wird ausgeschlossen.“

Dies allein kann jedoch kein Allheilmittel sein. Daher ist es wichtig, dass sich die Gamer einem Verein anschließen können, um zum einen soziale Kontakte zu knüpfen und zum anderen, wie Fußballer, Handballer, Volleyballer und alle anderen Athleten ein faires Miteinander ohne Diskriminierung und Beleidigung lernen und erleben. „Vor allem die Profis sind intelligent, verarbeiten Informationen in Sekundenschnelle und müssen richtig reagieren, um das Spiel zu gewinnen“, erklärt Lauer und präzisiert anhand eines Vergleichs: „Benötigt der Aufbauspieler im Handball einen Moment zum Nachdenken, macht er einen Schritt zurück, prellt den Ball und spielt erst dann den Pass. Beim Online-Gaming geht das nicht. Der Spieler muss eine komplexe Situation binnen Sekunden korrekt bewerten und entsprechend reagieren.“

Köpfchen ist gefragt

Die Begeisterung in Lauers Stimme ist förmlich greifbar und vermittelt einen Eindruck, warum er aktuell einer der gefragtesten eSport-Kommentatoren für „Tom Clancy’s Rainbow Six: Siege“ vom Vertreiber Ubisoft ist. Dabei handelt es sich um einen Egoshooter, bei dem zwei Gruppen aus je fünf Spielern gegeneinander „zocken“. Ein Team bewacht die Bombe, die das andere muss innerhalb von drei Minuten entschärfen. Ein Taktikspiel, bei dem Köpfchen gefragt ist.

Doch nicht nur der Geist muss fit sein, weiß Lauer aus Erfahrung. Nächte nach langen Arbeitstagen, an denen das Hirn Höchstleistung erbracht hat, der Körper aber noch energiegeladen ist, können schlafraubend sein. So powert sich der Moderator beim Cross Fit aus und erzählt von seinem Kollegen Device, der neben dem Online-Gaming ausgesprochen gut Badminton spielt und so einen gesunden Ausgleich bietet.

Der Einstieg ins Profi-Gaming ist allerdings kein leichter. „.Erst mal ist es zweitrangig, wie gut oder schlecht jemand spielt. Das macht am Ende das Training. Wichtiger ist, Eigeninitiative zu zeigen, in Sachen Social Media präsent zu sein und Reichweite zu generieren.“ Dazu ist eine Strategie unerlässlich. Wird dann ein Sponsor aufmerksam, hat man es fast geschafft.

Das Geschäft boomt

Das Geschäft hinter dem eSport ist bereits mit dem der Fußball-Bundeliga vergleichbar und die Konkurrenz groß. Nicht zuletzt deswegen entschieden sich bereits Profivereine wie Schalke 04, neben Spielern auf Rasen auch in Onlinegamer wie Julius Kühle zu investieren. Es ist nicht von der Hand zu weisen: Obwohl eSport noch immer mit kritischem Blick betrachtet wird, ist er längst in der Mitte der Gesellschaft angekommen.