Tucheim l Mit den Fläminger Füxxen haben Tucheims E-Jugendfußballer im zurückliegenden Sommer den Anfang gemacht. Das Ziel: eine Spielgemeinschaft im gesamten Juniorenbereich, die irgendwann einmal den „Großen“ das Wasser reichen kann. Ein langer Weg liegt noch vor ihnen, doch die ersten Schritte sind zurückgelegt. Im vergangenen September schlossen sich die E-Jugend-Mannschaften des SV Traktor Tuchheim, SV Ziesar und SV Wollin 52 zu den „Fläminger Füxxen“ zusammen. Dabei handelt es sich um den ersten fußballerischen Zusammenschluss, der über die Landesgrenze von Sachsen-Anhalt zu Brandenburg hinweggeht. Das Ziel dahinter: dem Fußball-Nachwuchs eine Perspektive geben, ganz egal aus welchem Ort er stammt. „Es ist die Idee gewachsen, eine Gemeinschaft ins Leben zu rufen, die unabhängig ist von dem Vereinsnamen oder der -zugehörigkeit. Wir möchten eine Spielgemeinschaft bieten, mit welcher sich der Nachwuchs von Wollin bis Möckern identifizieren kann“, erklärt der Füxxe-Jugendkoordinator Florian Braun.

Dass es vor allem in den ländlichen Regionen immer schwieriger wird, eine ausreichend stark besetzte Nachwuchsmannschaft in den Wettkampfbetrieb zu schicken, zählte schon vor der Corona-Krise zu den eher traurigen Gewissheiten. Für Braun, Tucheims Vereinsvorsitzenden Michael Weise und Stefan Seel, Abteilungsleiter Fußball in Wollin, war dies Grund genug, das Pilotprojekt anzugehen. Nach ersten Gesprächen stand auch bald der Name der neuen Gemeinschaft fest. Ein markantes Logo durfte ebenfalls nicht fehlen, wobei das doppelte F mit einem Dreieck einen stilisierten Fuchs bildet. „Ursprünglich hatten wir uns Füchse genannt, aber die Kinder haben dafür votiert, den Namen mit einem Doppel-X zu schreiben. Das wirke moderner und peppiger“, so Braun zur recht ungewöhnlichen Schreibweise. Und irgendwie passt es ja auch. Fußballerische Grenzgänger, die sich in das enge Korsett der deutschen Orthografie zwängen, wären nur halb so konsequent.

Einzugsbereich Sachsen-Anhalt

Mit der neuen Ausrichtung ließen die ersten Probleme und Herausforderungen jedoch nicht lange auf sich warten. Länderübergreifendes Arbeiten ist in den Fußballverbänden Sachsen-Anhalts und Brandenburgs per se nicht vorgesehen. So gab es im offiziellen Internet-Portal für die Spielerfassung, dem DFB-Net, anfangs schlichtweg technische Zugriffsbeschränkungen.

Mittlerweile sind diese zwar behoben, doch als Gesamtkonstrukt müssen die „Füxxe“ weiterhin improvisieren: Weitere bürokratische Einschränkungen im Nachbar-Bundesland sorgen dafür, dass die „Füxxe“ offiziell nur die Fahne Sachsen-Anhalts hochhalten. „Die Umbenennung eines bestehenden Vereins ist in Brandenburg schlichtweg nicht möglich. Genau das war uns aber sehr wichtig. Und nicht zuletzt wären die Anreisewege zu den Auswärtsspielen bei den Nachbarn deutlich länger gewesen“, erklärt Braun die Entscheidung, im Einzugsbereich des Fußballverbandes Sachsen-Anhalt (FSA) an den Start zu gehen.

Vor der Saisonunterbrechung im Oktober hat die neu formierte E-Jugend noch das eine oder andere Turnier bestreiten können und sich mit zwei dritten Plätzen gut präsentiert. „Derzeit stagnieren die Entwicklungen natürlich ein wenig und ich habe große Sorge, dass der eine oder andere Spieler nach der Pause vielleicht nicht zurückkommen wird“, zeigt sich Braun besorgt.

Umso wichtiger sei es daher, auch in diesen schwierigen Zeiten die Motivation und den Spaß am Spiel hoch zu halten. „Derzeit machen wir viel über WhatsApp und stellen Videos bereit, damit die Kinder zuhause zumindest ein paar Basic-Übungen trainieren können“, so der Jugendkoordinator, der gemeinsam mit dem zertifizierten Übungsleiterstab auch Trainingspläne und Regularien erstellt, um dem Nachwuchs die bestmögliche Förderung zu bieten. Nicht zuletzt hat er deswegen neben seiner Trainerlizenz auch einen Vereinsmanager-Kurs belegt. Braun ist es wichtig, dass sich die drei beteiligten Vereine stets auf Augenhöhe begegnen.

Ehrgeizige Ziele

Bald soll auch die F-Jugend unter dem Logo der „Fläminger Füxxe“ auflaufen. Derzeit scheitert es aber noch an einem Vertrag mit einem Sponsor, der die Mannschaft an den SV Traktor bindet. Geht es nach Braun, sollen bis zum Jahr 2025 in allen Altersklassen von der G- bis zur A-Jugend eine Mannschaft in der Spielgemeinschaft integriert werden – und vielleicht irgendwann aus dem geballten Nachwuchs eine Herrenmannschaft auf die Beine gestellt werden. „Sehr wahrscheinlich muss man mit den alten Traditionen brechen, um erfolgreich zu sein. Wenn uns das gelingt, könnten wir in Zukunft mit einer gemeinsamen Herrenmannschaft den nächsten Schritt gehen. Wir sind jetzt erst mal auf einem guten Weg.“