Güsen l Jeder, der in seinen Jugendjahren selbst einmal Fußball gespielt hat, weiß es ganz genau: Wenn man als Mannschaft zu den „Kellerkindern“ gehört, läuft gefühlt in jeder Aktion des Spiels irgendetwas zu Gunsten des Gegners, der in der Regel mehr Glück vorweisen kann, obwohl er scheinbar deutlich weniger investiert. Die Güsener können seit Sonnabendnachmittag ein Lied davon singen. Drei Lattentreffer, ein verwehrter Handelfmeter, ein Sonntagsschuss in der 5. Minute, ein K.o.-Schlag in der 91. Minute.

Die Liste der Aktionen, in denen entweder etwas pro Kleinmühlingen oder contra Güsen lief, ist lang. Auch zwei Tage danach tut besonders das spielentscheidende 3:2 noch sehr weh. „Meine Laune und die der Mannschaft ist logischerweise im Keller. Wir sind vor allem enttäuscht, weil wir ein gutes Spiel abgeliefert haben. Das Verhältnis passt einfach nicht. Betrachtet man das Spiel als Ganzes, bleibt eigentlich viel Licht übrig und nur ein bisschen Schatten; und das bisschen Schatten sind ausgerechnet die drei Gegentore“, meinte Güsens Trainer Mathias Tesch.

Güsen früh in Rückstand

Eines der drei Tore brachte den Gastgeber schon sehr früh in Rücklage. In Minute fünf war nach einem Gästeangriff eigentlich schon alles geklärt. Ein unglücklicher Befreiungsschlag brachte den Ball allerdings vor die Füße von Andreas Kirchhoff. Der hielt ohne Rücksicht auf Verluste volley drauf und erzielte das 1:0. „Ein typischer Treffer gegen eine Mannschaft, die weit unten in der Tabelle steht.“ Die Nachwehen des Gegentreffers hielten eine halbe Stunde an, dann tauten die Güsener allmählich auf und nahmen das Zepter in die Hand.

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Fortan ging es fast nur noch in eine Richtung. Ein Lattentreffer von Christian Vormeister sowie ein weiterer abgefälschter hätten das 1:1 bedeuten müssen. Doch noch mussten sich die Gastgeber ein wenig gedulden, bevor sie für ihre Mühen belohnt wurden.

TSV mit hoher Tor-Effizienz

„Ich habe mein Team in der Kabine noch einmal richtig motiviert“, so Tesch. Das hatte Wirkung. Güsen schaltete mit Wiederbeginn noch einen Gang hoch und verdiente sich so das 1:1 durch Christian Vormeister. Mit deutlich mehr Ballbesitz und Möglichkeiten ging es weiter. Ein Schuss von Tobias Pohl landete abermals am Querbalken. Der Gast blieb blass, aber nicht unsichtbar. Wiederum Kirchhoff brachte seine Mannen 2:1 in Front. Zwei Tore aus zwei Chancen, so definiert Kleinmühlingen/Zens das Wort Effizienz. „Alle drei Tore müssen wir besser verteidigen.“

Was hinten nicht funktionierte, lief bei den Güsenern vorn deutlich besser, wobei man sich nach einem vermeintlichen Handspiel eines gegnerischen Verteidigers klar benachteiligt fühlte. „Für uns war es ein klares Handspiel. Die Kleinmühlinger waren in dieser Situation verdächtig leise.“ Den zweiten Elfmeter des Tages verwandelte Vormeister zum 2:2-Ausgleich. Güsen bewies weiterhin Moral und ließ nichts unversucht, um in Führung zu gehen. In der Schlussphase tauchte noch einmal Vormeister frei vor TSV-Keeper Sebastian Brandt auf, allerdings legte er sich den Ball zu weit nach vorn.

Eine letzte Ecke sollte die Partie schließlich entscheiden. Noah Gärtner klärte, doch Florian Marx stand schon einschussbereit auf halbrechter Position und machte das 3:2. Das gesamte Team versammelte sich an der Mittellinie zum Jubeln, in dem Wissen, dass das die Entscheidung war.

Güsen: Gärtner– Maeße (32., Mittag), T. Lamprecht, Schüßler, Franke, Pohl, Schmidt (56., Jawid), Döbberthin, M. Golz, Kopp (79., Röwer), Vormeister

Kleinmühlingen/Zens: S. Brandt – St. Brandt, Möbius, Keller, Kaschner (72., Stübner), Marx, Kirchhoff, Klöhn, Bösel, Volk (84., Gehrmann), Kunze

Tore: 0:1 Andreas Kirchhoff (5.), 1:1 Christian Vormeister (47.), 1:2 Kirchhoff (55.), 2:2 Vormeister (74., FE), 2:3 Florian Marx (91.); SR: Kevin Shaikh (Magdeburg), Adrian Schäfer, Rouven Lüter; ZS: 25