Derben l Obertauern ist ein Hotspot für Wintersportler und Après-Ski-Freunde. Auch René Bonitz tauchte wie jedes Jahr in die weiße Pracht, verbrachte einen Kurzurlaub mit Freunden im Salzburger Land. Dass am Tag seiner Heimkehr aus Österreich nach Deutschland der Spielbetrieb in Fußball-Deutschland auf unbestimmte Zeit zum Stillstand kommen sollte, daran verschwendete der Trainer des Kreisoberligsten SG Güsen/Parey während seines Urlaubs keinen Gedanken.

Erster Infektionsfall vor Ort

Herrlicher Sonnenschein, kilometerlange bestens präparierte Skipisten. Seit 17 Jahren fährt René Bonitz einmal im Jahr mit einer Herrenrunde zu einem Kurztrip ins Salzburger Land. Mit vier Freunden genoss er die Zeit auf und neben der Piste. Natürlich auch beim Aprés-Ski auf der Lürzer Alm – so wie viele Tausende andere deutsche Wintersporturlauber auch. Es wurde gelacht und gefeiert, es herrschte eine ausgelassene Stimmung. Das Corona-Virus? Ganz weit weg. „Wir haben uns darüber unterhalten, das Thema aber nicht todernst genommen“, erzählt Bonitz.

Als dann aber Nachrichten von ersten Hotel-Stornierungen die Runde machten und die einheimische Presse vom ersten Corona-Fall direkt in Obertauern berichtete, stieg doch etwas Unbehagen auf. „Da macht man sich natürlich Gedanken, gerade wenn man eines der vielen Treppengeländer anfasst oder auf öffentliche Toiletten geht. Aber richtig Angst, sich womöglich infizieren zu können, war nicht da“, gesteht Bonitz und wusste zu diesem Zeitpunkt noch nicht, dass er mit zu den letzten Saison-Gästen 2020 in der Wintersport-Hochburg Obertauern gehören sollte. Aufgrund des Coronavirus‘ wurden sämtliche Skigebiete in Österreich, Italien und der Schweiz geschlossen. Zwei Monate vor dem eigentlichen Saisonende.

Zurück in Deutschland, meldete sich René Bonitz sofort beim Gesundheitsamt. In häusliche Quarantäne, so wie vom Bundesgesundheitsminister Jens Spahn empfohlen, begab er sich aber nicht. „Alle aus unserer Ski-Truppe fühlen sich pudelwohl und kerngesund. Das Gesundheitsamt hat uns empfohlen, nicht zum Arzt zu gehen, solange keine Krankheits-Symptome auftreten.“

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Am Freitag, einen Tag nach seiner Heimkehr aus Österreich, ging Bonitz wieder normal zur Arbeit. „Ich kann mich doch nicht krankmelden und zu Hause herumsitzen. Außerdem habe ich in meinem Job wenig Kontakt zu anderen Menschen“, begründet Bonitz, der beim Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Magdeburg arbeitet und seinen Wirkungskreis im Außenbereich rund um Tangermünde hat.

Das Thema Corona ist aber auch für den 39-Jährigen, der mit seiner siebenjährigen Tochter Julie und seiner langjährigen Freundin Kathrin in Derben wohnt, allgegenwärtig. „Meine Oma ist 88 Jahre alt und liegt im Altersheim. Ihr geht es nicht gut. Ich hätte sie gerne besucht, aber das ist nicht möglich“, erzählt Bonitz, hat aber Verständnis dafür, dass Alten- und Pflegeheime derzeit Besuchsverbote verhängen.

Trainingsbetrieb eingestellt

Am Freitagabend, einen Tag nachdem der Fußballverband Sachsen-Anhalt den kompletten Spielbetrieb aussetzte, traf sich Bonitz mit seinem Mannschaftsrat und Kapitän. Mit dem Ergebnis, dass der Trainingsbetrieb der Spg. Güsen/Parey sofort eingestellt wird. „Vorerst bis zum 25. März. Ob wir dann drei Tage später wirklich unser Pokalspiel gegen Gerwisch austragen können, weiß im Augenblick niemand.“ Bis dahin sollen sich seine Spieler mit Waldläufen fit halten.

Aber nicht nur die Zwangspause im Fußball beschert Bonitz in den nächsten Wochen viel Freizeit. Der Derbener ist nämlich nicht nur Trainer, sondern tourt seit 20 Jahren auch als „DJ René“ durchs Jerichower Land. „Die erste Absage für eine geplante Familienfeier habe ich prompt für dieses Wochenende erhalten“, berichtet Bonitz und ist froh, dass er für die Monate März und April weniger Auftritte angenommen hat. „Meine Hauptsaison beginnt erst im Mai.“ Wie alle, so hofft auch René Bonitz, dass sich die Lage möglichst schnell normalisiert. Der nächste Winterurlaub in Obertauern für März 2021 ist jedenfalls wieder gebucht.