Brettin (bjr) l Wie viel Überzeugungsarbeit nötig war, wissen wir nicht. Doch nachdem der Ausfall von vier Stammkräften den TSV Brettin/Roßdorf unter der Woche vor ein Dilemma gestellt hatte, machte Christian Feuerherdt noch einmal eine Ausnahme. Eigentlich hatte der 37-Jährige vor einem Jahr die Fußballschuhe an den Nagel gehängt. Wie zur Bekräftigung des Abschieds bereitet er sich seit einigen Wochen mit den Handballern des SV Chemie Genthin auf den Saisonstart vor – und wurde am Sonnabend doch zu einem der gefeierten Pokalhelden bei den Gelb-Blauen, die erstmals nach 16 Jahren wieder im Endspiel stehen. Den dramatischen Weg dorthin fasste Spielercoach Marco Löper aus dem Trainerduo mit Tino Schmahl als „Hitzeschlacht, bei der eigentlich schon alle nach 90 Minuten die Augen verdreht haben und stehend K.o. waren“ zusammen.

Zu ihnen durfte auch Karl Niklas Temme gezählt werden, obwohl er erst nach knapp 70 Minuten in die Partie gekommen war. In der Verlängerung verabschiedete er sich in eine Behandlungspause, kehrte dann aber nach fünf Minuten zurück, da die Gastgeber bereits alle drei Wechsel-Optionen gezogen hatten. Zum Glück für den TSV, denn kurz darauf wehrte TSG-Torhüter Patrick Ritter einen Freistoß zu kurz ab, Temme schaltete am schnellsten und stieß mit dem 4:3 in der 110. Minute die Tür zum Finale weit auf. „Da dachten wir eigentlich, dass nichts mehr passieren kann“, so Löper, der bereits die Innenansicht als linker Außenverteidiger „genoss“. Doch weil er und Lucas Weinheimer sich bei einem Freistoß vom Möseraner Kapitän Gorden Jordan nicht einig wurden, köpfte der angeschlagene TSV-Youngster den Ball unglücklich ins eigene Tor – 4:4, Elfmeterschießen.

Der Favorit schlägt spät zurück

Während die Verlängerung also Stoff für zwei Spiele bot, waren bereits die 90 regulären Minuten nichts für schwache Nerven. Den Startschuss gab Christian Feuerherdt nach einer Viertelstunde. Der Routinier, der am Sonnabend erstmals gemeinsam mit seinem Sohn Jeremy in einem Pflichtspiel auf dem Platz stand, schweißte einen Freistoß aus rund 35 Metern direkt zur 1:0-Führung ins TSG-Tor. Danach war die Brettiner Herrlichkeit jedoch vorerst vorbei. Der Favorit aus Möser riss die Partie zusehends an sich und kam folgerichtig durch Andreas Breckau zum Ausgleich (20.). Mitten in die drückende Überlegenheit fiel dann aber das 2:1 der Platzherren durch Julien Tiefert.

Der TSV-Stürmer, wie immer ein Musterbeispiel an Einsatz, ließ nach gut einer Stunde die Sensation in greifbare Nähe rücken. Nach einem langen Ball überlupfte er Ritter zur 3:1-Führung. Als Gästespieler Chris Schulz kurz darauf wegen einer vermeintlichen Spuck-Attacke die Rote Karte sah, schien alles für den Außenseiter zu laufen. Doch im Stil eines angeschlagenen Boxers rappelten sich die Grün-Weißen auf. Konnte sich Brettins Schlussmann René Grützmacher in mehreren Eins-gegen-Eins-Duellen noch auszeichnen, war er bei einem abgefälschten Schuss von Benjamin Bartsch, der später aufgrund einer Notbremse ebenfalls die Rote Karte sah, machtlos. In der fünften Minute der Nachspielzeit rettete Breckau schließlich den Favoriten in die Verlängerung, die trotz der Gluthitze nichts an Intensität einbüßte.

Das letztliche Glücksspiel vom Elfmeterpunkt sah den Gastgeber als Sieger. „Zunächst wollte niemand schießen, also haben wir diejenigen festgelegt, die noch den frischesten Eindruck machten.“ Nachdem Keeper Grützmacher erst zwei TSG-Versuche entschärfte sowie einen Elfmeter selbst verwandelte, und mit Justin Feuerherdt auch der letzte TSV-Schütze die Nerven behielt, gab es kein Halten mehr. „Auch wenn wir im Finale gegen Burg krasser Außenseiter sind, freuen wir uns riesig auf dieses Spiel. Dass wir zusätzlich für den Landespokal qualifiziert sind, toppt die ganze Sache noch.“
Brettin/Roßdorf: Grützmacher – Barske, N. Lindemann (82. M. Löper), B. Löper, Ju. Feuerherdt, L. Lindemann, Kniesche, Je. Feuerherdt, Strumpf (90.+3 Weinheimer), Tiefert, C. Feuerherdt (69. Temme)
Möser: Ritter – Sachs, Damczyk, Kloska, Ellermann (68. Redemske), Schulz, Bartsch, Jordan, Altenkirch, Küllmey (116. Lange), Breckau
Tore: 1:0 Christian Feuerherdt (13.), 1:1 Andreas Breckau (20.), 2:1, 3:1 Julian Tiefert (45., 57.), 3:2 Benjamin Bartsch (64.), 3:3 Andreas Breckau (90.+5), 4:3 Karl Niklas Temme (110.), 4:4 Lucas Weinheimer (118., ET); Torschützen Elfmeterschießen: Julian Tiefert, Brian Oskar Löper, Rene Grützmacher, Justin Pacal Feuerherdt – Andreas Breckau, Steven Altenkirch, Gorden Jordan; SR: Michael Schwindack (Gladau), Raik Witte, Laura Köppen; ZS: 104; Gelb-Rot: Luca Lindemann (95, wdh. Foulspiel) -Brettin; Rot: Chris Schulz (59., Unsportlichkeit), Benjamin Bartsch (90.+2., Foulspiel) -beide Möser