Genthin l Es gibt keinen besseren Zeitpunkt für Sebastian Kroll, um das Traineramt in Genthin zu übernehmen und damit erstmals ein Team im Männerfußball zu betreuen. Nach einer schwachen Saison besiegelten die Kanalstädter mit einem 0:5 in Gommern am letzten Spieltag ihren Abstieg auf unrühmliche Weise. Kroll kann es nur besser machen als sein Vorgänger Detmar Gronwald. Der Druck ist überschaubar, die Chance, den direkten Wiederaufstieg zu realisiseren, groß. Doch das ist nicht das Ziel. „Wir wollen Fußball in erster Linie wieder zelebrieren und vor allem Stabilität zurückbringen“, sagt der 33-Jährige.

Im Altkreis Genthin waren die Kanalstädter lange Zeit unangefochtene Nummer eins, mittlerweile geht dieser inoffizielle Titel nach Güsen. Seit der Jahrtausendwende hielten sich die Borussen nie länger als drei Spielzeiten in der Landesklasse. Die Bezeichnung „Fahrstuhlmannschaft“ kann Kroll nicht von der Hand weisen. Damit sich das ändert, setzt der bodenständige Novize, der seit 2009 FSV-Teams im Nachwuchsbereich betreut, auf Beständigkeit. „Wir müssen die Geschwindigkeit drosseln. Deswegen staple ich lieber erst einmal tief und gebe als Zielstellung eine Platzierung im oberen Tabellendrittel aus“, so Kroll, „auch wenn ich dafür bereits argwöhnische Blicke geerntet habe.“

Spielerisch weiterentwickeln

Die Ansprüche waren eben lange Zeit andere. Nach dem Abstieg folgte meistens der direkte Wiederaufstieg, ohne dabei aber Fortschritte im taktischen und spielerischen Bereich erkennen zu lassen. „Wir wollen in Zukunft mit Viererkette spielen lassen, am Umschalt- und Kurzpassspiel arbeiten“, verrät Kroll, der von Thomas Dietert als Co-Trainer unterstützt wird.

„Man sagt so schön: ‚Hoch und weit bringt Sicherheit‘. Das wollen wir nicht mehr unbedingt“, so Kroll. Übersetzt: Es soll wieder Spaß machen, den Genthinern beim Fußballsielen zuzusehen. „Das wird Zeit benötigen, auch wenn bereits gute Ansätze gegeben sind“, sagt Kroll.

So ließ Sven Krüger als B-Jugendtrainer in der vergangenen Spielzeit mit Viererkette spielen, einige dieser Nachwuchskräfte verstärken nun den Kader im Männerbereich.

Beim Trainingsstart am 26. Juli wird Kroll auf gute Freunde treffen und „die Hälfte aller Spieler habe ich bereits in der D-Jugend trainiert“. Der Sprung vom Nachwuchs- in den Männerbereich sei immens, „aber ich bin kein Fremder, kenne die Spieler bereits und muss mich jetzt sozusagen von innen nach außen arbeiten“.

Frei vom Druck

Dabei sind Kroll und Dietert vorerst frei von Vorgaben. „Vom Vorstand gab es keine Ansagen bezüglich einer Zielstellung, sonst hätte ich diese Aufgabe auch nicht übernommen“, so Kroll, der eine gut besetzte Kreisoberliga erwartet: „Man hat mit Ausnahme von Gerwisch bereits in der vergangenen Spielzeit gesehen, wie eng es in vielen Spielen zuging.“ Jedoch gerade in dieser Liga könne die Mannschaft ideal am neuen Spielsystem arbeiten. Einen groben Fahrplan, wie Kroll und Dietert diese Aufgabe angehen wollen, bestehe bereits.

Auch im Nachwuchsbereich wird sich durch Krolls neue Rolle etwas ändern. So übernimmt die E-Jugendtrainerin Marianne Reinshagen in Doppelfunktionen zusätzlich die D-Jugend und wird von Ard Schenk untersützt. Ein Umbruch in kleinen Schritten also oder man könnte auch sagen: Neuanfang.