Niegripp l Frühe Tore entscheiden wichtige Spiele oftmals schon frühzeitig zugunsten einer Mannschaft. Nicht selten muss sich der geneigte Zuschauer in der Folge wenig unterhaltsame Quer- und Rückpässe ansehen, bis der erlösende Abpfiff des Schiedsrichters ertönt.

Im Relegationsrückspiel um den Landesliga-Klassenerhalt fiel der erste Treffer bereits nach neun Minuten, doch es war genau dieser Treffer, der die Partie, die Fans und beide Mannschaften richtig anheizte. Mit einem weiteren Treffer hätte Niegripp die Niederlage aus dem Hinspiel gedreht und würde die zukünftige zweite Mannschaft des SV Merseburg 99 in die Landesklasse schießen. „Ich war ehrlich gesagt verwundert, dass die Gäste das Niveau aus dem Hinspiel nicht halten konnten“, meinte ein überraschter Rene Sandmann, Trainer der Blau-Weißen, im Anschluss. „Vielleicht waren sie sich mit dem Zwei-Tore-Vorspung im Rücken zu sicher.“

Emotional angepeitscht durch Sandro Becker und Marcus Schlüter an der Seitenlinie spielten die Gastgeber weiter offensiv und hätten nach einer Viertelstunde mit einem Strafstoß für ihre Bemühungen belohnt werden müssen, doch das Schiedsrichtergespann sah es anders. Aber auch davon ließen sich die Blau-Weißen nicht beeindrucken. Sie blieben am Drücker und kamen noch vor dem Gang in die Kabine zum so wichtigen zweiten Treffer. Die Stimmung bei den Merseburgern kippte zusehends.

Die Pause kam ihnen jedoch offensichtlich sehr gelegen, denn nach dem Seitenwechsel kehrten sie deutlich verbessert zurück auf den Platz. Doch mit dem Glück des Tüchtigen und einigen Paraden von Sascha Krüger konnte Niegripp weiter die Null halten. Langsam aber sicher fand die Mannschaft nach etwas mehr als einer Stunde zurück in die Partie und entwickelte selbst wieder Torgefahr, doch der dritte Treffer, welcher zumindest eine Verlängerung garantiert hätte, wollte nicht fallen. Nach dem Ende der regulären Spielzeit hatte das 2:0 weiter Bestand. Jeder, der mit der SG Blau-Weiß mitfieberte, sehnte den Abpfiff herbei. Wohlwissend, dass ein Lucky Punch der Merseburger den Abstieg bedeuten würde.

Dem Unparteiischen schien die Partie so gut zu gefallen, dass er insgesamt sechs Minuten nachspielen ließ – und dann passierte es in der vierten Minute der Nachspielzeit: Nach einem missglückten Tor-abschluss der Gäste ging Niegripp direkt in den Gegenangriff über. Über drei Stationen landete der Ball bei Paul Sandmann, welcher unter lautstarkem Jubel am herausgeeilten Keeper vorbeigehen und zum 3:0 einschieben konnte. Die gesamte Ersatzbank stürmte zum Jubel auf den Platz. Auch wenn noch zwei Minuten zu absolvieren waren, glaubte niemand mehr daran, dass man den Klassenerhalt noch aus der Hand geben würde.

Ganz Niegripp liegt sich in den Armen

Nach dem Abpfiff gab es kein Halten mehr. Spieler, Trainer, Betreuer und auch einige Fans lagen ich auf dem Rasen in den Armen, die Jubelschreie waren auch über die Ortsgrenze hinaus noch zu hören. Schlüter richtete noch ein paar abschließende Worte an seine Mannschaftskollegen, bevor er sie in die feucht-fröhlichen Feierlichkeiten entließ. „Ich möchte mich noch einmal ausdrücklich bei Sandro Becker und Marcus Schlüter bedanken, dass sie die Mannschaft vor und während des Spiels so gut motiviert und eingestellt haben“, meinte Sandmann nach dem Abpfiff.

In der kommenden Spielzeit wird erneut der Klassenerhalt das Ziel sein. Dazu stehen die Verantwortlichen bereits mit einigen Spielern in Kontakt, aber auch Eigengewächse aus der zweiten Mannschaft sollen in der Landesliga zum Einsatz kommen. „Mit den Neuen, aber auch einigen zurückkehrenden Spielern wollen wir in der kommenden Saison neu angreifen. Mehr als den Klassenerhalt als Ziel auszugeben, wäre aber vermessen“, wagte Sandmann einen Blick in die Zukunft. „Außerdem wäre es schön, wenn wir in der nächsten Halbserie mehr als die mickrigen sieben Punkte aus der Rückrunde holen.“ Erst durch diese enttäuschende Ausbeute war Niegripp überhaupt in die Verlegenheit gekommen, in der Relegation antreten zu müssen.

Niegripp: Krüger –Schäfer, Zeuch, Räcke, Westhause, Plünnecke, Jonas (78. Blum), Kramer, B. Schlüter (61. Schlüter), Wittpahl, Schaffrath (85. Schäfer)

Tore: 1:0 Marco Westhause (9.), 2:0 Räcke (40.), 3:0 Sandmann (90.+4); ZS: 130: SR: Michael Müller (Klietz), Elfi Schwander, Hannes Westphal