Heyrothsberge l Christian Kloska hat sich in einer Situation wahrscheinlich gleich zweimal erschrocken. Zum einen, als der Ball nach einer unübersichtlichen Pingpong-Stafette irgendwie vor seinen Füßen auf der linken Außenbahn gelandet war. Und zum anderen nach dem folgenden Abschluss. Der fiel nach knapp 30 Sekunden Spielzeit viel zu harmlos, weil viel zu überhastet aus. Unions Mittelfeldmann hatte in der Unübersichtlichkeit des Geschehens offenbar nicht bemerkt, wie viel Freiraum er losgelöst von allen Gegenspielern genoss, während MSV-Keeper Robert Leonhardt keine Anstalten machte, den Platz auf der Torlinie gegen ein beherztes Herauslaufen einzutauschen. Am Ende sammelte der Schlussmann der Gäste den Ball ohne Kraftanstrengung auf, als hätte die Erwärmung vor dem Spiel ihre nachträgliche Fortsetzung gefunden.

Die Szene aus der Frühphase des Landesliga-Heimspiels vom Sonnabend hätte kaum Eingang in diese Zeilen gefunden, wenn die erste nicht zugleich die letzte Szene mit Highlight-Potenzial aus Sicht der Gastgeber gewesen wäre. Entsprechend kühl urteilte Trainer André Hoof: „Wir haben Börde in die Saison geholt. So können wir nur zu einem verdienten Sieg gratulieren, weil der Gegner in allen Belangen, die das Fußballerische betreffen, überlegen war.“ Wenngleich die Magdeburger dem Erfolg mit 2:0 (1:0) nicht die Deutlichkeit verliehen, die nach dem bislang schwächsten Heyrothsberger Auftritt der Spielzeit angebracht gewesen wäre.

Als MSV-Stürmer Bennet Flöter nach zehn Minuten eine Diagonalflanke erlief, Unions Linksverteidiger André Wittpahl abschüttelte und zur 1:0-Führung einschoss, hätte man von einem Weckruf ausgehen können. Doch schon die folgenden Minuten zeigten, dass dieser ungehört verhallte. „Auch nach dem Gegentreffer war es überraschend, wie passiv bis ängstlich wir aufgetreten sind“, kritisierte der Trainer. Während sich die Magdeburger über Ballbesitz und Spielverlagerung Souveränität erarbeiteten, strahlten die Platzherren beim Verschieben die Dynamik einer Wanderdüne aus. Das Übergeben von Gegenspielern schien ohne jede Absprache stattzufinden und so war es nur eine Frage des Glücks, dass Patrick Kreutzer nach einer Viertelstunde nicht das 2:0 nachlegte, während Martin Peukert und Marcus Kloska noch die Zuständigkeiten untereinander klärten.

„Passiv bis ängstlich“

Fingen die Gastgeber doch einmal den Ball ab, versandeten die Angriffe aufgrund zu ungenauer Zuspiele in die Spitze. „Uns hat auf allen Positionen die Überzeugung gefehlt oder das, was man im Handball Verantwortung für den Ball nennen würde.“ Durch einige Umstellungen nach der Pause stellte sich zwar optisch Besserung ein, doch zwingend wurde es vor dem MSV-Tor zu keiner Zeit. Es blieb ein schwacher Trost, dass die Unioner auf der anderen Seite „für etwa 25 Minuten nach der Pause einigermaßen sauber gegen den Ball gearbeitet und meist irgendwie noch einen Fuß dazwischen bekommen“ haben. So blieb dann auch Torhüter Christopher Biegelmeier kaum gefordert. Zugleich gab er jedoch in der einzigen Szene, in der er sich auszeichnen konnte, keine glückliche Figur ab: Ein von Max Dittwe getretener Freistoß von der Strafraumgrenze flog schnurgerade auf die Ecke des Keepers zu. Statt des erwarteten Reflexes folgte aber nur der entgeisterte Blick neben sich, als der Ball zum 0:2 (87.) einschlug. Der Schreck war endgültig über alle Mannschaftsteile der Unioner gekommen und hatte auch den Letzten in ihren Reihen gelähmt.

Heyrothsberge: Biegelmeier – Schäfer, Peukert, Schmidt (69. Thormeier), Wittpahl (75. Krümling), M. Kloska, C. Kloska, T. Rieche (46. Völckel), Schröder, Bach, Raue
MSV Börde: R. Leonhardt – Schüßler, Liedtke, Conrad, Lohse, Müller (90. Heinemann), M. Leonhardt, Nakoinz (64. Lange), Kreutzer, Flöter (50. Wesemeier), Dittwe (90. Beyer)
Tore: 0:1 Bennet Flöter (13.), 0:2 Max Dittwe (87.); SR: Reinhard Franke (Leipzig), Domenic Stamm, Justin Michell Ermisch; ZS: 69