Hohenwarthe/Niegripp l Die Skeptiker mögen sich bestätigt gefühlt haben. Als auch noch das Pech in Form eines Nierensteins zuschlug, dürften die Zweifel auch bei Sandro Becker selbst angekommen sein. Wie soll ein 35-Jähriger, der seit fünf Jahren keinen ernstzunehmenden fußballerischen Vergleich mehr bestritten hat, dem Landesliga-Aufsteiger aus Niegripp weiterhelfen? Der Sonnabend hat es gezeigt. Da nämlich bezwang die SG Blau-Weiß nicht nur die Kreisoberliga-Elf des SV Eintracht Hohenwarthe mit 11:0 (3:0), sondern auch Becker gab ein vielversprechendes Comeback.

„Er war seinerzeit nicht umsonst Kapitän in Burg. Sandro hat die Fähigkeit, ein Team zu führen, strahlt eine unwahrscheinliche Ruhe aus und weiß, wann es im Spiel vielleicht auch mal Zeit ist, auf den Ball zu treten und das Tempo herauszunehmen“, zollte SG-Trainer Thomas Seidelt dem einzigen echten Sommer-Neuzugang am Alten Kanal großen Respekt. Becker spielte übrigens in Hohenwarthe beschwerdefrei und von Anfang an. „Dennoch ist natürlich die Frage, wie gut sein Rücken die Saison über hält. Das war vor fünf Jahren ja auch ausschlaggebend für seinen Abschied.“

Vor dem ersten gemeinsamen Auftritt stand allerdings wie für den Rest des Teams am Vormittag noch eine Trainingseinheit an. Damit dürfte auch in Niegripp jener Teil der Vorbereitung, der auf die konditionellen Grundlagen zielt, abgeschlossen sein. In Sachen spielerischer Feinschliff dürfte bis zum Pflichtspielstart dennoch weiterhin Arbeit auf das Team und das Trainergespann Seidelt/René Sandmann warten. Die Anspannung vor dem Landespokal-Duell gegen Barleben wächst jedenfalls auch in Anbetracht der kürzer werdenden Zeitachse: „Wir werden diese zwei Wochen definitiv noch brauchen.“

Folgenlose Fehler

Die Entscheidung, beim zwei Ligen tiefer angesiedelten Ortsnachbarn zu testen, war natürlich bewusst gewählt. „Es geht darum, wieder die Automatismen ins Spiel zu bringen. Dazu brauchen wir auch die Sicherheit, dass nicht jeder Fehler bestraft wird.“ Entsprechend hatten die Gäste in der Anfangsphase zwar ihre Schwierigkeiten, doch nach einer halben Stunde begann das muntere Scheibenschießen, das am Ende in knapp einem Dutzend Treffer mündete, weil die Eintracht spätestens nach einer Stunde kaum mehr etwas entgegensetzen konnte.

Da hatte bei den Niegrippern, die erstmals aus einem breiteren Kader schöpfen konnten, schon die Wechselspiele begonnen. Der erwartbare Bruch im Spiel blieb allerdings aus. „Wir gehen insgesamt zufrieden aus diesem Spiel heraus“, schätzte Seidelt ein.
Hohenwarthe: Knoke – Hartung, Kowall, Bembennek, Neubauer, Neumann, Philipp, Krüger, Belitz, Lauer, Fischer (Ritter, Giese, Apmann, Eichler, Mademann, Schröder)
Niegripp: Krüger – Zeuch, Schäfer, Plünnecke, Westhause, Räcke, Kramer, Becker, Wittpahl, D. Lindenblatt, Peseke (Blum, Mlynek, Schaffrath, Sandmann)
Tore: 0:1 André Wittpahl (5.), 0:2 Steven Plünnecke (30.), 0:3 Till Räcke (44.), 0:4 Justin Schaffrath (50.), 0:5 Oliver Blum (51.), 0:6 Justin Schaffrath (59.), 0:7 Fabian Mlynek (61.), 0:8 Danny Lindenblatt (76.), 0:9 Justin Schaffrath (79.), 0:10 Danny Lindenblatt (85.), 0:11 Steven Peseke (87.); SR: Marco Krankemann (Heyrothsberge), Paul Kluth, Dean-Robbin Ziebarth