Burg l Ungeachtet der 0:2-Niederlage zum vorgezogenen Rückrundenauftakt beim 1. FC Lok Stendal stehen die Fußballer des Burger BC 08 in der Verbandsliga glänzend da. Auf Platz drei überwinternd und mit 30 Punkten auf der Habenseite, fällt das Fazit zur Hinrunde der Saison 2015/16 entsprechend positiv aus.

Mitten in den Jubel über den Aufstieg platzte im diesjährigen Sommer eine Erkenntnis: Die offenbare Selbstverständlichkeit des Siegens könnte dem Parkstadion vielleicht nur noch sporadische Besuche abstatten. Eher hätte man am Rolandplatz die Landung außerirdischer Flugscheiben verfolgen können, als dass am Ende der ersten Verbandsliga-Spielzeit seit über zehn Jahren noch einmal 30 ungeschlagene Ligaspiele zu Buche stünden. Und tatsächlich sollte es nur bis zum zweiten Heimauftritt am 29. August dauern, ehe 220 Zuschauer Zeugen der ersten Burger Niederlage seit mehr als einer Saison wurden. Anstatt enttäuscht nach Hause zu gehen, gab es jedoch anerkennenden Applaus und ehrlich gemeintes Lob nach der 0:1-Niederlage gegen den VfB IMO Merseburg. Allgemeiner Tenor: „Ein super Spiel.“ Nach fünf mehr oder weniger „fetten“ Jahren ist das BBC-Publikum also beruhigenderweise noch nicht zu erfolgsverwöhnt, um auch Leistungen zu würdigen, die nicht in einem eigenen Sieg mündeten.

"Echtes Neuland"

Torsten Marks hatte im Gegensatz zu den Fans den großen Vorteil, im Sommer unbefangen an seine neue Aufgabe als Co-Trainer in der Stadt der Türme herangehen zu können. Nach seiner Zeit bei den Landesklasse-Kickern des TSV Rot-Weiß Zerbst stellte Sachsen-Anhalts Eliteklasse „auch für mich echtes Neuland“ dar, wie der 42-Jährige nach einem halben Jahr immer noch bekennt. „Wie viele unserer Jungs lerne auch ich noch dazu. Mit Hartmut Müller habe ich einen ausgezeichneten Lehrer, mit beiden Betreuern Marco Still und Harald Plamp Leute, die im Hintergrund ein klasse Gespann bilden, und auch zu Sportvorstand Detlef Zimmer ein sehr gutes Verhältnis.“

An der Seite von Trainer-Ass Müller liegt es nun an Marks, die Mannschaft in ungewohnten Fahrwassern in den sicheren Hafen zu bringen. Nach der Hälfte der Spiele lässt sich sagen: Hinter den schweren Kreuzern aus Merseburg und Halle-Ammendorf liegt auch die Fregatte Burg auf Kurs. „Das interne Ziel lag zum Hinrunden- ende in etwa bei 30 Punkten. Darüber, dass diese erreicht sind, haben wir uns natürlich alle riesig gefreut“, so Marks.

In der Mehrzahl der Fälle hat der BBC die Eisberge, Sandbänke und Untiefen bestens umschifft, wobei die knappen 1:0-Manöver zum Auftakt gegen Stendal und im letzten Heimspiel gegen Dessau wohl einen ganz besonders dicken Eintrag im Logbuch erfahren haben dürften. Die Kehrseite stellten allerdings vermeidbare Punktverluste gegen den FC Bitterfeld-Wolfen (0:0) und Mit-Aufsteiger Magdeburger SV Börde (1:1) dar. „Aber so ist es eben: Das eine Spiel gewinnst du glücklich, im anderen ärgerst du dich, weil es nicht zum Sieg gereicht hat.“

Vor allem gegen Ende der ersten Halbserie wirkte mancher Auftritt längst nicht mehr so unbekümmert wie noch zu Beginn. Weil es das Team „verpasste, konsequent im Abschluss zu sein“, drehte sich die Spirale ein wenig nach unten: Mit ausbleibender Belohnung wuchs im eher trüben November der Druck. Überhaupt schien die Mannschaft weniger Probleme mit der körperlichen Fitness als mit der geistigen Frische zu haben. Die Pause zum Jahreswechsel kam daher wohl zu einem günstigen Zeitpunkt.

„Andere Wahrnehmung“

Mit neuer Kraft gilt es daher, zum Rückrundenauftakt am 28. Februar beim abgeschlagenen Schlusslicht aus Schönebeck einen optimalen Start zu erwischen. Aus der Momentaufnahme „Platz drei“ darf schließlich gern am Ende der Spielzeit ein dauerhaftes Bild für die Sommermonate bleiben. Doch wie zum Start in neuer Liga-Umgebung gilt: Einfacher werden die Aufgaben nicht. Das sieht auch Co-Trainer Marks ähnlich: „Zum Auftakt hat uns der ein oder andere vielleicht unterschätzt. Aber inzwischen ist die Wahrnehmung des BBC auch beim Gegner eine andere.“