Jerichow/Parey l Als die ersten Niederlagen mit 1:21 und 3:25 etwas heftiger ausfielen, kamen Spielern und Verantwortlichen beim SV Lok Jerichow natürlich Zweifel, ob es eine so gute Idee war, sich für die Futsal- Regionalliga anzumelden. Nach zwei Dritteln der Saison steht fest: Die Teilnahme an der höchsten Spielklasse für wettbewerbsmäßigen Hallenfußball zählt zum Besten, was Verein und Aktiven passieren konnte.

Als Sven Lange den Leuten anfangs berichtete, seine Spieler hätten eine klasse Vorstellung abgeliefert, hat er meist nur ein müdes Lächeln dafür geerntet. Die deutlichen Niederlagen – vor allem zu Saisonbeginn – sprachen schließlich eine andere Sprache. Am vergangenen Sonnabend gab es nun aber Lob von allen Seiten. „Viele, die in der Halle in Parey waren, haben hinterher gesagt, dass es ein tolles Spiel war“, stellte der Lok-Trainer nach dem Heimauftritt gegen den FC Liria Berlin fest. Denn auch wenn es beim 5:13 gegen den neuen Tabellenführer der Regionalliga des Nordostdeutschen Fußballverbandes (NOFV) nichts zu holen gab, dürfte der SV Lok unter vielen der rund 60 Besucher neue Begeisterung gestiftet haben.

Bevor Jerichow vor rund einem Jahr erster sachsen-anhaltischer Futsal-Meister wurde, hatte auch Sven Lange Vorbehalte gegen die inzwischen deutschlandweit offizielle Variante des „Budenzaubers“. Ein sprungreduzierter Ball, die verschärfte Rückpassregel oder sogenannte kumulierte Fouls, die ähnlich wie beim Basketball Vergehen zusammenrechnet und ab dem sechsten Foul-Regel mit einem Strafstoß ahndet, – all das erfindet natürlich die beliebteste Sportart nicht neu. Doch es fördert in jedem Fall die Schönheit des Spiels: „Futsal ist noch mannschaftsbezogener, schneller und technisch anspruchsvoller. Mit flachem, einfachem Passspiel kommst du viel weiter“, erklärte der Trainer.

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Zugleich würden jedoch auch Fehler konsequent bestraft. Exemplarisch aus Lok-Sicht gilt dabei ein Vergleich mit dem VfL Hohenstein-Ernstthal, der inoffiziell ersten Adresse im deutschen Futsal. „Nach zwölf Minuten hatten wir die Chance, das 3:2 zu erzielen. Aber nach 20 Minuten stand es plötzlich 2:11. Wenn man einen Moment lang nicht aufpasst, kann es sehr schnell sehr schlimm kommen.“

Diese Dynamik freut natürlich den Zuschauer. Gegen Liria Berlin holte sie die Lok-Spieler, die von wechselnden Akteuren aus Güsen, Parey und neuerdings Genthin und Tucheim ergänzt werden, aber schneller ein als ihnen lieb war. Zwar wirkten die Berliner nach anfänglichem 1:2-Rückstand etwas überrascht, doch am Ende setzte sich die Klasse des Teams, das bereits seit etlichen Jahren Futsal betreibt, durch. „Wir wussten vor der Saison, worauf wir uns einlassen. Mit inzwischen neun Punkten sind wir daher mehr als zufrieden. Aber Ergebnisse bleiben Nebensache. Wichtig ist, dass alle Spieler mit Begeistung dabei sind.“

Davon, dass dies der Fall ist, können sich Zuschauer noch zweimal überzeugen. Am 9. und 30. Januar 2016 steigen in der Sporthalle Jerichow jeweils zwei Duelle gegen Hertha und Liria Berlin sowie Rot-Weiß Neuenhagen und die HSG Greifswald.