Burg l Das schrille Quietschen der Schuhe auf dem Hallenboden. Das dumpfe Platschen, mit dem ein erfolgreicher Angriff in der gegnerischen Hälfte einschlägt. Die Töne, die in der Summe das Volleyball-Orchester ausmachen, gibt es beim Burger VC 99 natürlich auch. Wer sie einmal selbst in jeder Nuance hören möchte, hat während der wöchentlichen Trainingseinheiten die besseren Karten. In den Spielen am Wochenende gehen sie nämlich zuverlässig im Gewitter der Schlaginstrumente und Anfeuerungsrufe unter. Und nun also das: Die Gesänge verstummen, die Trommeln schweigen. Dem BVC 99 steht am Sonntagnachmittag das erste „Geisterspiel“ der Vereinsgeschichte bevor.

„Das ist dann eigentlich kein Heimspiel mehr“, stellt BVC-Libero Carsten Graßhoff vor dem Duell mit Elsterwerda fest und begründet: „Unsere lautstarken Fans können jeden Gegner vor gewaltige Drucksituationen stellen. Ein großer, vielleicht sogar unser größter Vorteil ist damit also weg.“ Der Verzicht auf Zuschauer war mit Blick auf die sprunghaft steigende Zahl an Corona-Infektionen eines der zentralen Themen beim per Videokonferenz ausgetragenen Staffeltag der 25 Regionalliga-Clubs (Männer und Frauen) am Freitag vor einer Woche. Zu mehr als einer Empfehlung konnten man sich im Regionalbereich Nordost jedoch nicht durchringen – auch, weil sich die Situation von Ort zu Ort unterschiedlich darstellt. Da das Jerichower Land aber seit gut einer Woche zu den Risikogebieten zählt, ist man beim BVC 99 der Vernunft gefolgt. Der Verein entschied sich gegen einen laut Verordnung möglichen Teilausschluss mit einer begrenzten Zahl an Besuchern. Die Türen zur Sporthalle der Berufsbildenden Schulen öffnen sich stattdessen nur für unmittelbar am Spielgeschehen Beteiligte.

Live-Bilder im Netz

Aussperren wollen Burgs Volleyballer ihren Anhang aber auf keinen Fall. „Von unseren ‚Ultras‘ kam die Idee zu einem Livestream, den wir am Spieltag anbieten möchten“, so Graßhoff. Unter fachkundiger Analyse von zwei bis drei Kommentatoren sollen die Bilder aus der Halle so in Echtzeit auf die Bildschirme und Smartphones flimmern, wenngleich letzte Details noch zu klären sind. Heute Abend soll sich so etwa entscheiden, über welche Plattform der Stream laufen soll – entweder beim Branchenriesen „YouTube“ oder dem unter Videospielern beliebten Dienst „Twitch“, der im Sommer auch schon die Übertragung der Deutschen Beachvolleyball-Meisterschaften übernahm.

Die Gewissheit, dass die eigenen Fans aus der Ferne die Daumen drücken und im heimischen Wohnzimmer mitfiebern, dürfte der Mannschaft um Spielertrainer Christoph Grothe so zumindest einen kleinen moralischen Schub verleihen. Richten müssen sie es gegen einen der direkten Konkurrenten um den Klassenerhalt so oder so selbst. „Es ist ein unfassbar wichtiges Spiel für uns. Vor allem, weil im Moment niemand weiß, wie lange die Saison noch geht und wie die bereits gespielten Begegnungen gewertet werden“, blickt Burgs Libero mit unklarem Blick voraus.

Beim Staffeltag verständigten sich Club-Vertreter und Liga-Entscheider darauf, dass die Hinrunde in Gänze über die Bühne gebracht werden soll. Mit Blick auf die gestern von Bund und Ländern vorgestellten Maßnahmen zur Virus-Eindämmung dürfte der Spielbetrieb jedoch über das bevorstehende Wochenende hinaus kaum fortlaufen. Wie und wann es nach dem vermuteten sportlichen Lockdown weitergeht, bleibt abzuwarten. Unklar ist daher auch, was auf den Optimalfall – eine vollständig absolvierte erste Halbserie – folgen soll. Als wahrscheinliches Szenario gilt dann eine getrennte Meister- und Abstiegsrunde im Playoff-Format.

Den Sieg fest eingeplant

Obwohl sich so gerade einmal vier Wochen nach dem Saisonstart die nächste längere Pause abzeichnet, gilt es für den BVC 99, das Beste aus der Situation zu machen. Das Vorhaben für Sonntag ist daher klar umrissen: „Wir wollen unbedingt den ersten Sieg einfahren“, lobt Graßhoff aus. Denn drei Punkte bleiben drei Punkte – egal ob im Hexenkessel oder unter den akustisch sterilen Bedingungen einer Trainingshalle.