Magdeburg l Über Familienfeiern der Brüder Meinecke liegt derzeit ein Schatten des Fußballs. Weder Matthias noch Heiko haben sich viel Gutes zu berichten über die Spiele ihrer Mannschaften in der Fußball-Landesklasse 2. Matthias spielt bei der Germania in Olvenstedt auf Kunstrasen, Heiko beim Heimatverein SSV Samswegen auf Rasen. Aber das ist so ziemlich der einzige Unterschied, über den die Meineckes derzeit debattieren dürften. Denn mit seinem Team kämpft jeder Bruder um den Klassenerhalt: Olvenstedt als Elfter mit zwölf Punkten, Samswegen als 14. auf einem direkten Abstiegsplatz mit elf Zählern.

Wie solch ein Kampf aussehen kann, sahen am vergangenen Sonnabend 20 zahlende Zuschauer in Olvenstedt. Nach dem 0:3 gegen den SSV Besiegdas resümierte Matthias „Matze“ Meinecke: „Kurz und knapp: Das war katastrophal.“ Kurz und knapp dürften sich die 90 Minuten nicht angefühlt haben für ihn. Es war eher ein sehr quälender Lauf durchs schlechte Wetter, das allenfalls am Himmel punktuell die Tore für ein wenig Licht öffnete.

Meinecke ist ratlos

Was ist los mit der Germania? Einem Team, das dafür bekannt war, „immer aggressiv ins Spiel zu gehen“, sagte Meinecke. Von dem alle Gegner sagen: „Es ist ekelig, gegen uns in den letzten 20, 25 Minuten zu spielen.“ Das nach einem Rückstand „immer gekämpft hat und zurückgekommen ist“. Meinecke ist ratlos. Er vermisst die Einstellung. Und er fragt sich, ob der Beobachter sie auch bei ihm vermisst.

In Anbetracht seiner Bereitschaft gegen Besiegdas kann man das nicht sagen. Irgendwann war es aber eine frappierende Hilflosigkeit, die der 28-jährige Kapitän und Abwehrorganisator ausstrahlte. „Ich verstehe nicht, warum wir nach einem 0:3 weiter anlaufen und hinten alles öffnen. Ich war irgendwann allein in der Abwehr. Und so blöd das klingt, aber man versucht doch dann, keine weiteren Gegentore zu fangen“, sinnierte Meinecke. Zumal nicht ganz klar wurde, worauf die Olvenstedter während ihres kopflosen Anrennens gehofft hatten.

Auch Meinecke selbst setzte immer wieder an. Trug den Ball in die Besiegdas-Hälfte. Fand aber nur selten eine Anspielstation. Meinecke erlebt derzeit die schwersten Tage seit seinem Wechsel zur Germania. „Und ich habe hier schon viel erlebt“, erklärte er.

Sehr viel sogar: Im Sommer 2010 kam er vom SV Irxleben nach Olvenstedt, damals spielte er in der Landesklasse. Er stieg zwischenzeitlich ab in die Stadt- oberliga, feierte den Wiederaufstieg, schoss sich mit der Germania sogar in die Landesliga, aus der er mit seinem Team in der Saison 2017/18 wieder absteigen musste. „Selbst da haben wir gefightet bis zum Schluss“, sagte Meinecke, der bislang drei der 24 Saisontore der Germanen erzielt hat. „So schlimm wie jetzt war es noch nie.“ Und das ausgerechnet in seiner zehnten Saison.

Zugegeben: Olvenstedt hat Verletzungssorgen. Drei Akteure fehlen wegen Kreuzband- oder Bänderrisses. „Manchmal mussten wir die Mannschaft mit Alten Herren auffüllen“, berichtete Meinecke.

Germania sucht Rhythmus

Das ist dem Spielrhythmus nicht sonderlich förderlich. Aber den wollen die Schützlinge von Stefan Lutter und Thomas Zabel alsbald wiederfinden. So wie sie ihn ja regelmäßig im Training finden: „Was die Spieler da machen, ist sensationell. Wir können es nur nicht auf dem Platz umsetzen.“

Und das ist zuweilen sehr frustrierend, wie sich in einer anderen Statistik zeigt: Olvenstedt kassiert regelmäßig Platzverweise. Aktuell sind David Schäfer und Niklas Thielemann gesperrt. Kinder von Traurigkeit waren sie ja nie, die Germanen. „Wir waren eigentlich schon immer direkt nach dem ersten Spieltag Letzter der Fairplay-Tabelle und haben den Platz auch nicht mehr abgegeben“, erklärte Meinecke mit jenem Galgenhumor, der zuweilen über jede Krise hinwegtröstet. „Aber jetzt kassieren wir Platzverweise für zum Teil dumme Sachen.“ Viermal Rot und zweimal Gelb-Rot haben die Olvenstedter gesehen in dieser Saison. Da wird es ganz schwer, noch den Anschluss ans Mittelfeld zu schaffen.

Aber in sportlicher Hinsicht wollen sie dranbleiben. Und dass sie dies können, haben sie nicht nur beim 6:0 gegen Gerwisch, dem letzten Sieg am 26. Oktober, gezeigt. Sie haben sogar dem Tabellenführer Burger BC ein 0:0 abgetrotzt. Und danach dem Tabellenzweiten TSV Niederndodeleben II ein 2:2. „Wenn man gesehen hat, was wir in Burg geleistet haben, ist die Wandlung absolut unverständlich“, so Meinecke.

Eines will er jedenfalls nicht: absteigen. „Nächstes Jahr Stadt- oberliga zu spielen, ist nicht unsere Ambition“, betonte er. Deshalb solle jeder die Winterpause nutzen, „um sich wieder auf Fußball zu besinnen“.