Gardelegen l Für den SSV 80 Gardelegen ist das Jahr 2020 trotz Corona-Pandemie ein ganz besonderes Jahr. Erstmals in der Vereinsgeschichte ist es den Westaltmärkern gelungen, in die höchste Spielklasse des Fußball-Verbandes Sachsen-Anhalt vorzudringen. Der Aufstieg nach einem Kopf-an-Kopf-Rennen mit Preußen Magdeburg und dem MSV Börde, gestaltete sich Woche für Woche als Nerven aufreibend. Die Mannschaft von Trainer Norbert Scheinert ließ sich vom sportlichen Druck der Magdeburger Aufstiegsaspiranten nicht aus der Ruhe bringen und antwortete mit konstanten Leistungen auf die Frage, wer am Ende die Oberhand in der Landesliga Staffel Nord behalten würde.

Der Lockdown im Zuge der Corona-Krise beendete die Spielzeit nach 18 Spieltagen vorzeitig. Am grünen Tisch musste der SSV 80 noch um den Aufstieg zittern. Ein neuerlicher Start in der Landesliga nach einer bis dato glänzenden Saison, ohne den gerechten Lohn in Form des Aufstieges wahrnehmen zu dürfen, hätte ein emotionales Fiasko auf Seiten der Beteiligten auslösen können.

Der SSV 80, der sich mit zwei Punkten Vorsprung auf den ärgsten Verfolger MSC Preussen aus Magdeburg als Meister der Landesliga Nord titulieren darf, geht frohen Mutes in das erstmalige Abenteuer Verbandsliga. Das Gerüst der Mannschaft bleibt den Rolandstädtern erhalten. Um vier Neuzugänge verstärkte sich der Kader.

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Steven Beck (Liesten), Hardy Wolff (Uchtspringe), Hannes Schreiber (Eintracht Salzwedel) und Fabian Beck (ebenfalls Eintracht Salzwedel) komplettieren den Kader. Dem gegenüber verzeichnete der Klub keinen Abgang.

Gigantische Vorfreude

Die Vorfreude auf das Erlebnis Verbandsliga könnte gigantischer kaum sein. Spieler, Funktionäre und das Umfeld im Altmarkkreis Salzwedel fiebertn der Saison entgegen. Erfahrung auf Verbandsliga-Niveau sucht man entsprechend vergeblich. Diese existiert im Kader des SSV 80 nicht. Weder bei den Neuzugängen, noch im Kern der Aufstiegstruppe. Spannend wird zu sehen sein, wie sich die noch junge Mannschaft gegen gestandene Ex-Profis, wie den ehemaligen Zweitliga-Angreifer Tino Semmer (aktuell Eintracht Wernigerode, früher u.a. Hansa Rostock) und erfahrene Verbandsliga-Cracks zurecht findet.

Der SSV 80 geht nach langer Zeit wieder als Underdog in eine Spielzeit. Laut Expertenbefragung divergieren die Meinungen zum sportlichen Abschneiden auseinander. Vom Mittelfeldplatz und sicheren Klassenerhalt, bis hin zum knallharten Abstiegskampf im Sumpf der Liga, verorten die von der Volksstimme befragten Experten die Aussicht für den SSV 80 in der kommende Saison. Eines eint allerdings alle Prognosen: Der SSV 80 Gardelegen soll nach Wunsch aller Befragten, die Klasse halten. Die Hoffnung einer ganzen Region, hängt am sportlichen Abschneiden des SSV 80.

Als Zugpferd der westlichen Altmark startet der Aufsteiger am 14. August zum sehnsüchtig erwarteten Auftaktspiel der Verbandsliga-Saison. Dann geht es an der heimischen Rieselwiese im Aufsteigerduell gegen Grün-Weiß Piesteritz.

So sieht Bernd Dammert (ehemals Eintracht Salzwedel) die Chancen der Gardelegener: „Die Verbandsliga ist schwer einzuschätzen. Nach der Corona-Pause spielt der SSV seine erste Saison dort oben. Ich hoffe stark, dass sie die. Klasse halten können. Aus meiner Sicht, hat man sich gut verstärkt. Die Spieler passen zur Mannschaft. Hoffentlich geht es nicht sofort wieder runter.“

Das ist eine harte Nuss

Mario Seidel (ehemals Trainer SSV Langenapel und Eintracht Salzwedel) meint: „Ich kenne die Verbandsliga aus meiner Zeit als Trainer bei Eintracht Salzwedel. Das ist eine harte Nuss und eine physisch härtere Gangart, als in der Landesliga. Ich wünsche dem SSV, dass sie mit Hilfe ihrer jugendlichen Unbekümmertheit es ins Mittelfeld der Tabelle schaffen. Die Mannschaft ist auf Verbandsliga-Ebene noch unerfahren. Erfahrene Spieler machen im Zweifel den Unterschied in dieser Liga aus. Körperlich wird es dort anders zur Sache gehen. Den eingeschlagenen Weg, auf die Jugend zu setzen, sollte sich der SSV aber weiter beibehalten. Norbert Scheinert leistet mit seinen Jungs eine hervorragende Arbeit und wird sicherlich wieder einen hervorragenden Job in der kommenden Saison machen. Sie werden alles versuchen, um die Klasse zu halten. Ich bin optimistisch, dass sie das schaffen können.“

Thomas Kölle (Schiedsrichter KFV Altmark West) sagt: „Ich denke, dass sie keine Probleme haben werden, die Klasse zu halten. Der SSV hat gute Verstärkungen geholt. Einen guten Platz im Mittelfeld traue ich Gardelegen zu.“

Oliver Pabst (Trainer SSV 80 Gardelegen II) erwartet den Klassenerhalt: „Der Aufstieg ist für den Verein verdient und hart erarbeitet. Die Verbandsliga ist für den Verein eine noch unbekannte Reise. Viele Spieler kennen die Liga noch nicht. Die Spielweise dort wird Neuland sein. Mit jeder Menge Willen und Bock auf Fußball, wird die Mannschaft sich aber hinein arbeiten in die Saison. Das Trainerteam leistet gute Arbeit. Der Kader wurde gut verstärkt. Die Mannschaft ist extrem jung, was aber auch durchaus ein Vorteil sein kann. Die Spieler gehen mit einem Lächeln ins Training und sind motiviert, weil sie richtig Lust am Spiel haben. Gerade bei Heimspielen wird es unangenehm sein, gegen den SSV zu spielen. Ich traue dem SSV den Klassenerhalt zu. Das wird eine harte Nuss, aber der Wille der Jungs ist groß.

Eins mit Sternchen

Guido Euen (Trainer Heide Jävenitz) vergibt an den SSV 80 die Bestnote: „Der SSV 80 Gardelegen hat sich für die Arbeit der vergangenen Saison die Note Eins mit Sternchen verdient. Es ist richtig klasse, was der Verein während der vergangenen Jahre erreicht hat. Der gesamte Stab vom Vorstand, über die Trainer bis hin zu den Spielern, haben Großartiges vollbracht. Sie haben sich selbst gekrönt. Vom Aufstieg in die Verbandsliga profitiert die gesamte Region. Da kann man nur applaudieren und den Hut ziehen. Im Kader sehe ich sehr viel Entwicklungspotenzial. Sie haben sich zudem hervorragend verstärkt. Da spielt eine blutjunge Mannschaft, die sich zerreißen wird. Sie waren nicht umsonst in der letzten Saison ganz oben. In der neuen Liga werden sie ein paar Spiele brauchen, um rein zu kommen. Die Geschwindigkeit ist dort nochmal eine andere. Aber die Zeit wird am Ende für den SSV sprechen. Sie sind taktisch gut geschult und willig. Das wird ein tolles Erlebnis mit dem SSV. Ich denke, der SSV hat gute Karten, in der Liga zu bleiben. Ich traue ihnen den Klassenerhalt zu.

Bernhard Frankhänel (Trainer TuS Kakerbeck) meint: „Der Aufstieg des SSV war absolut verdient. Ich traue dem SSV den Klassenerhalt in der neuen Liga zu. Der Verein hat sich gezielt verstärkt. Die Jungs im Kader haben es wirklich drauf. Sie werden wissen, dass die Liga kein Selbstläufer wird. Aber vielleicht erleben wir sogar eine Überraschung. Ich bin optimistisch und glaube, dass der SSV eine der positiven Überraschungen der Liga sein wird. Wenn die Spieler merken, dass sie in der Verbandsliga mithalten können, ist viel für die kommende Saison drin.“

Burghardt Schulze (Ehemals Trainer Eintracht Salzwedel) sagt: „Der SSV hat sich gut verstärkt für die kommende Saison. Ich bin vom Klassenerhalt überzeugt. Da spielt eine junge und gewachsene Truppe. Seit fünf bis sechs Jahren ist die Mannschaft und der Verein kontinuierlich gewachsen. Das Umfeld ist gut. Es ist kein Zufall, dass der Klub nun in der Verbandsliga spielt. Da wurde viel Kraft reingesteckt für die Entwicklung. Der Weg, junge Spieler weiter zu entwickeln, sollte unbedingt beibehalten werden. Auch in der neuen Liga. Erfahrene Spieler wachsen in der Region ohnehin nicht auf Bäumen. Die Mannschaft erwartet jetzt natürlich eine härtere Gangart. Aber in Norbert Scheinert haben die Jungs einen Trainer, der richtig gute Arbeit leistet. Ich denke, sie werden den Klassenerhalt locker schaffen und nichts mit dem Abstieg zu tun haben.“

Und das meint die Volksstimme: Die Mission „Klassenerhalt“ wird ein kniffliges Unterfangen werden. Mit dem Glauben an die eigene Stärke, ist der Nicht-Abstieg der Scheinert-Schützlinge jedoch keine Illusion. Sollte der SSV weitestgehend vom Verletzungspech verschont bleiben, ist gar ein Platz im Mittelfeld und eine Rettung noch vor dem letzten Spieltag drin. Wichtig wird es für den Aufsteiger in der höchsten Spielklasse des Fußballverbandes Sachsen-Anhalt sein, die Spielweise in der für den SSV neuen Liga schnellstmöglich anzunehmen. Nur im Kollektiv, mit Einsatz am Limit und einer gehörigen Portion Mut, können die Gardelegener bestehen. Dies gilt es auch im Falle einer Sieglos-Serie bei zu behalten, in der Lehrgeld gezahlt wird.

Trainer Norbert Scheinert impfte seinen Schützlingen diese Mentalität bereits erfolgreich in der Aufstiegssaison ein und wird nichts unversucht lassen, um mit seinen jungen Wilden in der Liga zu bestehen. Unser Tipp: Der SSV Gardelegen avanciert wie bereits in der Aufstiegssaison zum Überraschungsteam. Der Klassenerhalt gelingt den Rolandstädern.