Gardelegen l Auswärts hat es bereits zweimal geklappt, nun auch endlich zu Hause. Nach drei Remis in Serie ist der Bann gebrochen und der SSV 80 Gardelegen feierte in der Fußball-Landesliga Nord seinen ersten Heimerfolg. Das Derby gegen den SSV Havelwinkel Warnau gewannen die Schützlinge von Interimstrainer Kevin Riewe verdient mit 3:1 (1:0) und verbesserten sich im Klassement auf den fünften Platz.

Zweiter Sieg in Serie

„Wir haben schon bei der griechischen Regierung angerufen und darum gebeten, dass sie dort unser Trainergespann noch eine Weile festhalten“, sagte Kevin Riewe nach dem Spiel mit einem breiten Grinsen. Diese Aussage war natürlich nur scherzhaft gemeint und zielte darauf ab, dass Riewe die Rolandstädter in Abwesenheit von Norbert Scheinert und André Stolle in seinem zweiten und damit auch letzten Spiel als Verantwortlicher an der Seitenlinie zum zweiten Erfolg in Serie führte.

Dazu markierte der Aufsteiger in diesen beiden Partien zusammen sechs Treffer. Dabei war doch die Torausbeute zuvor noch ein Manko auf Seiten der 80er. Am Sonnabend war sie es auch – allerdings nur in der Schlussphase, als es nur noch um die genaue Höhe des Gardelegener Erfolges ging.

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Rote Karte für Warnau

Zu diesem Zeitpunkt, aber auch schon eine ganze Weile zuvor, war von den Gästen aus Warnau genau genommen nichts mehr zu sehen. Nachdem Verteidiger Wilhelm Schulz nach etwas mehr als einer Stunde mit einer Roten Karte vom Platz musste, hatte sich die ohnehin schon ersatzgeschwächte – neun Akteure fehlten – Franke-Elf aufgegeben. Für die Grün-Weißen wird es allmählich eng, sind sie doch mittlerweile sogar punktgleich mit Schlusslicht TuS Schwarz-Weiß Bismark und damit mittendrin im Abstiegskampf.

Dabei sah das, was die Mannen aus dem Havelwinkel in der Anfangsviertelstunde anboten, noch recht ordentlich aus. Der Ball lief bei den Warnauern, nur der letzte Pass wollte zumeist nicht ankommen, wodurch die Gäste – was zudem aber auch an einer sehr guten Abwehrleistung des Gegners mit den beiden 19-jährigen Xaver-Dan Haak und Even Steindorf im Zentrum lag – auch keine echte Torgefahr ausstrahlten. Abgesehen von einem Versuch von Benjamin Döring (11.), der das lange Eck verfehlte, kam nichts Gefährliches zustande.

SSV Gardelegen braucht Zeit

Die Gardelegener brauchten eine Weile, um richtig aufzutauen. Nachdem die Zweikämpfe nun geschickter geführt und auch der anfängliche Respekt abgelegt wurden, verlagerte sich das Geschehen nun immer mehr in die Warnauer Spielhälfte. Nachdem Florian Scheinert einen Freistoß noch knapp neben den Kasten setzte (17.) und Clemens-Paul Berlin nach Bache-Zuspiel an Keeper Gordon Damker scheiterte (27.), war es in Minute 38 dann aber geschehen. Infolge eines Berlin-Eckballs traf der aufgerückte Maurice Bogdahn aus dem Gewühl heraus zum umjubelten und bis dahin auch verdienten 1:0. Weil Markus Falk im Tor einen immer länger werdenden Ball von Keven Brömme (41.) noch stark zur Ecke klärte, nahmen die Gardelegener die knappe Führung auch mit in die Halbzeitpause.

In dieser hatten sich die Platzherren scheinbar geschworen, sich nicht auf den Lorbeeren auszuruhen, sondern auf den Ausbau der Führung hinzuarbeiten. Dies wäre auch möglich gewesen, doch Berlin (50./gehalten) und auch Scheinert per Kopf nach einer erneuten Berlin-Ecke (52./vorbei) fehlte das Glück.

In Minute 62 schwächten sich die Gäste dann selbst. Unwiderstehlich tankte sich Martin Gille durch die gegnerische Hintermannschaft und marschierte frei auf Damker zu. Im letzten Moment wurde er von Wilhelm Schulz noch gestoppt – allerdings mit einem klaren Foul. Schiedsrichter Benedict Ohrdorf musste die Rote Karte zücken und das Franke-Team in Unterzahl weiterspielen lassen. Der anschließende Freistoß von Scheinert war eine sichere Beute für Damker.

Gardelegen diktiert das Geschehen

In Überzahl diktierten die 80er nun noch eindeutiger das Geschehen und legten durch Joker Sascha Gütte zum 2:0 (66.) nach. Leichtsinnig vertändelte Kevin Schmoock das Leder gegen den emsigen Simon Bache, der auf Gütte querlegte, welcher wiederum klug wartete und sicher einschob. Bache, der bereits den gegnerischen Keeper umkurvt hatte (73./vorbei), und erneut Gütte (75./gehalten) hätten noch weiter nachlegen können, was dann aber Berlin erledigte. Er vollendete nach Bache-Vorarbeit humorlos ins kurze Eck – 3:0 (76.). Damit war der Deckel endgültig draufgepackt.

Von den nur noch zehn Warnauern waren keine Anzeichen eines Aufbäumens mehr zu erkennen, stattdessen hätte der SSV 80 sein Torekonto noch weiter aufstocken können. Gille (79.) und Daniel Leberecht (83.) bissen sich aber an Gordon Damker die Zähne aus. Auf der Gegenseite sollte den Gästen zumindest noch der Ehrentreffer gelingen. Einen Kopfball von Jürgen Betker konnte Schlussmann Falk noch abwehren – allerdings genau vor die Füße von Brömme, der mit allem aufgestauten Frust das Leder zum 1:3 (89.) in die Maschen hämmerte. Wenig später blies Ohrdorf zum letzten Mal in seine Pfeife und der SSV 80 Gardelegen freute sich über den Ausbau seiner Erfolgsserie.

SSV 80 Gardelegen: Falk - Steindorf, Mau. Bogdahn, Berlin (77. Rosenberger), Stottmeister, Bache (83. Winkel), Leberecht, Gille, Scheinert, Haak, Schönfeld (60. Gütte).

SSV Havelwinkel Warnau: Damker - Bunkus, Hensel, Hugo Camargo Lacerda de Souza (77. Buricke), Brömme, Schulz, Döring (71. Püschel), Betker, Keiper, Yuri Alef Dos Santos Souza, Schmoock.

Torfolge: 1:0 Maurice Bogdahn (38.), 2:0 Sascha Gütte (66.), 3:0 Clemens-Paul Berlin (76.), 3:1 Keven Brömme (89.).

Schiedsrichter: Benedict Ohrdorf.

Vorkommnis: Rote Karte gegen den Warnauer Wilhelm Schulz (62./Notbremse).

Zuschauer: 181.