Erster Matchball vergeben: Durch eine 30:31 (15:13)-Niederlage im Heimspiel gegen die SG Spergau haben es die Sachsen-Anhalt-Liga-Handballer des Güsener HC am Sonnabend versäumt, den Klassenerhalt vorzeitig zu sichern. Noch mehr Enttäuschug herrschte jedoch über das Zustandekommen der unglücklichen Pleite.

Güsen l Die Tribüne in der Elbe- Havel-Sporthalle hatte sich längst geleert, das Licht war erloschen, als Christian Haßbargen nach allen anderen in die Kabine schlurfte. Fünf Minuten nach Spielschluss hatte Güsens Rückraum-Kanonier noch einsam neben dem Zeitnehmertisch gesessen. "Der Siebenmeter ist abgehakt", versuchte sich Kevin Haßbargen als Trostspender, wusste wohl aber selbst am besten, dass jene Momente an der Siebenmeterlinie aus Sicht seines Bruders alles Mögliche waren - schmerzhaft, unglücklich, unbegreiflich -, nur eben längst noch nicht abgehakt.

Eine Minute vor Ultimo im Spiel gegen Spergau hatte Christian Haßbargen per Siebenmeter die große Chance, sein Team auf die Siegerstraße und dem Klassenerhalt ein entscheidendes Stück näher zu bringen. Doch der Versuch misslang, Spergau traf im Gegenzug zum 31:30. Ein letzter Güsener Angriff wurde gestoppt und Fabian Steindorf konnte einen direkten Freiwurf nicht mehr im Tor unterbringen. "Ich mache Christian keinen Vorwurf. In dem Moment braucht es viel Selbstvertrauen", nahm Co-Trainer Bernd Bretschneider den GHC-Shooter in Schutz. Dabei musste der Glaube an sich selbst in der Schlussphase doch eigentlich auf dem Höhepunkt angelangt gewesen sein.

Wie oft hatten sich die Gastgeber zurück ins Spiel gekämpft. Nach ausgeglichenem Beginn, der sich bis zum 8:8 (20.) hinzog, erwischten sie ihre stärkste Phase. Torhüter Christopher Bretschneider legte mit starken Paraden den Grundstein zum nun folgenden 4:0-Lauf. Dazu leisteten sich die Gäste im Spielaufbau haarsträubende Fehler, die durch das 12:8 bestraft wurden (24.). Erst Tomas Jablonka, mit elf Toren Spergaus Bester, beendete per Hüftwurf den Höhenflug. "Aber danach leisten wir uns im Angriff zwei Ballverluste, lassen hinten zu viel zu und der Vorsprung schmilzt", kommentierte der Co-Trainer die letzten fünf Minuten des ersten Abschnitts, an dessen Ende der GHC aber immer noch mit zwei Toren in Führung lag.

Doch auch diese waren fünf Minuten nach Wiederbeginnn dahin (17:17). Vor allem Jablonkas ansatzlose Würfe und Zuspiele an den Kreis stellten die GHC-Defensive, die es an Absprache vermissen ließ, vor Probleme. "Wir hatten gehofft, ihn mit der 6-0-Abwehr stellen zu können. Aber das hat nicht immer geklappt und er hat ein wirklich starkes Spiel gemacht", lobte Bretschneider den Halbrechten der Gäste.

Nachdem dieser eine Zeitstrafe gegen sich ausgesprochen bekam, wirkte Spergau offensiv ideenlos und in der Abwehr überfordert. Güsen zog zum 27:24 (51.) davon. Die Führung hatte bis zum 30:29 (57.) Bestand, ehe sich auch Christian Haßbargen eine Zwei-Minuten-Strafe einhandelte, nach einer Roten Karte gegen die Gäste wieder aufs Feld kam und zur tragischen Figur wurde.

"Wir konzentrieren uns jetzt voll auf das nächste Heimspiel gegen Haldensleben in einer Woche", blickte Bretschneider mit einer großen Portion Trotz voraus. Denn der Klassenerhalt ist aus Güsener Sicht alles Mögliche - vor allem weiterhin aus eigener Kraft zu schaffen-, aber längst noch nicht abgehakt.

Güsener HC: C. Bretschneider, Teske - K. Haßbargen (7), Naggies, Hoffmann (3), C. Haßbargen (10/1), Lehnau (1), R. Klewe (3), Schwab (1), Salomon (1), Steindorf (2), Garbrecht (2)

Siebenmeter: GHC 2/1 - Spergau 4/1; Zeitstrafen: GHC 8 - Spergau 8; Rot: Stefan Schwarz (58., 3x2 Minuten) -Spergau