Es war ein Spitzenspiel, das nicht reich an Torchancen, wohl aber an Brisanz war. Für das i-Tüpfelchen in Sachen emotionale Entladung zeichnete sich Erik Teege verantwortlich. Der Angreifer sicherte den Landesliga-Fußballern des Burger BC im Heimspiel gegen den FSV Barleben am Freitagabend mit einem Last-Minute-Treffer das 1:1 (0:0)-Unentschieden.

Burg l Es ist eine einfache Rechnung: Man nehme einen frischen Matthias Herms auf Rechtsaußen, addiere seine Passgenauigkeit mit der gedanklichen Frische eines Franz Zimmer, schließe die Klammer und multipliziere den Term mit dem Abstauberinstinkt eines Erik Teege - fertig ist der 1:1-Ausgleich und damit der emotionale Abschluss eines nicht unbedingt attraktiven, aber brisanten Spitzenspiels. Eine Rechnung, mit der wohl auch einige Barleber Reservespieler etwas hätten anfangen können. Immerhin drehte sich im Rücken von FSV-Keeper Alexis Lenhard bereits während der Partie alles um Zahlen. "Sagt mal, wie viel bekommen wir jetzt nochmal für einen Punkt?", wollte ein FSV-Spieler von seinen Teamkollegen wissen. Mit gewisser Diskretion sei an dieser Stelle gesagt: Der in Euro ausgedrückte Unterschied zwischen jenem Sieg, der bis zur 90. Minute sicher schien, und dem einen Zähler, der am Ende heraussprang, war deutlich.

Auch die Rechnung plus-minus-null wäre am Ende noch möglich gewesen. Nach dem Last-Minute-Ausgleich durch Teege (90.) kam BBC-Linksaußen Kevin Schulz, einer der Besten in Reihen der Ihlestädter, bei einem Zweikampf mit Mathieu Belé im Strafraum zu Fall - der fällige Pfiff des Unparteiischen blieb aus. Zu der Szene wollte sich BBC-Coach Hartmut Müller nach Abpfiff nicht äußern, wohl aber zu der starken Schlussoffensive seines Teams: "Wie die Mannschaft in den letzten zehn Minuten gekämpft und an sich geglaubt hat, war schon super. Ich kann mich halt auf mein Team verlassen", resümierte der 61-Jährige fast schon spitzbübisch. Sein Gegenüber, FSV-Trainer Stephan Grabinski, präsentierte sich als fairer Verlierer: "Das gehört zum Fußball dazu. Wir haben es einfach versäumt, das 2:0 zu machen. Man muss Burg zum Punktgewinn gratulieren. Wenn es bis zur 90. Minute an sich glaubt, ist der Ausgleich doch in Ordnung."

Auf Sicherheit bedacht, "haben wir vor allem in der ersten Hälfte taktisch sehr diszipliniert gespielt", so Müller, dessen Team gegen "eine bessere Verbandsligamannschaft" kaum nennenswerte Chancen zuließ. Mit mehr Ballbesitz und der besseren Spielanlage ausgestattet, versuchten die Gäste Druck auf das BBC-Gehäuse auszuüben, agierten in den entscheidenden Momenten jedoch zu ideenlos. "Wir haben erst den zweiten Spieltag. Wir haben noch viel vor und müssen noch einiges tun", kommentierte Grabinski. Sein Team strahlte vor allem dann Gefahr aus, wenn Burg im Offensivgang den Ball verlor und die Gäste den erfahrenen Marcel Probst auf der rechten Außenbahn in Szene setzten. Eins um andere Mal kam Hendrik Schäfer gegen den ehemaligen Spieler des 1. FC Magdeburg zu spät - ohne weitreichende Folgen. So mussten die rund 350 Zuschauer bis zur 20. Minute auf die erste Großchance warten. Nach einer Ablage von Danny Matthias landete der Schuss von FSV-Kapitän Rene Heckeroth am Querbalken. Probst hätte zwölf Minuten später das 1:0 für Barleben machen müssen, scheiterte jedoch aus Nahdistanz an BBC-Keeper Sascha Krüger.

Nach dem Seitenwechsel konnten die Gastgeber das Spiel offener gestalten - eine Tatsache, die in der 56. Minute zum Führungstreffer der Barleber führte. In der Vorwärtsbewegung verloren die Ihlestädter in Höhe der Mittellinie den Ball "und kassieren dann ein Tor nach dem Muster, das wir vorher hundert Mal angesprochen hatten", so Müller. Probst nutzte den sich bietenden Freiraum auf der rechten Außenseite und bediente Matthias, dessen mustergültiger Kopfball unhaltbar zum 1:0 einschlug. "Immer wenn wir hinten aufgemacht haben, kam Barleben zu Chancen", kommentierte Müller. Einzig Krüger, der zweimal gegen Torsten Kühnast (69.) und Probst (77.) parierte, hielt die Partie weiter offen. Und so war es der eingewechselte Herms, der sich in der 90. Minute auf der rechten Außenbahn durchsetzte und Zimmer an der Strafraumgrenze bediente. Letzterer tankte sich bis zur Grundlinie durch und bediente Teege, der nur noch zum 1:1-Ausgleich einschieben musste. Grabinski nahm\'s gelassen: "Ein Spiel geht von der ersten bis zur 90. Minute. So ist das nun mal in Fußball." Eine ganz einfache Rechnung.

Burger BC 08: Krüger - Friedrich, Benkel, Behr, H. Schäfer, Siemke, Zimmer, Schulz, Lindenblatt (57. Herms), B. Schäfer (63. Peseke), Teege

FSV Barleben: Lenhard - Kühnast (71. Jaffke), Christian Madaus, Carsten Madaus, Heckeroth, Probst, Matthias, Hennecke (63. Hennig), Weiß, Bele, Schönberg (83. Kreibich)