Eigentlich habe ich jeden Dienstagabend eine Verabredung: meine Sporttasche steht im Flur, ich zuckele die Treppe hinunter und spaziere zur Turnhalle. Heute kommt mir Frau Krause aus dem vierten Stock entgegen und staunt: "Nein, nach dem langen Arbeitstag machen Sie noch Sport? Das muss ich gleich meinem Alfred erzählen." Was Alfred nicht weiß, hinter der Haustür liegt mein innerer Schweinehund auf der Lauer, nimmt sanft meinen Badminton-Schläger und lenkt mich zurück auf die Couch.

Doch heute wehre ich mich: Schluss mit dem Turnhallenmief, raus in die Natur, ab morgen wird gelaufen! Mit diesen Gedanken schlafe ich ein und träume vom ersten Marathon. Regen erwartet mich am nächsten Morgen; der Schweinehund schläft noch, also rein in die Laufschuhe und die Kapuze auf. Eine halbe Stunde später hänge ich schwer atmend über dem Geländer der Ihlebrücke, mitleidig betrachtet von einer Kindergartengruppe. "Ist die Frau da krank?" "Nein, die hält sich durch Sport gesund", erklärt die Erzieherin. Ich verziehe das Gesicht und schleiche nach Hause. Soll das etwa die Erfüllung sein, von der so viele Lauffreudige sprechen?

Einige Tage später und 12 Kilometer weiter weiß ich mehr: regelmäßig Laufen macht gute Laune, beachte aber: den Glücksrausch gibt\'s nur bei extremen Belastungen wie beim Marathon. Inzwischen freue ich mich, wenn ich die Kleinen aus dem Kindergarten treffe und kann entspannt lächeln, wenn sie auf meine Laufkleidung zeigen.

Richtig, man sollte funktionelle Sportsachen tragen, also auf zum nächsten Sportgeschäft. Dort gratuliert man mir zum Durchhaltevermögen und versichert mir, jetzt wird alles leichter. Reflektorstreifen, Laufhose und Funktionsshirt haben zwar den Schweinehund beeindruckt, aber leider lässt die Fettverbrennung noch auf sich warten. Eine Stunde Laufen verbraucht (nur) 500 Kilokalorien, aber wer etwas über eine Stunde läuft, tut für die nachhaltige Verbrennung einiges, bis zu 15 Stunden lang.

Und wirklich, irgendwie spannt die Laufhose nicht mehr so, die Jeans knackt nicht mehr in den Nähten und man sieht mir anerkennend nach; jedenfalls sagt Frau Krause das. "Also mein Alfred ist ganz begeistert. Stellen Sie sich vor, er will jetzt auch laufen."

Neulich traf ich die Badminton-Mädels, etwas blass um die Nasen und außer Atem. Sie hatten das erste Mal (Laufen) hinter sich. Ich konnte sie beruhigen: Auch wenn der Hormonrausch ausbleibt, glücklich macht Laufen allemal.