Zum Jahresende lockt die Laufgruppe des MSV Eintracht Halberstadt seit mehr als drei Jahrzehnten zum Karpfenlauf. Am 2. Weihnachtsfeiertag waren diesmal über 300 Frauen, Männer und Kinder laufend, walkend oder wandernd in den Spiegelsbergen unterwegs. Unter ihnen wurden anschließend 40 Karpfen verlost.

Halberstadt l Lange bevor die ersten Teilnehmer am Lauf im Friedensstadion eintrafen, wurden dort von einem Transporter drei Zentner Fisch entladen: 40 fangfrische und ausgenommene Karpfen, von denen die Teichwirtschaft Veckenstedt einen großen Teil sponserte. Der Schwerste wog fünf Kilogramm.

"Dafür lohnt es sich doch zu laufen", so Lothar Ahrens, Chef der Halberstädter Laufgruppe, der mit einigen Mitgliedern die letzten Vorbereitungen traf. Glühwein und Tee wurden zubereitet, unzählige Schmalzstullen geschmiert. "Erstmals richten wir den Lauf zu einem so frühen Zeitpunkt aus", bemerkte er, "lassen wir uns überraschen, ob er so gut angenommen wird wie in den Vorjahren".

Als Ahrens kurz vor 10 Uhr alle Aktiven willkommen hieß, waren alle Zweifel an einer möglichweise geringeren Teilnahme längst verflogen. Denn mit den 300 Startern waren es sogar mehr als beim letzten Rennen zum Jahresbeginn 2010. Hinzu kamen noch über 20 Zuschauer und Teilnehmer, die auf ein Los verzichteten, weil sie keinen Karpfen mögen.

Diesmal musste nicht vor Glätte gewarnt werden, denn es gab weder Eis noch Schnee. Und statt der eisigen Kälte herrschte frühlingshaftes Wetter. "So warm war es in der Geschichte dieses Laufes noch nie", stellte Helmut Wilke, einer der ältesten und treuesten Teilnehmer, fest. Gemeinsam mit Michael Schubert, AOK-Bereichsleiter Öffentlichkeitsarbeit, schickte Lothar Ahrens die Bewegungshungrigen in Richtung Halberstädter Berge. Beide wünschten allen Beteiligten aus Halberstadt, aus den umliegenden Orten und Landkreisen viel Bewegung an der frischen Luft und eine gute Rückkehr an den Startplatz. Wer den langgestreckten Anstieg im Spiegelsbergenweg geschafft hatte, durfte seinen Losabschnitt in eine Urne werfen und dann entscheiden, wie weit und wie lange er läuft. Denn bei dem Spaßlauf für Jedermann geht es nicht um Schnelligkeit und Platzierungen. Dafür um Karpfen auf die Losnummern, die alle Teilnehmer vor dem Rennen bekommen. Die meisten kosteten die angenehme Temperatur aus, bei der man schon ohne Anstrengung ins Schwitzen kam, und entschieden sich für längere Distanzen. Erster Rückkehrer war Erik Hentschel (5 Jahre), der 1,5 Kilometer durchgängig gelaufen war. Als Letzter traf der wohl prominenteste Starter ein: Georg Fleischhauer, der die 400 Meter Hürden erfolgreich für den Dresdner SC 1898 läuft und sich 2010 den Deutschen Meistertitel holte.

Der gebürtige Halberstädter war über die Feiertage zu Besuch bei seiner Familie und nahm die Gelegenheit wahr, sich beim Karpfenlauf Bewegung zu verschaffen. Als Grund seines verspäteten Eintreffens - die Karpfen waren längst vergeben - gab er an: "Verlaufen." Irgendwo habe die Markierung gefehlt, und so sei er gezwungenermaßen länger unterwegs gewesen als geplant. "Macht aber nichts, es hat trotzdem Spaß gemacht." Immerhin sei es so etwas wie ein Training außer der Reihe gewesen, sagte er, auch wenn die Strecke für einen Hürdenläufer eher außergewöhnlich ist.

Michael Schubert gratulierte dem Halberstädter zu seinen bisherigen sportlichen Erfolgen und wünschte ihm alle Gute auf dem Weg zu Olympia 2012. "Die Halberstädter werden ganz besonders fest die Daumen drücken", versicherte er. Ahrens und Schubert übergaben die 40 Karpfen, den letzten an Dr. Reinhild Lorenz aus Halberstadt, die mit Tochter Henriette unterwegs war.

"Wir sehen uns wieder am 17. März zum Frühlingslauf", lud Lothar Ahrens ein und wünschte allen einen guten Start in ein friedvolles, erfolgreiches, gesundes und sportliches Jahr 2012.