Osterwieck l In diesem Zusammenhang stellt der BVSA Personen vor. Ihr ganz persönliche Geschichte hat nun Sina Wagner, 2. Vorsitzende vom SC Osterwieck, Sven Bender geschildert.

Wie bist Du zu Deinem Ehrenamt gekommen?

Sina Wagner: Mir wurde der Basketball regelrecht in die Wiege gelegt. Mein Opa Jürgen Kluge hat 1967 die Basketballabteilung von Motor Osterwieck gegründet und angefangen, Jugendmannschaften aufzubauen. Er selbst hatte zwar nie in einem Verein Basketball gespielt, aber als Sportlehrer war er vom Spiel mit dem orangenen Ball fasziniert. Diese Begeisterung trug 1989 Früchte, als er die DDR-Meisterschaft mit der Mannschaft der Altersklasse 12 gewann. Das war noch bevor ich überhaupt geboren wurde. Meine Eltern waren beim Fußball bzw. in der Leichtathletik aktiv, somit war Sport in meiner Familie schon immer präsent.

Im Alter von drei oder vier Jahren nahm mich mein Großvater ab und zu mit in die Sporthalle. Damals bekam ich schon einen Basketball in die Hand gedrückt, ohne wirklich zu wissen, was ich damit anfangen soll (lacht). Später war ich bei jedem Training dabei. Letztendlich hat mich 2010 Birgit Försterling, eine basketballbegeisterte Sportlehrerin und damals aktiver Vereinsvorstand im SCO, gefragt, ob ich nicht Lust hätte, Trainerin zu werden. Ich war sofort dabei. Bis zu dem Zeitpunkt gab es kein Mini-Team beim SCO, also habe ich selbst eine Mannschaft ins Leben gerufen. Die Resonanz war großartig und plötzlich stand ich in der Halle, allein mit 18 quirligen Kids. Es hat riesigen Spaß gemacht. Ein Jahr später trainierte ich zusätzlich die U13. 2014 wurde ich im Zuge des Vorstandswechsels zum Jugendwart gewählt und habe die Koordination der Jugend-Teams übernommen.

Wie sieht Dein Ehrenamt aus, aus welchen Aufgaben setzt es sich zusammen?

Als Jugendwart besteht meine Hauptaufgabe in der Organisation des Spielbetriebs. Das mache ich zusammen mit unserem Sportwart. Besonders wichtig ist die Abstimmung der Spieltermine, da wir in Sachsen-Anhalt und in Niedersachsen antreten. Außerdem erstelle ich vor Saisonbeginn einen Kampfrichterplan und achte darauf, dass alle Vereinsmitglieder mindestens dreimal am Kampfrichtertisch Platz nehmen.

Als eine der Trainerinnen der U12 bin ich auch Ansprechpartner der Eltern. Ich sammle sämtliche Artikel zum Verein und erstelle am Saisonende einen Hefter, den sich alle gerne in der Revue anschauen.

Darüber hinaus veranstalten wir seit fünf Jahren ein Weihnachtsturnier und zum letzten Heimspiel gibt es eine Saisonabschlussfeier. Dort vergeben wir Ehrungen an die Kinder und in diesem Jahr erstmalig auch an die Eltern. Zur Sportwoche in Osterwieck erstellen wir zusammen mit dem Fußballverein ein Programm. Außerdem organisieren wir Profitrainings für die Kids mit den Regionalliga-Basketballern der Aschersleben Tigers oder Herzögen Wolfenbüttel. Während der Sportwoche findet auch die „kinder+Sport“-Akademie statt.

Vor kurzem wurde ich zur 2. Vorsitzenden ernannt. Eigentlich hat sich von den Aufgaben her nichts geändert, da ich vorher schon viel Verantwortung hatte. Der einzige Unterschied ist, dass ich jetzt berechtigt bin, im Namen des Vereins zu unterschreiben.

Ansonsten bin ich seit einem Jahr noch Staffelkoordinatorin der Schulliga im Harz. Dort erhalte ich aber so viel Unterstützung vom BVSA in Person von Arik Schumann, dass das Ausrichten der insgesamt vier Turniere mehr Spaß als Arbeit ist.

Wie viel Zeit investierst Du für Deine ehrenamtlichen Tätigkeiten?

Es sind etwa 15 bis 20 Stunden pro Woche. Ich versuche zwischen den Vorlesungen und während der Zugfahrten vieles vom PC aus zu erledigen. Am Wochenende bin ich immer in der Halle. Nach der Saison wird es schon merklich ruhiger. Wir bieten zwar von April bis Juni Individualtraining an, aber in den Sommerferien machen wir ganz bewusst eine Pause. Wer trotzdem Lust auf Basketball hat, trifft sich auf dem Freiplatz.

Was macht Dir Spaß und über was ärgerst Du Dich?

Ich habe erst einmal großen Spaß daran diesen Sport auszuüben und zu verbreiten. Ich denke, dass ich das auch ausstrahle. Das wiederum überträgt sich auf meine Spieler. Es bereitet mir immer viel Freude zu sehen, wie die Kids Fortschritte machen. Wenn zum Beispiel eine Spielerin, nach langem Üben, das erste Mal im Spiel einen Spin-move macht, dann freue ich mich von ganzem Herzen.

Die positive Anerkennung der Eltern, Kinder und Leute aus der Region ist ein toller Nebeneffekt. Viele erkennen, dass mein Engagement nicht selbstverständlich ist und sind sehr dankbar. Das motiviert mich. Was mir nicht gefällt sind Unzuverlässigkeiten. Das ist besonders bei der Organisation des Kampfgerichts anstrengend. Aber ich denke, dass damit jeder Verein zu kämpfen hat.

Schade finde ich auch, dass manche Eltern ihre Kinder einfach nur beim Training oder Spielen absetzen und dann schnell wieder verschwinden. Wenn bei einem Heimspiel mehr Eltern der Auswärtsmannschaft als des Heimteams in der Halle sind, ist das schon merkwürdig. Manche Eltern haben kaum Kenntnis von den tollen Fortschritten, die ihre Kinder machen. Ich bin der Meinung, dass man solche Erfahrungen der Kinder in der Familie teilen sollte.

Du hast von Vorlesungen gesprochen, was genau studierst Du und was machst Du abseits des Basketballfeldes?

Ich habe eine Ausbildung zur Rettungsassistentin absolviert und aktuell studiere ich in Leipzig Medizin im 5. Semester. Dort habe ich auch eine kleine Wohnung. Obwohl ich während der Schulzeit ein Auslandsjahr in den USA verbracht habe und in Leipzig studiere, bin ich stark in der Region verwurzelt, denn am Wochenende bin ich meistens in Osterwieck bei meinem Freund, meiner Familie und natürlich beim Basketball. Ich würde mich quasi als „kleinen Heimscheißer“ bezeichnen (lacht). Mein Freund ist ein wichtiger Teil meines Lebens. Wir sind mittlerweile seit 13 Jahren zusammen und er teilt glücklicherweise meine Interessen. Um genau zu sein, ist er mein Basketball-Coach. Eigentlich war er dem Tennis verfallen, aber ich habe es geschafft, seine Begeisterung für den Basketball zu wecken.

Könntest Du Dir eine ehrenamtliche Tätigkeit in einem anderen Bereich vorstellen?

Ehrlich gesagt: In keiner anderen Sportart würde ich mich so leidenschaftlich engagieren. Und meine Familie würde es mir auch nicht verzeihen (lacht). Ich könnte mir aber vorstellen, ehrenamtlich in Altersheimen zu helfen. Vielleicht als Bezugsperson für ältere Menschen, die häufig sehr einsam sind. Während der Rettungsassistentin-Ausbildung habe ich festgestellt, dass sich viele Betroffene jemanden zum Reden wünschen.

In den USA wurde soziales Engagement sehr groß geschrieben, was mich sehr geprägt hat. Und in meiner Familie wurde es mir auch stets vorgelebt. Meine Schwester und ich wurden von unseren Eltern zu zahlreichen Veranstaltungen mitgenommen und dann hat man halt mit angepackt, anstatt doof in der Ecke rumzustehen.

Wenn Du einen Wunsch für den Basketball in Sachsen-Anhalt frei hättest, wie würde dieser lauten?

Ich wünsche mir primär das, was quasi jeder Basketballfunktionär oder -spieler möchte: Mehr Basketballvereine und ehrenamtliche Unterstützer. Ein weiteres wichtiges Anliegen ist es, dass sich die Vereine in den Regionen gegenseitig noch mehr unterstützen. Dabei können alle Beteiligten nur gewinnen. Wir helfen zum Beispiel manchmal als Kampfrichter in Halberstadt aus oder haben ein Mädchenteam aus Elbingerode bei uns aufgenommen, das aufgrund der geringen Mannschaftsstärke nicht am Spielbetrieb teilnehmen konnte. In dem Fall sind die Vereine selbst gefragt und müssen eigenständig aufeinander zugehen. Man kann es ja mal ausprobieren.