Halberstadt l Ehe Regionalligist Germania Halberstadt am Mittwoch mit der Vorbereitung für die neue Spielserie beginnt, soll zunächst die erfolgreiche Saison 2017/18 Revue passiert werden lassen.

Max Dentz neuer Cheftrainer

Wenn der neue Cheftrainer Max Dentz um 15 Uhr erstmals mit dem Team für 2018/19 zusammenkommt, werden im Friedensstadion einige Protagonisten des Vorjahres fehlen. Mit zum Teil sehr guten Leistungen haben sie mehr als nur das Interesse anderer Vereine geweckt.

Was war das für ein intensives und sportlich erfolgreiches Jahr für den VfB Germania! Los ging es mit dem DFB-Pokalspiel gegen den SC Freiburg (1:2), dem Club, für den der Sohn von Cheftrainer Andreas Petersen in der Bundesliga spielt. „Das hat der Fußballgott wirklich 1A hinbekommen“, war der 58-Jährige im Sommer 2017 begeistert von dieser Konstellation.

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Halberstadt macht auf sich aufmerksam

Die Rückkehr in die 4. Liga meisterte der VfB. Bei hochsommerlichen Temperaturen machte der Aufsteiger mit dem 1:1 beim hoch gehandelten SV Wacker Nordhausen schon am 1. Spieltag auf sich aufmerksam. Mit etwas Glück wäre im Harzer Derby sogar ein Auftaktsieg drin gewesen. Danach musste das eigene Publikum etwas Geduld aufbringen, den ersten Heimsieg gab es (erst) Ende Oktober gegen Hertha BSC II (2:0).

Dafür demonstrierte das Team gerade auswärts, dass es spielerisch mit den Teams der Regionalliga Nordost mehr als nur mithalten konnte. Bei Heimspielen riskierte man teilweise zu viel, agierte nervös und verlor dadurch gerade in so manch einer Schlussphase Punkte. Mit 22 Zählern war der VfB Germania nach der Hinrunde aber voll im Soll, 40 Punkte und schnellstmöglich die Klasse sichern hieß von da an das Ziel für die Rückrunde.

Zwei neue Spieler in der Winterpause

In der Winterpause verließen mit Luigi Campagna und Flodyn Baloki zwei wichtige und wuchtige „Abräumer“ den Verein. Dafür zauberten die Verantwortlichen mit Gilian Jurcher und Hasan Pepic zwei technisch hoch versierte Kicker aus dem Hut, die dem Halberstädter Angriffsspiel schnell ihren Stempel aufdrücken sollten.

Dazu traten wie schon in der Hinrunde die Defensivakteure Philipp Blume, Adli Lachheb und Kapitän Benjamin Boltze konstant stark auf. Das Mittelfeld und der Angriff gehörten zum Besten, was es in der Nordost-Staffel im abgelaufenen Jahr zu sehen gab: Tim Oschmann, Patrik Twardzik, Ivan Franjic und Florian Beil sowie die beiden Neuen wirbelten, dass es eine wahre Freude war. So viel Kreativität machte einfach Spaß. Weil der Kader 2017/18 auch in der Breite qualitativ gut besetzt war, verkraftete der VfB längere Ausfälle wie die von Nico Hübner, Tom Nattermann oder Kay Michel gut.

Blitzspiel gegen Budissa Bautzen

Die zweite Halbserie war über weite Strecken von Wetterkapriolen beeinträchtigt. Etliche Partien mussten abgesagt und neu angesetzt werden. Höhepunkt in diesem Zusammenhang war sicher das denkwürdige „Blitzspiel“ gegen Budissa Bautzen. Nach nur 17 Sekunden unterbrach der Schiedsrichter zunächst, um nach 50 Minuten des Wartens bei Blitz und Donner schließlich komplett „Nein“ zu sagen.

Das Nachholspiel vom Nachholspiel entschied Halberstadt im Mai dann mit 5:1 für sich. Es war eingebettet in einen extrem fordernden Spielrhythmus, bei dem die Vorharzer über Wochen alle drei Tage ran mussten. Kritisch wurde es kurz vor Saisonende, als der VfB drei Niederlagen in Serie auf fremden Plätzen kassierte. Trainer Petersen verlangte lautstark ein anderes Auftreten und sollte es vom Team zu sehen bekommen.

Platz sieben zum Abschluss

Mit neun Punkten aus den letzten drei Begegnungen landete die Mannschaft letztlich bei bemerkenswerten 52 Punkten und Platz sieben. Es könnte gut möglich sein, dass diese Saison für viele Jahre das Beste bleibt, was eine Halberstädter Fußballelf je gezeigt hat.

Andreas Petersen zeigte sich stolz auf das Erreichte und erklärte den Erfolg so: „Was hier sportlich in den letzten zwei Jahren entstanden ist, und da beziehe ich bewusst immer Kevin Meinhardt mit ein, ist toll. Das war eine fantastische Saison, niemand hätte uns das zugetraut. Wenn man ganz ehrlich ist, hätten es sogar mindestens sechs Punkte mehr sein können, dann wären wir Zweiter. So vermessen wollen wir aber nicht sein. Die Sponsoren, der Vorstand, die Fans, das Funktionsteam – alle waren eine richtige Einheit und haben zu einer sehr guten Entwicklung beigetragen.“

Die Konkurrenz war hart

Hinsichtlich der zwei anderen Aufsteiger aus Altglienicke und Leipzig, das 2017 als Oberliga-Staffelsieger vor der Germania den Aufstieg perfekt machte, meinte der Trainer: „Der Druck war da, die Konkurrenz hart. Die Abschlussplatzierungen dieser Vereine zeigen aber, wie gut die Saison für uns lief.“

Kritikpunkte gab es dennoch. So war schon im Viertelfinale des FSA-Landespokals in Ammendorf (0:1) Schluss. „Rückblickend war das die größte Enttäuschung“, erklärte Petersen, „das wurmt mich immer noch. Da waren wir zu schlafmützig“. Angesprochen auf die Zuschauerzahlen in Halberstadt (im Schnitt 489) äußerte der 58-Jährige auch Kritik. „Wir hätten alle mehr erwartet, 700 im Schnitt wäre schön gewesen. Das tut persönlich weh, der Verein und die Mannschaft haben das nicht verdient.“

Andreas Petersen wird sportlicher Leiter

Andreas Petersen beendete am Saisonende aus gesundheitlichen Gründen sein Traineramt. Ab sofort agiert er bei der Germania als sportlicher Leiter. Im Sinne der Wirtschaftlichkeit muss er ein Team auf die Beine stellen, das auch in der neuen Saison die Klasse hält.