Halberstadt l Über die Auswirkungen, die sich daraus für den VfB Germania Halberstadt und die Regionalliga-Mannschaft als höchstklassiges Fußballteam der Region ergeben, unterhielt sich Volkstimme-Redakteur Ingolf Geßler mit Vereinspräsident Erik Hartmann.

Die Corona-Pandemie legt aktuell den kompletten Sport still. Wie gestaltet sich die Situation für den VfB Germania Halberstadt als einen der größten Vereine des Harzkreises?

Erik Hartmann: Die Situation ist schwierig. Sicher für alle Sportler im Verein, aber auch für den Verein an sich. Wenn auf gleich das komplette soziale Leben eines Vereins auf null gefahren wird, bleiben viele Baustellen offen. Dies trifft natürlich insbesondere unsere Kinder und Jugendlichen, deren regelmäßige Anlaufstelle der Verein ist. Immerhin entfällt für unseren Nachwuchs bis zu fünf Mal Training pro Woche – und das in jeder Sportart.

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In Bezug auf die Regionalliga-Mannschaft bringt die Einstellung des Punktspielbetriebs große finanzielle Einbußen mit sich. Welche Auswirkungen hat dies und mit welchen Maßnahmen versucht der Verein gegenzusteuern?

In der Tat, der Geschäftsbetrieb der Regionalliga-Mannschaft ist momentan vollends zum Erliegen gekommen. Wenn wir die Regionalliga-Mannschaft als Unternehmen begreifen, welchem sämtliche Einnahme-Möglichkeiten genommen wurden und die Ausgabenseite bestehen bleibt, stellt sich in jeder Unternehmung ein riesiges Problem. So geht es momentan aber vielen Selbstständigen und Unternehmen, denen die Ausübung ihres Gewerbes untersagt ist. Aus diesem Grunde mussten wir natürlich Kurzarbeit anmelden. Dies lindert die Probleme, beseitigt sie aber nicht vollends.

Gibt es ein Szenario, bis zu welchem Zeitpunkt der Verein einen Ausfall verkraften könnte?

Wir haben in dieser Saison eigentlich gut gewirtschaftet und Stand 29. Februar ein zufriedenstellendes Ergebnis eingefahren. Dies wird nun leider erheblich geschmälert, so dass wir sicher unsere Konsolidierung der letzten zwei Jahre in weitere zwei Jahre strecken müssen. Hier erarbeiten wir gerade für den Aufsichtsrat Zahlenwerke für die nächsten Serien, um auch in der Krise das Fundament der Regionalliga zu sichern.

Hat die Krise rund um den Coronavirus anderweitige Auswirkungen auf den Verein?

Ich glaube im Verein, wie überall in der Gesellschaft, besinnen sich die Menschen wieder mehr auf Solidarität. Im Moment können wir nur hoffen, dass wir alle in allen Sportarten wieder dahin kommen, wo wir im Februar waren.

In vielen Fußballvereinen wird versucht, mit virtuellen Spielen einen Teil der finanziellen Verluste aufzufangen. Auch die Ultras des VfB Germania planen aktuell eine derartige Aktion. Wie stehen Sie dazu und gibt es schon genaue Informationen zum Projekt der Halberstädter Fans?

Wir haben lange überlegt, ob wir zur Unterstützung und Teildeckung der Einnahmeausfälle für unsere Unterstützer ein virtuelles Spiel auflegen wollen. Uns fehlen allein an momentan entgangenen Zuschauereinnahmen Summen im mittleren fünfstelligen Bereich. Insoweit brauchen wir Unterstützung und haben auf Initiative unserer Ultras ein virtuelles Spiel ins Leben gerufen, mit welchem wir in den nächsten Tagen an die Öffentlichkeit gehen werden. Dies soll allerdings ein tatsächliches Benefizspiel werden, wenn wir wieder spielen dürfen.

Ich kann insoweit nur alle Fans, Unterstützer und Freunde des Regionalliga-Fußballs in unserer Region bitten, sich an dieser Aktion zu beteiligen. Diese Hilfe ist nötig, um die laufende Saison wenigstens einigermaßen erträglich abschließen zu können.

Der Fußballverband Sachsen-Anhalt hat den 15. Mai als „Deadline“ für die Wiederaufnahme des Spielbetriebs gesetzt, um die Saison ordnungsgemäß bis zum 30. Juni abzuschließen. Wird der Ball aus Ihrer Sicht in dieser Saison noch einmal rollen?

Wir würden natürlich gern die Saison zu Ende spielen. Dies erscheint in meinen Augen aber mehr als fraglich. Zwar halten sich unsere Spieler zu Hause fit, dies kann aber ein Mannschaftstraining nicht ersetzen. Nach drei Wochen Winterpause machen wir im Regelfall vier Wochen Vorbereitung. Sportlich regulär kann eine Saison im Amateurbereich also sicher nicht mehr zu Ende gespielt werden. Insbesondere da unsere Sportanlagen ja zumindest bis 20. April gesperrt sind.

Dennoch muss die Mannschaft für den Ernstfall gewappnet sein. Inwieweit sind Sie mit Trainer Sven Körner in Kontakt und verfolgen die individuelle Trainingsarbeit der Spieler?

Ich kann bestätigen, dass der Trainer den Jungs Hausaufgaben mit ins „Homeoffice“ gegeben hat.

Der VfB Germania Halberstadt ist in hohem Maße von den Zuschauereinnahmen abhängig. Ist auch in der Regionalliga ein Szenario mit „Geisterspielen“ überhaupt vorstellbar?

Ganz klar nein! Ohne Zuschauereinnahmen können wir den Regionalliga-Geschäftsbetrieb nicht darstellen.

Als letzter Ausweg bliebe der von vielen befürchtete Abbruch der Saison. Welche Variante der Wertung der aktuellen Spielserie sehen Sie für diesen Fall als sinnvollste an?

Gestern haben die Niederlande den Spielbetrieb – auch ohne Zuschauer – bis 1. Juni untersagt. Ich gehe auch für Deutschland davon aus, dass zumindest im Amateursport eine solche behördliche Untersagung kommen wird. Was bei einem Abbruch sinnvoll ist, vermag ich nicht zu sagen. Die gerechteste Lösung wäre sicherlich die Uhren auf „Null“ zu stellen und zum Saisonstart 2020/21 noch einmal neu anzufangen. Meisterschaften, wie auch Abstiegsplätze sind oft während der letzten Spieltage entschieden worden, insoweit dürfte bei einem Abbruch niemand den Anspruch haben aufzusteigen und verpflichtet zu werden abzusteigen.

Gestern sollte das Landespokal-Halbfinale gegen den 1. FC Magdeburg stattfinden. Wie ist hier der Stand, auch was die bereits verkauften Eintrittskarten betrifft?

Ich habe geträumt, dass wir 2:1 gewonnen haben. Spaß bei Seite! Nach gegenwärtigem Stand findet das Spiel statt. Nur wann kann noch keiner sagen. Selbstverständlich behalten die bisher verkauften Karten ihre Gültigkeit.