Halberstadt l Der Nordostdeutsche Fußballverband (NOFV) hat sich am Freitagabend dazu entschlossen den Spielbetrieb in der Regionalliga Nordost und den beiden Oberliga-Staffeln Nord und Süd im Kalenderjahr 2020 einzustellen. Was die Entscheidungen dieser Video-Konferenz für den VfB Germania Halberstadt bedeuten, fragte Sport-redakteur Florian Bortfeldt den Germania-Präsidenten Erik Hartmann.

Volksstimme: Herr Hartmann, waren Sie persönlich ,beziehungsweise virtuell, bei der Konferenz am Freitag vertreten? Wenn ja, wie kommentieren Sie das?

Erik Hartmann: An der Videokonferenz haben Enrico Gerlach (Co-Trainer und sportlicher Leiter/ d. Red.) und ich teilgenommen. Es steht uns nicht zu, die Entscheidung zu kommentieren, da der Verband eine Entscheidung für alle Beteiligten unter Berücksichtigung der Fakten in fünf Bundesländern treffen musste. Wir sind Sportler und hätten natürlich gern gespielt, aber wir akzeptieren selbstverständlich die Entscheidung des Verbandes.

Welche Sichtweise haben die Verantwortlichen von Germania Halberstadt vertreten, pro oder contra Verlängerung der Unterbrechung?

Die Sachlage ist auf Grund der länderübergreifenden Entscheidung sicher nicht mit ja oder nein zu beantworten. Die Frage stellte sich auch nicht, da es keine Abstimmung war, sondern eine Erörterung der nunmehr auflaufenden Probleme. Wir hätten allerdings gern weiter gespielt, um die Liga dann mit einigen Spielen mehr auf der Uhr in die Winterpause zu bringen. Nur dafür hätten wir auch Geisterspiele bis Weihnachten in Kauf genommen.

Wie kam es zu diesem Meinungswechsel, denn noch vor wenigen Wochen stand die Liga geschlossen zusammen und wollte einen schnellen Re-Start?

Grundsätzlich hätten fast alle Mannschaften gern weiter gespielt. Allerdings ließen die Corona-Zahlen zum Beispiel in Berlin das nicht zu.

Der reguläre Saisonablauf mit Hin- und Rückrunde ist jetzt mehr als fraglich. Welche Option kommt für Germania Halberstadt als eheste in Frage? Im Raum stehen die Varianten nur eine (Hin-)Runde, Playoffs- bzw. Playdowns oder die Quotientenregel?

Nach 13 von 38 Spieltagen braucht man über ein Ende der Saison durch Quotientenregelung überhaupt nicht nachzudenken. Hier müssten schon zwei Drittel der Saison gespielt sein. Alle Mannschaften und der NOFV müssen dahinter stehen, dass die sportliche Auseinandersetzung stattfindet. Erst dann stellen sich die Fragen nach Playoffs, Quotenregelung oder Saisonverlängerung. Grundsätzlich haben wir ja erst einmal bis 30. Juni 2021 Zeit.

Es soll eine „Arbeitsgruppe Regionalliga“ installiert werden. Wer vom VfB Germania vertritt da die Interessen des Vereins?

Hier finden zurzeit Gespräche statt, da eine Arbeitsgruppe gebildet wird, welche ein Abbild der gesamten Regionalliga darstellen soll. Also sollen die „Großen“ wie die „Kleinen“ dabei sein. Entscheidungen sind hier noch nicht gefallen.

Der Bund stellt Geld beziehungsweise eine finanzielle Unterstützung für Profiligen in Aussicht. Wie groß ist die Chance, dass auch Germania Halberstadt als semiprofessioneller Viertligist etwas vom Topf abbekommt?

Fakt ist, dass der neuerliche Stillstand uns als Geschäftsbetrieb erheblich unsere betriebswirtschaftliche Planung durchkreuzt. Einnahmen brechen weg und Kosten laufen weiter. Schließlich trainiert die Mannschaft und insbesondere vor Weihnachten sind wir nicht bereit, den Jungs irgendetwas zu kürzen. Die wollen schließlich auch Weihnachten feiern. Sicher wäre eine Unterstützung enorm wichtig, da der nunmehr zweite Stillstand schon existenzbedrohend ist.

Sie sagen es, der VfB Germania, in diesem Fall der Geschäftsbetrieb Regionalliga, ist auch Arbeitgeber für ein nicht unerhebliches Personal. Viele Arbeitnehmer mussten dieses Jahr aufgrund der Pandemie in Kurzarbeit gehen. Inwieweit betrifft solche Regelung den VfB?

Ich werde Ihnen nicht das Gehaltsgefüge und unseren Personalstamm aufzählen. Klar ist doch aber, dass der Geschäftsbetrieb Regionalliga natürlich weiterläuft. Es gibt Angestellte, die keinen Fußball spielen, die müssen alles andere erledigen. Insoweit besteht da kein Grund, in Kurzarbeit zu treten. Wir müssen sehen, wie wir das Ding am Leben halten.

Bei einem Kader von 22 Spielern, einem Trainer und Betreuerstab haben wir erhebliche Kosten, welche es aufzufangen gilt! Dies soll aber nicht auf dem Rücken der Spieler geschehen. Unsere Spieler sind keine Großverdiener, die ohne Weiteres Lohneinbußen hinnehmen können.

Was bedeutet die Entscheidung für die Mannschaft im Konkreten? Wie sind die Planungen bis Weihnachten?

Die Mannschaft muss weiter trainieren. Die Regionalliga ist Leistungssport, also sind auch die Fußballer Leistungssportler, die nicht einfach auf „Null“ gefahren werden können. Derzeitig planen wir Training bis 18. Dezember, um dann die Mannschaft in den Weihnachtsurlaub zu schicken.