Halberstadt l Der VfB ist um 13 Uhr zu Gast bei Romonta Amsdorf. An der Seitenlinie trägt mit Sven Körner ein neuer Trainer die Hauptverantwortung. Im Gespräch mit den Volksstimme-Redakteuren Thomas Wartmann und Florian Bortfeldt gibt der 37-Jährige Einblicke in seine ersten Eindrücke.

Volksstimme: Welche Faktoren haben für den VfB Germania gesprochen, denn es standen ja offenbar weitere Angebote für Sie im Raum?

Sven Körner: Ich hatte von Anfang an das Gefühl, dass es in Halberstadt passt. Nicht nur menschlich, auch von den Bedingungen und der Infrastruktur her. Dazu kommt die Struktur der Mannschaft. Sie ist jung. Ich arbeite gern mit jungen Spielern. Dazu kommt noch die regionale Nähe zu meinem Wohnort Stendal. Für jedes andere Angebot hätte ich das Bundesland oder sogar Deutschland verlassen müssen.

Was verbinden Sie mit Germania? Welche Stichpunkte fallen Ihnen spontan ein - ohne die Eindrücke nach den ersten vier Wochen.

Germania Halberstadt ist ein Ausbildungsverein. Es gibt junge Spieler, und es gibt eine gute sportliche Entwicklung in den letzen Jahren. Dazu kommt, dass der Verein in einer interessanten Liga spielt.

Es findet erneut ein großer Umbruch im Verein statt. Wie ordnen Sie die Chancen ein, den Klassenerhalt zu meistern? Ein anderes Ziel kann es ja sicher nicht geben.

Ich kann nicht in die Glaskugel schauen. Ob wir so viele Punkte holen, die wir am Ende für den Klassenerhalt brauchen, weiß ich nicht. Wir haben eine junge Mannschaft, die wild sein wird. Alle ziehen gut mit. Die Mannschaft kann überraschen. Wir entwickeln uns gut und ich denke, es wird für viele Mannschaften schwer, in Halberstadt zu gewinnen.

Germania Halberstadt ist ein schwieriges Pflaster, was die Akzeptanz in der Bevölkerung beziehungsweise den Fanzuspruch betrifft. Zu manch Oberliga-Spiel ihres alten Geldgebers Lok Stendal kommen mehr Zuschauer als bei einem Germania-Heimspiel in der Regionalliga. Was können Sie persönlich dafür tun, dass hier vielleicht ein Umdenken stattfindet, sich die Fußballfans noch mehr mit dem VfB identifizieren?

Da kann ich als Einzelner wenig machen, das können wir nur als Verein gemeinsam tun. Die Öffentlichkeitsarbeit geht alle an. Wir als Verein müssen in öffentliche Einrichtungen gehen, wir müssen in die Region gehen. Wir müssen in den Schulen präsent sein und natürlich gute Ergebnisse einfachen und sportlich gute Schlagzeilen haben. Wir müssen die Verbindung zu den Menschen im Harz herstellen. Dazu gehört auch, dass wir mehr Testspiele in der Region machen. Und dass wir Werte leben. Dazu gehört für mich Anstand, Respekt und Höflichkeit nach außen durch jeden im Verein.

Nach rund vier Wochen ist ein erstes Fazit möglich: Was läuft gut, was noch nicht?

Innerhalb des Trainerteams läuft es überragend. Die Zusammenarbeit ist sehr gut und die Stimmung auch. Alle sind sehr aufgeschlossen. Die Arbeit mit der Mannschaft ist ebenfalls sehr gut. Alle ziehen mit, das ist positiv. Als Mannschaft müssen wir uns noch finden. Bevor es um Punkte geht, müssen wir uns noch die Sicherheit holen. Mit eins, zwei Rückschlägen muss man leben. Wir haben in den vergangenen Wochen einiges verändert und wollen den nächsten Schritt machen.

„Sie müssen sich noch finden“, ein gutes Stichwort, denn auch für Sie ist alles neu im Vorharz, wie für die meisten Spieler auch. Die Bedingungen in Halberstadt wurden von Ihnen schon gelobt, was macht die Arbeit außerdem angenehm beim VfB?

Das Miteinander im Vorstand, in der Mannschaft, im Trainerteam. Die kurzen Wege sind gut. Zum Beispiel auch die Arbeit mit den Platzwarten. Das klappt prima. Generell stimmt die Kommunikation. Was ich bis jetzt gesehen habe, war alles super. Ich bin sehr positiv gestimmt.

Ihr Vorgänger Max Dentz war mit 30 Jahren noch sehr jung. Dennoch hat er mit Platz acht und dem DFB-Pokal-Einzug große Fußabdrücke hinterlassen. Mit welchem Trainer-Spieler-Verhältnis wollen Sie zum Erfolg kommen?

Ich bin ja nicht so nah an der Mannschaft dran, wie vielleicht andere vor mir. Ich kann Kumpel sein, wenn alles läuft. Ich kann aber auch knallhart durchziehen, wenn einer quer schlägt. Da nehme ich auch vor Namen keine Rücksicht.

Das heißt, der von allen bisher als „sympathisch“ beschriebene Herr Körner kann auch mal laut werden und „unsympathisch“ sein?

Natürlich kann ich das, wenn es die Situation erfordert. Es wird Gelegenheiten geben, bei denen ich ein anderes Gesicht zeige.

Optik Rathenow heißt der erste Gegner in der Liga in einer Woche. Diese Mannschaft kennen Sie sicher noch gut, auch wegen der Nähe zu Stendal. Was erwarten Sie von diesem Auftaktmatch?

Rathenow hat auch einen Umbruch hinter sich. Wir haben uns den FSV Optik in Stendal angeschaut und haben auch ein Video über das Team. Das erste Spiel der Saison ist eine Wundertüte. Zwei Mannschaften mit vielen neuen Spielern, keiner weiß, wo er steht. Da werden wir, wie in jedem weiteren Spiel, an unsere Grenzen gehen. Bis dahin müssen wir unser nächstes Level erreicht haben und das müssen wir dann auch raushauen. Das, was wir gegen Rathenow zeigen, ist erst der Anfang. Wir sind mit der Entwicklung der Mannschaft noch lange nicht am Ende.