Halberstadt l Die Corona-Krise legt Deutschland nach und nach lahm. Bereits seit einer Woche ruht der Trainings- und Spielbetrieb im Fußball – so auch beim VfB Germania Halberstadt. Im Gespräch mit Volksstimme-Autor Stefan Rühling sprach Trainer Sven Körner über die Situation.

Volksstimme: Sven Körner, wie geht es Ihnen?

Sven Körner: Mir persönlich geht es sehr gut, ich genieße die Zeit mit meiner Familie. Die kommt ansonsten oft zu kurz.

Was machen Sie mit der Zeit?

Als es noch möglich war, haben wir in unserer Heimat Stendal zusammen mit Freunden den Tiergarten besucht. Natürlich durfte auch ein Abstecher auf den Spielplatz nicht fehlen. Ansonsten halten wir uns an die Anweisungen, soweit es geht zu Hause zu bleiben. Denn ich bin auch für die Betreuung meiner Tochter verantwortlich. Immerhin sind Kindergärten und Schulen geschlossen. Ein kleiner Spaziergang um den Stadtsee, bei dem wir auf ausreichend Abstand zu anderen Spaziergängern achten, ist aber schon drin.

Wie ist die Lage in Ihrem Verein?

Der Trainings- und Spielbetrieb ist wie überall in Sachsen-Anhalt von den Kindern im Nachwuchs bis hin zu den Jungs im Leistungsbereich eingestellt. Das ist eine komische Situation. Ich habe einen Fußballverein noch nie so ruhig gesehen wie in dieser Zeit. Normalerweise spielt immer irgendwer auf dem Platz. Die Lage ist damit auch angespannt, denn keiner weiß, wie es weitergeht. Dennoch läuft alles ruhig ab.

Und bei Ihrer Mannschaft?

Unsere Spieler sind alle zu Hause bei ihren Familien in ganz Deutschland. Dort versuchen wir sie durch die regelmäßige Versorgung mit Informationen zu schützen. Denn die Situation ist schwer einzuschätzen. Sie haben alle einen individuellen Lauf- und Trainingsplan erhalten. Denn sie sollen zwar mental einmal runterfahren, sich auf die Familie besinnen und abschalten, aber dennoch nicht die Konzentration für ihren Job, den Fußball, verlieren. Nur so können sie ihre Leistungsfähigkeit erhalten und die werden sie einzeln und wir als Mannschaft brauchen, wenn es wieder losgeht – ohne zu wissen, wann das sein wird.

Also auch in Gebieten mit höherem Gefahrenpotenzial als hier in Sachsen-Anhalt?

Ja, definitiv. Ich setze aber bei Erwachsenen voraus, dass sie die Lage richtig einschätzen können. Sie sollen zu Hause bleiben. Wir haben ein striktes Verbot von Diskotheken oder anderen Versammlungen bereits ausgesprochen, bevor diese im Verlauf der Krise ohnehin geschlossen wurden.

Was denken Sie, wann geht es weiter?

Dafür bin ich nicht der richtige Ansprechpartner. Wir halten uns strikt an die Vorgaben aus der Politik und dem Nordostdeutschen Fußballverband. Bisher ist definiert, dass der Spielbetrieb bis einschließlich 19. April ruht. Es kann auch länger dauern. Das müssen wir einfach abwarten.

Da Ihr Duell gegen Erfurt ausfällt, wäre Ihr nächstes Spiel dann in Leipzig.

Ja, das wollen wir auch unbedingt spielen, wenn es dann wieder möglich ist.

Sie sind im Moment 15. – würde Ihnen eine Annullierung der Saison entgegenkommen?

Nein, definitiv nicht. Wir sind alle Fußballer und wollen auf dem Platz stehen, sportlich den Klassenerhalt einfahren. Zuletzt waren wir mit vier ungeschlagenen Partien in Folge auf einem guten Weg, die Pause passt uns so gesehen also gar nicht. Darüber hinaus haben wir im Pokal auch den Halleschen FC geschlagen. Doch das ist im Moment alles nicht so wichtig. Ob und wie die Saison zu Ende geht, liegt nicht in unserer Hand.

Andere Regionalligisten haben bereits Kurzarbeit angekündigt – wie sieht das bei Ihnen aus?

Ich habe schon häufig gesagt, dass wir ein kleiner Verein sind, der jeden Cent mehrfach umdrehen muss. Was das jetzt aber im konkreten Fall für diese Krise bedeutet, kann ich nicht sagen. Bislang ist mir nichts dergleichen bekannt. Ich schätze es also nicht als unmöglich ein. Im Moment ist die Geschäftsstelle in jedem Fall nicht besetzt, um die Mitarbeiter ebenso zu schützen. Ich persönlich bin regelmäßig mit dem Präsidenten in Kontakt.

Was würde Kurzarbeit für Ihre Mannschaft bedeuten?

Das ist schwierig zu beantworten. Wir haben Spieler, die noch einer Arbeit nachgehen und andere, die vom Fußball ihren Lebensunterhalt bestreiten. Da geht es sicher schon um die Existenz.

Fürchten Sie um Ihren Job?

Wenn ich Angst um meinen Job hätte, wäre ich wohl fehl am Platz. Denn als Trainer im Fußball unterschreibt man mit seinem Arbeitsvertrag zugleich auch seine Kündigung. Natürlich hoffe auch ich, dass es so schnell wie möglich mit dem Alltag weitergeht. Denn ich möchte etwas entwickeln, so wie ich es bei meiner vorherigen Station in Stendal über sechs Jahre getan habe. Wir sind aktuell auf einem guten Weg und ich denke daher nicht, dass mein Job in Abhängigkeit zu der aktuellen Krise steht.

Im Bundesliga-Maßstab wird davon gesprochen, die Saison mit Geisterspielen fortzusetzen. Was halten Sie in Halberstadt davon?

Leider ist unser Zuschauerschnitt nicht so hoch, doch wir arbeiten daran. Ein Geisterspiel wäre da ein völlig falsches Zeichen. Ich halte nichts davon. Denn Fußball ist immer noch ein Sport. Er lebt von Emotionen – auf sowie neben dem Platz, ob beim sechsjährigen Jungen oder beim 80-jährigen Opa. Außerdem lebt unser Verein von den Zuschauer- und Sponsoreneinnahmen. Geisterspiele würden unsere Existenz bedrohen, denke ich.

Erhalten Sie denn Unterstützung der Fans oder könnten Sie sich diese vorstellen?

Ich denke schon, dass unsere Zuschauer und Anhänger dazu bereit wären, den Verein im schlimmsten Fall zu unterstützen. Daran möchte ich aber noch gar nicht denken. Ich habe die Hoffnung, dass die Krise schnell überstanden sein wird, wir die ausgefallenen Partien zu einem späteren Zeitpunkt nachholen und die Saison ordentlich zu Ende führen.