Halberstadt l Einst spielte der damals 20-Jährige an der Seite von Christian Beck beim VfB Germania Halberstadt. Danach führte ihn sein Weg bis in die österreichische Bundesliga und die Serie A in Italien. Robert Kegler hat dem Profi, der neben seiner Karriere auf dem Platz noch mit seiner Frau Allessia ein Modelabel gegründet hat, ein paar Fragen gestellt.

Wie ist die aktuelle Situation für Sie persönlich und den italienischen Fußball?

Oliver Kragl: Natürlich ist es sehr schwer, nur zuhause zu sein. Hier fühlt man sich wirklich wie im Gefängnis, man muss aber auch daran denken, dass wir trotzdem alles haben und nicht rumheulen müssen. Ich meine, wir müssen nicht in den Krieg, sondern wir müssen einfach nur zuhause sein.

Wie bitter wäre es aus Ihrer Sicht, wenn die laufende Spielzeit annulliert werden könnte?

Ich denke nicht, dass man das einfach so entscheiden kann und wenn, wäre das ein Skandal für den Fußball! Dann müsste man ja auch die Champions League und alle anderen Sachen annullieren.

Sie kamen damals aus der 3. Liga nach Halberstadt und haben sich in der Saison 11/12 beim VfB wieder für höhere Aufgaben empfohlen. Welche Erinnerungen haben Sie noch an diese Zeit?

Ich erinnere mich gerne an meine Jugendzeit zurück, die mich geprägt hat und mich zu dem gemacht hat, was ich heute bin und wo ich bin. Ich denke, auch wenn es mit Halberstadt nicht perfekt lief, habe ich eine gute Saison gespielt und wurde deswegen belohnt.

Ihr damaliger Trainer Andreas Petersen beschreibt Sie als einen geilen Kicker, der auf dem Platz explodiert ist. Konnten Sie unter ihm viel mitnehmen?

Ich denke, er hatte schon immer ein gutes Auge für gute Kicker und er besaß schon damals viel Erfahrung, wo ich einiges lernen konnte. Das wichtigste bleibt aber immer, dass ein Trainer ein guter Mensch ist und weiß, mit Spielern umzugehen. Und er wusste es.

Haben Sie noch Kontakt zu Spielern aus der Germania-Elf? Oder ist das Fußballer-Leben so rasant, dass für Freundschaften keine Zeit bleibt?

Ja, manchmal zu Florian Köhler, sonst aber zu keinem mehr. Weil ich selbst denke, du findest in einer Mannschaft vielleicht einen richtigen Freund, der Rest sind halt Kollegen. Gelegentlich hört man sich, aber Freundschaft ist ein großes Wort.

Ihr erstes Spiel im Halberstadt-Trikot war die 1:3-Derbypleite beim Halleschen FC. Hätten Sie damals geglaubt, Jahre später in der ersten Liga als Profi aufzulaufen?

Mein Traum war es immer, Fußballer zu werden und ich habe sehr viel dafür getan. Und ja, man darf sich nicht von Niederlagen unterkriegen lassen, man muss aus ihnen lernen, was man besser machen kann. Die Leute denken immer, Fußballer zu sein ist super schön und alles ist perfekt. Kann sein, wenn man es geschafft hat und mit diesem Beruf viel Geld verdient, dann ja. Aber als ich 13 bis 18 Jahre alt war, gab es für mich keine Partys, da ich am nächsten Tag Training hatte und gut sein wollte. Ich wollte etwas erreichen und habe es deswegen geschafft, weil mein Wille, Fußballer zu werden, stärker war, als mit Freunden abzuhängen. Die richtigen Freunde bleiben für immer, auch wenn man manchmal Entscheidungen gegen sie trifft.