Thale l Gleiche Stelle, gleiche Paarung und auch der gleiche Sieger. Wie schon 2017 heißt der Gewinner im Landrat-Pokalwettbewerb des Kreisfachverbandes Harz Quedlinburger SV. Der Cupverteidiger setzte sich mit 6:4 nach Elfmeterschießen gegen den SV Langenstein durch.

Top Stimmung der Fanlager

Wie schon im letzten Jahr hatte der KFV Harz in den Thalenser Sportpark geladen. Der Gastgeber hatte das Endspiel in einem würdigen Rahmen organisiert und bekam darum auch 2018 den Zuschlag. Im Vergleich zum Vorjahr, als mehr als 800 Fußballfans im Rund weilten, kamen dieses Mal aber deutlich weniger. Das hochsommerliche Wetter hatte daran sicher seinen Anteil. Beide Fanlager sorgten auf den gegenüberliegenden Tribünen für top Stimmung, wobei die Sympathisanten des SV Langenstein noch etwas leidenschaftlicher wirkten.

Ganz ähnlich ging es auf dem Rasen zu. Langenstein spielte mit viel Engagement und Kämpferherz. Das, was Trainer Bodo Krenz vor seinem letzten Spiel als „Chef“ der Schwarzen angekündigt hatte („Die Jungs sind heiß!“), setzte sein Team von Anfang an um. Zur tragischen Figur sollte am Ende der Toptorjäger der zurückliegenden Landesklasse-Saison werden. Davon wollte Krenz aber nichts wissen. „Ohne Raik Rothe wären wir in diesem Endspiel gar nicht bis zum Elfmeterschießen gekommen.“ Der Reihe nach.

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SV Langenstein dominiert

Die erste halbe Stunde gehörte den Langensteinern. Nach acht Minuten setzte Marcel Schröder per Freistoß ein erstes Achtungszeichen. Auf der anderen Seite war es Marcus Brenner per Kopfball, der die Kugel in die Nähe des SVL-Kastens brachte (13.). Ein Raunen ging nach Sebastian Kischels 27-Meter-Freistoß durch das Stadion (18.). Den harten Schuss lenkte Keeper Martin Werner noch ab.

Auch bei der anschließenden Ecke musste er sich mächtig strecken. Das 0:1 lag in der Luft und fiel folgerichtig. Rothe legte sich den Ball nach einem Konter zurecht und schoss straff auf das kurze Eck. Werner war noch dran, der Schuss war allerdings zu platziert und hart.

SV Langenstein ist dem 2:0 sehr nah

Die Krenz-Elf wollte den zweiten Treffer. Marcel Menzel prüfte ebenfalls Werner, der quer in der Luft liegend bestand (29.). Der als Favorit gehandelte QSV war spürbar verunsichert. Nach einer weiteren SVL-Ecke reklamierten die Langensteiner auf Handspiel. Im anschließenden Gewühl kratzte das Leder an der Unterlatte (32.).

Ein früher Wechsel spielte dem SVL zehn Minuten vor der Pause überhaupt nicht in die Karten. Der im Mittelfeld für Ordnung sorgende Duc Tran Viet musste verletzt raus. Marius Gifhorn konnte dessen Rolle nur teilweise ausfüllen. Dennoch blieb Langenstein weiter am Drücker. Nach einem weiteren Konter legte Rothe quer. Schröder kam aber nicht an den Ball, hier wäre die „egoistische“ Variante sicher die bessere gewesen.

Pfostentreffer von Langenstein

Langensteins überragender Mann, Raik Rothe, hatte in der Nachspielzeit wieder den zweiten Treffer auf dem Fuß. Fast identisch zum 1:0 zog er flach und platziert ab, das Leder krachte gegen den Pfosten.

Wie zu erwarten, auch den Geräuschpegel der QSV-Kabine betreffend, kam eine andere Quedlinburger Elf zurück auf das Feld. Der „Gastgeber“ zeigte sich von jetzt an aggressiver und spritziger. Schon drei Minuten nach dem Wiederanpfiff zeigte Franz Hentschel die erste gute Aktion.

Quedlinburg macht mehr Druck

Quedlinburg setzte den SVL unter Druck und als Sebastian Kischel im Strafraum der Ball an die Hand sprang, gab es Strafstoß. Torwart Daniel Robinson meinte später: „Falsche Entscheidung. Der Ball springt ihm an die Brust.“ Martin Gottowik war es egal – 1:1. Erik Brahmann traf danach den Pfosten, aber Schiedsrichter Robert Pankow hatte da bereits auf Abseits entscheiden.

Ein Befreiungsschlag brachte die „Gäste“ erneut in Führung. Schröders langer Ball wurde von Keeper Werner falsch eingeschätzt. Rothe antizipierte die Situation und war per Kopf zur Stelle. Für den anschließenden Trikot-Jubel sah er Gelb.

Das „gute Gefühl“ auf Seiten der Langensteiner hatte nur sechs Minuten Bestand. Nach einem Standard fehlte es an Zuordnung. Brenner, schon 2017 Schütze des 3:1 für den QSV, köpfte völlig allein gelassen in den Dreiangel.

Die Kräfte gehen aus

Jetzt folgte viel Krampf und Kampf. Robert Pankow musste noch sieben Mal Gelb zücken (insgesamt zehnmal), dazu gab es zahlreiche Unterbrechungen. Meist nach Zweikämpfen oder weil die Kräfte nicht mehr reichten. Physio Anja Gebhardt vom SV Langenstein hatte nach dieser Partie selbst eine medizinische Betreuung verdient, so viele Meter hatte sie zurückgelegt.

Und doch: Kurz vor Ultimo wollten beide Teams die Entscheidung. Brenner per Kopf für den QSV (84.) und auf der anderen Seite per Fuß fast ins eigene Netz (90.) und ein Kopfball vom nimmermüden Wegner (90.+1) hätten die Partie fast noch frühzeitig entschieden.

Verlängerung in Thale

Bei weiter über 25 Grad ging es in die Verlängerung. Der QSV versuchte es spielerisch und physisch, war konditionell besser. Langenstein agierte weiter mit viel Herz, aber die „Akkus“ waren einfach leer. Kurzum: Beide Seiten mussten sich 30 Minuten lang mehr oder weniger quälen. Im Elfmeterschießen bog Quedlinburg schnell auf die Siegerstraße, denn Marcel Menzel scheiterte als erster und der Doppeltorschütze Rothe als dritter SVL-Schütze.

Torfolge: 0:1 Raik Rothe (20.), 1:1 Martin Gottowik (Handelfmeter/ 49.), 1:2 Raik Rothe (61.), 2:2 Marcus Brenner (67.); Schiedsrichter: Robert Pankow, Thomas Ratschat, Manfred Böde, Sarah Hartmann; Zuschauer: 522.

Spielfilm Elfmeterschießen

QSV-Kapitän Eric Brahmann trifft zum 3:2; QSV-Keeper Martin Werner lenkt den Schuss von Martin Menzel an den Pfosten – nicht drin; Lucas Heise verwandelt ganz sicher zum 4:2; Daniel Holtzheuer verkürzt zum 4:3 für Langenstein; QSV-Abwehrchef Marcus Brenner erhöht auf 5:3, wenngleich Langensteins Torwart Daniel Robinson dieses Mal die Ecke richtig wählt; SVL-Torjäger Raik Rothe jagt die Kugel in die dritte Etage in Richtung Parkplatz – jetzt braucht der SVL ein kleines Wunder; Martin Gottowik scheitert an Robinson – geht noch was?; Marcel Röder erfüllt die Pflicht und verkürzt auf 5:4; Pascal Scheffler raubt dem SVL die letzten Hoffnungen und versenkt zum 6:4-Sieg.