Halberstadt l  An seinem persönlichen Ziel hält „Traditionsläufer“ Lutz Schindler dennoch fest.

GuthsMuths-Lauf abgesagt

Die Organisatoren des GutsMuths-Rennsteiglaufes haben am 19. März entschieden, die 48. Auflage des größten europäischen Crosslaufes wegen der Corona-Pandemie abzusagen. Die Begründung der Rennsteiglauf Sportmanagement und Touristik GmbH folgte am nächsten Tag in einer Pressemitteilung. „Wir haben die Entscheidung schweren Herzens getroffen“, äußerte sich Präsident Jürgen Lange.

Auflagen sind nicht zu erfüllen

Entscheidend sei gewesen, dass eine Absicherung des Laufes mit medizinischem Personal nicht garantiert werden könne, da dieses in Gesundheitseinrichtungen und Krankenhäusern unabkömmlich ist. Man gehe zudem davon aus, dass die Infektionsgefahr auch noch hoch sei. „Die Absage erfolgt aus Verantwortung gegenüber der Gesellschaft und der Gesundheit der Teilnehmer und Helfer. Wir wissen um unsere Verpflichtung und unserem Anspruch zum Thema Gesundheit und Prävention“, ergänzte Aufsichtsratsvorsitzender Dirk Ellinger.

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Novum in der Geschichte

Das ist ein Novum in der Geschichte des Kultlaufes. In den 47 Jahren von 1973 bis 2019 gab es nie einen Ausfall. Wobei die ersten zwei Läufe über jeweils 90 Kilometer mit zunächst vier bzw. 16 Teilnehmern Testläufe waren. Diese hatte Dr. Hans-Georg Krämer, Sportwissenschaftler an der Friedrich-Schiller-Universität Jena und späterer Präsident des Rennsteiglaufes initiiert. Ab 1975 gab es mit zwei Strecken (80 und 40 Kilometer) die erste Massenbeteiligung von 903 Läufern. Mit 75 Kilometer ab Eisenach und 45 Kiometer ab Neuhaus standen ab der sechsten Auflage die klassischen Strecken auf dem Programm. 5952 Aktive wurden gezählt.

Später kam eine Halbmarathondistanz mit Start in Oberhof hinzu. Bei der zwölften Veranstaltung im Jahr 1984 trafen sich schon 7926 Teilnehmer. Mit weiteren zusätzlichen Wettbewerben wie Nordic Walking und Wandern über jeweils 17 Kilometer sowie Junior-Crossläufe (U8 bis U18) mit verschiedenen Streckenlängen zwischen 1,1 und 7,2 Kilometer wies die Statistik des 47. Rennsteiglaufs 2019 in der Summe aller Läufe und Wanderungen 16369 Starter aus.

Längst war der Lauf zu einem europäischen Großereignis des Laufsports geworden und schmückt sich inzwischen zum sechsten Mal in Folge mit dem Titel „Marathon des Jahres“. „Dem Rennsteig die Treue“, so lautet das Motto vieler Läuferinnen und Läufer. Denn wer sich einmal mit dem „Rennsteiglauf-Virus“ infiziert hat, der kommt immer wieder in den Thüringer Wald, um im schönsten Ziel der Welt in Schmiedefeld einzulaufen.

Unter den 1145 Tradionsläufern (mindestens 25 Teilnahmen) befinden sich mit Irmgard Eggert (30 x), Lutz Schindler (30 x), dem viel zu früh verstorbenen Klaus Feistner (28 x) und Gitta Lindemann-Hackmann (27 x) auch vier Halberstädter. Lutz Schindler hatte bereits 1977 seinen ersten Lauf am Rennsteig über 33 Kilometer bestritten. Es war damals der dritte Lauf mit einer größeren Beteiligung (2171 Starter). Die Marathon-Distanz, in diesem Fall 45 Kilometer, wurde ein Jahr später erst offizell ins Programm aufgenommen.

Schindler ist ein Dauerläufer

Lutz Schindler absolvierte nach eigenen Angaben von 1977 bis 2005 einmal die 33 km-Strecke, 17 Marathons und drei Halbmarathons. Ab 2006 lief er auch aufgrund einer 18-monatigen Krankheitspause keinen Marathon mehr. In seiner persönlichen Statistik kommen bis 2019 noch neun Halbmarathons hinzu.

„Im Laufe der Jahre gab es gerade beim Halbmarathon eine enorme Entwicklung der Teilnehmerzahlen. Von allen Distanzen gab es hier immer die meisten Teilnehmer. 2019 waren es 6772“, so Lutz Schindler. Für das große Starterfeld wurde deshalb eine neue Startzone (mit Startblöcken) auf der Straße des Grenzadlers oberhalb der Oberhofer Wintersportstätten eingerichtet. „Entsprechend der Vorjahreszeit wird man bei erneuter Teilnahme einem der Startblöcke zugewiesen“, ergänzt der Halberstädter, der sich bei zwölf Teilnahmen auf dieser Distanz acht Mal unter den ersten Zehn seiner Altersklasse platzierte. Zweimal schaffte er es auf Platz drei und einmal sogar auf Platz zwei.

Er lässt von seinem Ziel nicht ab, einmal mit einem Altersklassensieg ganz oben auf dem Podest zu stehen. „Bis dahin heißt es aber gesund zu bleiben und momentan anderen Dingen Priorität einzuräumen“, wirft er ein, „aber so ein Fernziel sollte schon erlaubt sein.“ Ob er es bei der nächsten Auflage des Rennsteiglaufs am 8. Mai 2021 bereits realisieren kann, will er sich nicht festlegen.