Halberstadt l Im Gespräch mit Bernd Ladde, Abteilungsleiter des Hessener SV, und Dr. Jörg Behrenroth, Vorsitzender des TC Rot-Weiß Halberstadt, wollte Sportredakteur Florian Bortfeldt die aktuellen Umstände erfahren.

Volksstimme: Wie bewerten Sie die Entscheidung des „Lockdown light“ allgemein und mit Blick auf den Trainings- und Spielbetrieb??

Bernd Ladde: Unsere Saison hatten wir Ende Oktober beendet und die Plätze wurden am 30. Oktober abgebaut. Daher trifft uns der aktuelle Lockdown nicht.

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Dr. Jörg Behrenroth: Es ist für den Tennissport ein weiterer Rückschritt. Da wir auf ausschließlich kommerziell betriebene Hallen angewiesen sind, müssen wir uns den Vorgaben der Hallenbetreiber beugen, die von den Coronaverordnungen diktiert werden. In Halberstadt ist seit Montag ein ausschließlich eingeschränkter Trainingsbetrieb möglich, das heißt, dass nur zwei Spieler pro Platz agieren beziehungsweise spielen dürfen.

Wie verliefen die zurückliegenden Monate überhaupt bei Ihrem Verein, denn die Pandemie beschäftigt uns ja schon fast das gesamte Jahr?

Ladde: Es lief erstaunlich gut. Die Hygieneregeln wurden immer akzeptiert und auch eingehalten und daher war fast normales Training möglich. Wir konnten auch neue Spieler für das Tennisspielen gewinnen, als Mannschaftssport noch nicht möglich war. Einzig die Punktspiele haben wir vermisst. Als Ausgleich hatten wir Freundschaftsspiele mit Lok Blankenburg, Darlingerode und Schöppenstedt vereinbart. Es ist schon erstaunlich, dass der Tennisverein aus Schöppenstedt von der Entfernung her der nächst gelegene ist und wir in 25 Jahren noch nie gegeneinander gespielt haben.

Behrenroth: Im Sommer hat der Tennisverband eine verkürzte Wettkampfsaison organisiert. Der TC hat mit der Hälfte der ursprünglich gemeldeten Mannschaften an den Punktspielen teilgenommen. Damit hat der Verein allen Tennisfreunden die Möglichkeit eingeräumt, an Rundenspielen teilzunehmen. Mannschaften, die auf Grund von Covid-19 nicht spielen wollten, konnten ohne Kosten für die Vereine abgemeldet werden, behalten aber ihren Staffelplatz für die Sommersaison 2021.

Es haben so viele Teams wie nie für die Winterrunde gemeldet, auch diese wurde unterbrochen. Wie sehr schmerzt die Pause?

Ladde: In 25 Jahren haben wir erst einmal an der Winterrunde teilgenommen und auch dieses Jahr nicht gemeldet. Wenn es wieder möglich ist werden wir in der Halle trainieren. Entsprechend betrifft uns diese aktuelle Problematik nicht direkt.

Behrenroth: Die Wintersaison 2020/21 begann mit dem ersten Punktspielwochenende Ende Oktober. Dann wurden die nächsten Punktspiele im November ausgesetzt. Ob es im Dezember weitergeht, wissen im Moment weder der Verband noch die Vereine. Damit ist die Fortsetzung der Winterrunde in dem Moment in Frage gestellt, wenn die Durchführung von Wettkämpfen im Dezember nicht möglich ist. Das ist für alle Beteiligten, Vereine, Verband, Hallenbetreiber, eine sehr unbefriedigende Situation. Unser Verein hat allen Tennisfreunden ermöglicht, bis einschließlich dieser Woche, auf unserer Anlage am Höhlenweg zu trainieren. Nun erfolgte die Winterfestmachung.

Welche Folgen hat das Ganze schon jetzt für Ihren Verein, welche befürchten Sie noch?

Ladde: Man sollte nicht so negativ denken, uns in Deutschland geht es immer noch sehr gut. Ich kann aber auch die Restaurantbesitzer, Messebetreiber, Soloselbstständige usw. verstehen, aber da ist die Politik gefragt. Ich befürchte trotz Impfstoff werden wir noch eine Weile mit Corona leben müssen. Speziell in der Abteilung Tennis werden wir immer das Beste aus der jeweiligen Situation machen.

Behrenroth: Die Folgen, die durch Corona auf den Verein zukommen, halten sich in Grenzen. Verluste durch entgangene Zuschauereinnahmen haben wir nicht. Vom Landesverband TSA wurde alles großzügig gehandhabt. Die Teams, die gemeldet hatten, haben die Startgelder zurückbekommen. Des weiteren wurden bisher noch keine Kosten für die Hallennutzung der gestarteten Wintersaison vom TSA eingefordert. Insofern hält es sich in Grenzen, der idealistische Verlust ist größer. Ein Mitgliederverlust ist momentan nicht zu verzeichnen. Einnahmeverluste resultieren aus den Geldern, die von Nichtmitgliedern für die Platznutzung bezahlt werden, da die Platzvermietung erst drei Monate später begann. Da Tennis eine Individualsportart ist und Restriktionen durch den Gesetzgeber großzügiger gehandhabt wurden und werden, ist unser Sport von der derzeitigen Coronakrise nicht so gehandicapt, wie zum Beispiel Mannschaftssportarten.

Was gibt es Aktuelles über Ihren Verein zu vermelden?

Ladde: Zum einen gibt es eine neue Gruppe von jungen Damen, die immer freitags fleißig trainiert. Das Tennistraining wird von Inga Wloch organisiert, ihr gilt mein besonderer Dank für das Engagement. Des weiteren haben wir uns dieses Jahr eine moderne Ballmaschine gekauft. Das Besondere an der für uns großen Investition war, dass fast alle Spieler sofort bereit waren hierfür zu spenden. Dies ist nicht selbstverständlich in dieser Zeit. Hier auch nochmal mein Dank an die Spender. Und zuletzt wurden noch Teile unserer Flutlichtanlage modernisiert, so dass wir im Spätsommer beziehungsweise Herbst noch besser trainieren können. Insgesamt sind wir für die Zukunft gut aufgestellt, aber wir freuen uns über jedes neues Mitglied, das zu uns kommt.

Behrenroth: Nicht so viel. Im Grunde warten jetzt alle, was weiter passiert. Bei der Sitzung des TSA am Mittwoch wurde auch viel diskutiert. Alle Vereine und Funktionäre und Spieler warten und schauen auf den 25. November, wenn Bund- und Länder wieder zusammentreffen. Davon hängt alles ab: Wird im Dezember die Spielsaison fortgesetzt oder nicht. Verschiedene Hallen machen gar nicht erst auf, wir haben in Sachsen-Anhalt allgemein nicht so viele Tennishallen, was ohnehin problematisch ist. Wenn die, die offen sind, weiterhin nur Trainingsbetrieb zulassen, dann ist die Fortsetzung der Winterrunde nicht möglich. Auch Derk Bartel (Betreiber des Freizeit- und Sportzentrum Halberstadt / d. Red.) will die neuen Bestimmungen der nächsten Woche zunächst abwarten.

Gestrichen wurden ja die Doppel für Training und für die mögliche Rückkehr in den Wettkampf. Im Gespräch ist nun, die Doppelergebnisse des ersten und einzigen Punktspielwochenendes Ende Oktober zu canceln, ab sofort nur die Einzel in die Wertung aufzunehmen. Da muss dann wiederum abwarten, ob alle Vereine, die ursprünglich gemeldet haben, unter diesen Bedingungen auch weiterspielen wollen. Für ein einziges Spiel wollen einige Aktive nicht losfahren. Der Aufwand ist dann relativ groß.

Unabhängig von all dem planen wir noch die Durchführung der Senioren-Landesmeisterschaften im Februar 2021 in Halberstadt. Die Umsetzung in Zusammenarbeit mit dem TSA ist möglich.