Große Aufregung herrscht in der Abteilung Fußball des Haldensleber SC seit bekannt wurde, dass sich der Verein von Trainer Stephan Grabinski trennen wird. Bördesport-Redakteurin Stefanie Brandt befragte zur aktuellen Entwicklung und deren Gründen die fünf Mitglieder der Abteilungsleitung. Dies sind Olaf Bethge (Abteilungsleiter), Tom Krüger (Stellvertreter), Gunnar Schütze (Nachwuchsleiter), Holger Weichelt (Öffentlichkeitsarbeit) und Matthias Biggen (Kassenwart). Nähere Informationen zu den aktuellen Geschehnissen finden unsere Leser im untenstehenden Info-Kasten auf dieser Seite.

Volksstimme: In den vergangenen Jahren hat der HSC stets den angepeilten Aufstieg in die Oberliga verpasst. Das "Grabinski-Konzept" wurde dann immer wieder angezweifelt. Dieses Mal sieht es aber richtig gut aus, das Team ist seit Sonnabend Tabellenführer. Wieso wollen Sie sich ausgerechnet jetzt vom Trainer trennen und das Aufstiegsrecht nicht wahrnehmen?

Abteilungsleitung: Das von Ihnen genannte "Grabinski-Konzept" hat in den vergangen Jahren eine hohe Spielerfluktuation mit einem großen Kader zur Folge gehabt. Zu Saisonbeginn gab es hier ein Umdenken und es gab punktuelle Verstärkungen. Dies ist mit Sicherheit ein Grund für die positive sportliche Entwicklung der Mannschaft. Doch in Zukunft soll es nicht ein persönliches Konzept geben, sondern ein Konzept für die gesamte Abteilung des HSC. An dieser Stelle muss gesagt werden, dass in die Personal- und Finanzpolitik der 1. Herren weder die aktuelle noch frühere Abteilungsleitungen eingebunden wurden.

In der laufenden Saison wurde von der Abteilungsleitung mehrfach intern gegenüber der sportlichen Leitung der 1. Herren deutlich gemacht, dass der Aufstieg nicht in das nachhaltige Konzept passt. Also war die Entscheidung intern schon früh abzusehen. Den richtigen Zeitpunkt zu finden ist immer schwer. Wir haben aber den offenen Weg gegenüber der Mannschaft gewählt und nicht bis zum Saisonende gewartet.

Volksstimme: Nicht nur die Entscheidung selbst, sondern auch die Form - schriftlich - wurde viel diskutiert. Hätten Sie das im Nachhinein anders machen sollen?

Abteilungsleitung: Die Entscheidung wurde der Mannschaft von zwei Abteilungsleitungsmitgliedern persönlich erklärt und lediglich mit den schriftlichen Beschlüssen der Abteilungsleitung untersetzt. Darüber hinaus wurde den Verantwortlichen und der Mannschaft bereits 14 Tage vorher mitgeteilt, dass die Oberliga für den Verein nicht machbar ist. Diese Entscheidung wurde intern sehr kontrovers und teils auch unsachlich diskutiert.

Zur Trainerfrage werden gerade Gespräche "mit verschiedenen Personen" geführt.

Volksstimme: Gibt es schon Kandidaten für den ab 1. Juli 2013 offenen Trainerposten?

Abteilungsleitung: Hier werden zurzeit Gespräche mit verschiedenen Personen geführt. Sobald eine Entscheidung getroffen wurde, wird die Personalie auch veröffentlicht. Wir möchten Spekulationen entgegentreten, dass Leitungsmitglieder persönliche Zwecke mit den getroffenen Entscheidungen verfolgen. Es ging und geht immer darum, das Konzept für die gesamte Abteilung umzusetzen und damit die Entwicklung in eine neue Richtung zu lenken.

Volksstimme: Im aktuellen Kader spielen, anders als von Ihnen für die Zukunft beabsichtigt, kaum noch "echte" Haldensleber. Wo sehen Sie die Ursachen dafür?

Abteilungsleitung: Hier gibt es mehrere Ursachen. Zum einen, dass die Nachwuchsmannschaften in den letzten Jahren kaum in der Verbandsliga gespielt haben und dadurch der Leistungsunterschied zur 1. Herren sehr hoch war. Der andere Grund ist, dass zum Erreichen der hohen sportlichen Ziele stets "fertige Spieler" zur 1. Herren geholt wurden. Dadurch bekamen auch talentierte HSC-Nachwuchsspieler nicht die Einsatzzeiten, um sich zu entwickeln und verließen den Verein.

Volksstimme: Stephan Grabinski hat allerdings im Interview mit der Volksstimme vom 17. April darauf hingewiesen, dass es ein Verbot für A-Junioren gab, sich am Training der 1. Herren zu beteiligen. So ist es natürlich fast unmöglich, eigene junge Spieler an den Kader heranzuführen. Wurde hier, wie von Grabinski geäußert, gegeneinander gearbeitet?

Abteilungsleitung: In den vergangenen Jahren ist es Stephan Grabinski nicht gelungen, die Spieler aus der Jugend zu integrieren. In den letzten zehn Jahren haben von circa 60 Spielern nur ein, zwei langfristig den Sprung in den Kader geschafft. Daraufhin haben ganze Jahrgänge gar nicht den Versuch unternommen, nach der Jugend bei uns zu bleiben. So sind aktuell im Kader der 1. Herren nur vier Spieler aus der Region aktiv. Diese Entwicklung sollte mit dieser Entscheidung gestoppt werden, zudem sollen die Jugendlichen jetzt verstärkt über die U23 in den Herrenbereich integriert werden. Von einem gegeneinander arbeiten sollte hier also nicht die Rede sein.

Den Spielern werden bei einem Wechsel keine Steine in den Weg gelegt.

Volksstimme: Sie haben allen 18 Spielern, die derzeit zum Kader der ersten Mannschaft gehören, die schriftliche Freigabe unterschrieben. Damit verliert der HSC eine komplette Herrenmannschaft. Oder gibt es Spieler, die bleiben wollen?

Abteilungsleitung: Damit die Verbandsligasaison sportlich vernünftig zu Ende gespielt wird, haben wir vereinbart, dass den Spielern bei einem Wechsel keine Steine in den Weg gelegt werden. In den nächsten Wochen werden wir Gespräche mit den Spielern führen und hoffen, dass der eine oder andere den neu eingeschlagenen Weg in der Abteilung mitgehen will.

Volksstimme: Sollten Ihre Gespräche mit den aktuellen HSC-Aktiven nicht zu einer Einigung führen, müsste quasi ein ganzes neues Team verpflichten. Wo sollen diese Spieler herkommen?

Abteilungsleitung: Wir wissen von der Schwere dieser Aufgabe. Gerade deshalb hoffen wir, den einen oder anderen Spieler zu halten. Darüber hinaus hoffen wir, dass einige ehemalige Spieler wieder zum Verein zurückkehren und so eine schlagkräftige Mannschaft für die neue Saison zur Verfügung stehen wird. Zudem wollen wir auf den starken Kader der U23 zurückgreifen. Es wird in der kommenden Saison sowohl eine Verbandsligamannschaft als auch ein U23-Team geben!

Volksstimme: Durch den Umbruch wird es - egal in welcher Aufstellung - im nächsten Jahr sehr schwer werden, die Verbandsliga zu halten. Wo sehen Sie den HSC in fünf oder zehn Jahren?

Abteilungsleitung: Wir denken, dass der Haldensleber SC dann in der Verbandsliga Sachsen-Anhalt aktiv sein wird und immer wieder eigene Talente aus dem Nachwuchs den Sprung in die erste Mannschaft schaffen. Mit unseren Nachwuchsmannschaften wollen wir jeweils in der höchsten Spielklasse Sachsen-Anhalts vertreten sein. Insgesamt erhoffen wir uns, dass die Abteilung enger zusammenrückt und von der Bambini-Mannschaft über die Herren, Mädchen und das Frauenteam bis zu den Alten Herren eine Einheit entsteht, in der jeder bereit ist, den anderen zu unterstützen.

Volksstimme: Glauben Sie nicht, dass die von Ihnen gefällte Entscheidung gegen einen Großsponsor auch die Entscheidung gegen den Leistungssport (Fußball) in Haldensleben ist?

Abteilungsleitung: Wir wollen den Leistungsfußball nicht mit möglichst großem Etat und Risiko erkaufen, sondern ihn gesund entwickeln. Dazu gehört auch, sich unabhängig von Einzelpersonen zu machen, mit denen der Verein weder in der Vergangenheit noch aktuell ein belastbares Vertragsverhältnis unterhält. Diese fehlende Planungsstruktur und der fehlende Einblick in den letzten Jahren hat die jeweilige Abteilungsleitung kaum Einfluss auf die 1. Herren nehmen lassen. Auf die Unsicherheit, diesen Sachverhalt weiter mittragen zu müssen, konnten wir uns nicht einlassen.

Zudem sind wir sicher, mit dem derzeitig vorhandenen Etat und einigen noch in Verhandlung stehenden Etatverstärkungen, den Spielbetrieb abzusichern. Alle Sponsoren werden zudem in Kürze zu einer Informationsveranstaltung eingeladen, um die Situation in der Abteilung und die Neuausrichtung für die Zukunft zu erläutern.