Zum Abschluss des Jahres 2011 sprach Volksstimme-Sportredakteur Christian Besecke mit der "Doppelspitze" des Kreissportbundes Börde - Präsident Ralf Geisthardt und seinem ersten Stellvertreter, Torsten Winkelmann.

Volksstimme: Wie sieht die Einschätzung des KSB zum Jahr 2011 aus. Was lief positiv, was gilt es zu verbessern?

Ralf Geisthardt: Der KSB hatte auch in diesem Jahr unter den sich ständig ändernden Vorgaben der Investitionsbank (IB) zu leiden. Wirtschaftspläne mussten sehr oft umgeschrieben werden, so dass vieles von der Zeit, die für die Sportarbeit da sein sollte, durch unnötige Bürokratie aufgefressen wurde. Auch die Zusammenarbeit mit Teilen der Führung vom Landessportbund (LSB) klemmt nach wie vor. Informationen werden nicht weitergegeben und Briefe wegen offener Personalfragen nicht beantwortet. 2013 wird es ein Sportfördergesetz geben, dann werden wir endlich wieder verlässliche Rahmenbedingungen haben. Positiv ist, dass wir alle unsere Sportveranstaltungen in gewohnt hoher Qualität durchführen konnten. Ob Kinder- und Jugendspiele, Präventionstag, Frauenaktionstag, "Kinder stark machen", Veteranenfeier oder Sportgala, hier haben Ehren- und Hauptamt geackert, keiner hat auf den Feierabend geschaut. Ein großer Dank gilt den Eltern, Übungsleitern, Trainern und den vielen namenlosen Helfern, ohne deren Einsatz diese Erfolge nicht möglich gewesen wären. Ein besonderer Dank gilt Landrat und Kreistag, die durch verlässliche Finanzierung unsere zwölf Landesleistungsstützpunkte und vielen Vereinen erst Sportarbeit ermöglichen.

Torsten Winkelmann: Äußert positiv liefen die Kinder- und Jugendspiele, die Einberufung unser Nachwuchsleistungsstützpunkte - so viele hatten wir noch nie. Hier zeichnet sich die hervorragende Nachwuchsarbeit in den Vereinen aus. Der Präventionstag, sowie die Aktionstage "Kinder stark machen" und der Frauenaktionstag waren sehr positiv. Bei diesen Veranstaltungen haben uns sehr viele Partner des Sports geholfen, ohne sie wären es nicht so hervorragende Veranstaltungen gewesen. Kritisch ist die personelle Entwicklung bei uns, sowie auch die Teilnahme an unseren Stützpunktberatungen und am Sporttag zu sehen. Hier sollten wir mehr aufeinander zugehen.

Volksstimme: Wie sieht die Zusammenarbeit des LSB mit dem KSB aus?

Ralf Geisthardt: Viele Vereine fragen sich, wozu es überhaupt einen LSB geben muss. Die Arbeit des Vereinsservicecenters müssen wir faktisch hier machen und die "Knall-auf-Fall"-Umstellung auf das IVY-System für alle Vereine wird dazu führen, dass etliche keine Förderung mehr bekommen. KSB-Geschäftsführer-Hartmut Baethge mit seiner Truppe tut sein möglichstes, um so viel wie möglich zu helfen, aber geben Sie mal von zigtausend Leuten die Daten per Hand ein - eigentlich ist das unzumutbar!

Torsten Winkelmann: Die Zusammenarbeit ist meiner Ansicht nach ausbaufähig. Wir müssen gemeinsam die Interessen des Sports vertreten. Dies war nicht immer der Fall.

Volksstimme: Das Land will Stellen streichen. Betrifft das den KSB Börde auch?

Ralf Geisthardt: Das Land streicht keine Stellen, aber auf Beschluss des Landessporttages stehen uns ab 2012 nur noch 2,5 Stellen zu. Das berücksichtigt weder, dass wir als einziger KSB aus vier Kreisen entstanden sind, noch unsere Flächengröße, die in etwa so groß ist wie das Saarland. Zudem haben wir das Arbeitsrechtsrisiko aufgebrummt bekommen, wenn die Kollegen, die wir ja dringend brauchen, vor Gericht gehen. Wir sind in ständigen Gesprächen, um eine saubere Lösung zu finden. Wenn das nicht gelingt, droht uns die Insolvenz. Es hat im Präsidium einige Stimmen gegeben, die für einen kompletten Rücktritt des Präsidiums aus Protest gesprochen haben. Aber dem Sport im Landkreis wäre damit nicht geholfen, im Gegenteil. Deshalb halten wir uns an die alte Regel des großen Paavo Nurmi: Zähne zusammenbeißen, nie aufgeben, die Ehre des Sports wahren.

Torsten Winkelmann: Die Stellenstreichung betrifft uns auch. Unser Hauptamt soll um 1,5 Stellen gekürzt werden. Wir sind aber optimistisch, dass wir eine gute Lösung finden.

Volksstimme: Wie wird sich der Wegfall der Ein-Euro-Stellen auswirken? Gibt es vielleicht Schlupflöcher für die Vereine?

Ralf Geisthardt: Das zum Teil vorfristige Auslaufen faktisch aller Ein-Euro-Stellen trifft Vereine und Kommunen gleichermaßen hart. Wer meint, unsere Kollegen in diesen Stellen hätten auf dem ersten Arbeitsmarkt eine Chance, muss hinter dem Mond wohnen. Sie waren auch keine Konkurrenz zu gewerblichen Anbietern. Aber sie hatten eine Aufgabe, waren Kollegen, wurden gebraucht und hatten die Würde, die Arbeit verleiht. Ob für die Vereine ein "Bufdi" (Anm. d. R.: Bundesfreiwilligendienstler) eine Alternative ist, kann noch niemand sagen, weil entsprechende Regelungen noch fehlen. Wir versuchen, jede Möglichkeit zu nutzen, doch noch etwas zu retten.

Torsten Winkelmann: Der Wegfall der Ein-Euro-Stellen wird eine der größten Herausforderungen, besonders in den Vereinen und bei uns im Kreissportbund auch. In der Stadt Oschersleben werden wir durch Bürgerarbeit versuchen, den Wegfall zu kompensieren. Konkrete Ergebnisse gibt es noch nicht. Das bedeutet, wir haben hier noch eine große Nuss zu knacken. Wir hoffen, dass uns auch die ARGE und die Politik helfen werden.

Volksstimme: Was haben wir vom KSB für das Jahr 2012 zu erwarten?

Ralf Geisthardt: Das Präsidium wird noch enger zusammenrücken, um die Qualität der Sportarbeit nicht durch äußere Umstände sinken zu lassen. Unsere zentralen Sportveranstaltungen wollen wir weiterführen, werden aber wohl noch mehr Hilfe von Freiwilligen brauchen. Unsere Ein-Euro-Kollegen haben da viel abgefangen. Zudem steht uns eine Woche vor den olympischen Spielen das große Leichtathletikmeeting ins Haus. Wir bemühen uns um einen Start der amerikanischen Männersprinterstaffeln. Wolf-Dieter Poschmann wird wieder moderieren, es wird ein großes Ereignis werden. Wir werden aber wie in jedem Jahr das Hauptaugenmerk auf die Förderung des Kinder- und Jugendsports legen, denn das ist Sozialarbeit und bringt uns voran. Die Unterstützung durch den Landkreis hier ist sehr gut, unsere jungen Sportler zahlen es mit hervorragenden Leistungen zurück.

Torsten Winkelmann: Ob es die Kinder- und Jugendspiele sowie die Aktionstage "Kinder stark machen", den Präventionstag und den Frauenaktionstag so geben wird, können wir noch nicht sagen. Auf jeden Fall müssen wir unsere Kräfte bündeln, auch in den Vereinen und Verbänden. Wir wollen versuchen, wieder mehr Zeit für die Vereine zu haben und nicht für die Bürokratie. Ganz wichtig ist unser Ehrenamt. Unsere Überlegung ist es, einen Tag des Ehrenamtes im Kreis im Sport einzuführen.

Ralf Geisthardt und Torsten Winkelmann: Für das kommende Jahr wünschen wir allen Sportfreundinnen und Sportfreunden vor allem Frieden, Gesundheit, gesicherte Verhältnisse und die Freude sportlichen Erfolges.

Bilder