Haldensleben l Mit einem Paukenschlag beendet Armwrestler Matthias Schlitte die Saison 2018.

In diesem Jahr konnte der Dauerbrenner aus der Börde erstmals seit 2011 nicht bei der WAF-WM antreten. „Die politische Lage im Gastgeberland Türkei hat mir nicht gefallen und außerdem hatte ich mit verschiedenen Verletzungen zu kämpfen. Trotzdem ging natürlich der Blick recht wehmütig nach Antalya, wo meine Teamkollegen um Medaillen rangen“, meinte Matthias Schlitte zu den Wettkämpfen im September.

Schlitte sorgt für eine Sensation

Doch die Saison sollte nicht ohne Achtungszeichen zu Ende gehen, nachdem Schlitte beim internationalen Turnier in Magdeburg die 70kg-Klasse gewann und sogar im Limit bis 90kg der Konkurrenz das Leben schwer machte, entschied sich Coach Olaf Köppen für einen mutigen Schritt: „Im November steht jährlich der traditionsreiche Nemiroff Professional Worldcup in Polen, die Profi-WM des Armwrestlings auf der Agenda. Der Wettkampf ist wahrscheinlich das prestigeträchtigste und zugleich schwierigste Turnier der Welt - das Wimbledon des Armwrestlingsports. Normalerweise werden hierfür drei Monate beinharte Vorbereitung benötigt, aber bei Matthias hatte ich diesmal ein besonderes Gefühl und sprach so die Nominierung aus.“

Am Wochenende reisten Schlitte und seine Teamkollegen Jan und Fabian Träger nach einer fünfwöchigen Vorbereitung als absoluter Außenseiter an die polnische Ostseeküste. Der Mann aus Bebertal kämpfte im angestammten Limit bis 70kg, welches er mit einem Wettkampfgewicht von 68,3kg nicht einmal ausreizte.

Am Sonntag ging es dann in den traditionellen gelben Wettkampfshirts mit dem rechten Arm an den Tisch.

Sieg gegen britischen Champion

Schlitte, der 2013 hier sensationell Silber gewann und Vizeweltmeister wurde, erwischte einen perfekten Start und setzte sich gegen den britischen Champion Nathaniel Kumi durch. Im nächsten Duell wartete gleich eine ganz andere Kategorie auf den zehnfachen Deutschen Meister, nämlich der slowakische Vizeweltmeister Jan Gabor. Mit einem überfallartigen Angriff schockte Schlitte seinen Gegner und siegte unter tosendem Beifall der über 1000 Zuschauer deutlich, nun hatte auch die hochklassige Konkurrenz den deutschen Hellboy mit auf dem Zettel.

Chancenlos gegen den Seriensieger

Im Anschluss blieb er gegen den litauischen Seriensieger Mindaugas Tarasaitis, der später die Kategorie fast spielend gewann, chancenlos und verlor erstmals.

Eine weitere Niederlage galt es nun zu verhindern, um das Ausscheiden zu vermeiden. Schlitte bewies Kämpferherz und gewann in den nächsten Runden in packenden Duellen unter anderem gegen die bärenstarken Starter aus Polen und Litauen. Stück für Stück hatte sich der Außenseiter tatsächlich ins Halbfinale vorgekämpft. Für die begehrte Medaille galt es jetzt die türkische Armwrestling-Legende Engin Terzi zu besiegen. Der Mann vom Bosporus zählt mit über zehn WM-Titeln zu den besten seiner Zunft und es kam nun zum ersten Aufeinandertreffen beider Spitzensportler. In einem engen Gefecht musste sich der Deutsche schließlich aufgrund zweier Fouls knapp geschlagen geben und somit blieb „nur“ Rang vier.

Schlitte sehr zufrieden

„Ich bin total zufrieden, obwohl es diesmal nur zu Blech gereicht hat. Aufgrund von Verletzungen bin ich die ganze Saison leider nicht richtig in Form gekommen. Nach der kurzen Vorbereitung ist der vierte Rang hier ein mehr als versöhnlicher Saisonabschluss“, freute sich der „Hellboy“ im Anschluss.

Nach einer kurzen Pause wird Schlitte direkt wieder ins Training einsteigen, schließlich findet die Deutsche Meisterschaft bereits Ende Januar in Baden-Württemberg statt. Die nationale Meisterschaft bildet auch gleichzeitig die Qualifikation für die EM in Griechenland und die WM in Polen.

Mit mehr Training und etwas Glück ist dann auch wieder der begehrte Platz auf dem Podium greifbar.