Süplingen l Nach dem Rücktritt von Heiko Götze hilft der 47-Jährige erstmal bis Saisonende bei seinem Herzensverein aus. Mit Volksstimme-Redakteur Christian Meyer sprach der ehemalige Trainer des HSC und Lok Stendals über den kurzen Weg zu seinem Comeback, ein problemloses Gespräch mit seiner Frau und welche Rolle sein Sohn bei seinem erneuten Engagement spielte.

Volksstimme: Herr Fest, Sie sind zurück auf der Süplinger Trainerbank. Wie kam es dazu?

Daniel Fest: Meine Rückkehr als Trainer von Süplingen kam auch für mich selbst schon einigermaßen überraschend. Der bisherige Trainer, Heiko Götze, hatte unmittelbar nach dem Spiel gegen Neuenhofe gegenüber der Mannschaft seinen Rücktritt erklärt. Damit war die Mannschaft zunächst ohne Cheftrainer. Holger Voigt hat dann diese Rolle zunächst eingenommen und hätte diese sicherlich, im Interesse des Vereins, weitergeführt. Er war aber eigentlich vor der Saison mit der Intention zum Verein gekommen, diesen zu unterstützen, in den Männerbereich reinzuriechen und dort erstmal Erfahrungen zu sammeln. Als dann zunächst die ein oder andere lose Anfrage aus der Mannschaft kam, ob ich mir nicht vorstellen könne, nochmal zurückzukehren und zu helfen, habe ich dem Verein dann letztlich signalisiert, zumindest erstmal für ein Gespräch zur Verfügung zu stehen.

Wie ging es dann weiter?

Dieses wurde dann von Teilen des Mannschaftsrats vorbereitet und fand dann mit Vertretern des Vorstands, Vertretern der Mannschaft sowie auch dem bisherigen Trainergespann, Holger Voigt und Tobias Baldzun, statt. In dem sehr angenehmen, offenen und ehrlichen Gespräch – was ich aber auch nicht anders erwartet hatte, da mir das aus dem vergangenen Jahr so auch bekannt war – wurden die wechselseitigen Auffassungen und Erwartungen ausgetauscht.

Dies diente auch Holger und mir, uns besser kennenzulernen, um dann, im Interesse des Vereins auch eine sinnvolle Entscheidung treffen zu können. Tobi Baldzun kannte ich schon. Ich habe dann bereits in dem konstruktiven und engagierten Gespräch meine Zusage für diese Saison signalisiert und dann einen Tag später fest zugesagt. Das war damit im übrigen eine meiner schnellsten Entscheidungen für einen Trainerjob.

Sie haben auch schon in der Verbands- und Oberliga trainiert. Warum haben Sie sich erneut für Süplingen entschieden?

Grün-Weiß Süplingen war und ist für mich schon immer eine Herzensangelegenheit. Ich habe dort als Spieler und auch als Trainer, sowohl sportlich als auch menschlich, großartige Zeiten erlebt. Da bleibt immer etwas hängen, so dass ich dorthin immer gern zurückkehre. Darüber hinaus hat dieser Verein mir auch immer großes Vertrauen entgegengebracht, so dass ich mich diesmal auch ein wenig in der Pflicht sah, dafür, auch und gerade in einer aktuell schwierigen sportlichen Situation, dem Verein dafür auch etwas zurückzugeben.

Es herrschen außerdem in Süplingen auch hervorragende Rahmenbedingungen vor. Dort gibt es eigentlich alles, was das Fußballerherz begehrt: einen Rasenplatz als auch einen Kunstrasenplatz mit Flutlicht, ein Fitnessraum, eine Halle sowie auch ein modernes Vereinsheim. Dazu kommen nicht wenige Leute aus dem Dorf und dem Verein, die sich im Verein und im Vorstand engagieren, sich liebevoll und mehr als engagiert um die Plätze kümmern und allein damit sportliche Rahmenbedingungen schaffen, die ihresgleichen suchen und nahezu alles möglich machen. Auch deshalb macht es Spaß, in diesem Verein Trainer zu sein.

Sportlich gesehen hatten Sie in ihrer letzten Amtszeit wegen der Corona-Pandemie auch keinen echten Abschluss mit der Mannschaft.

Das kommt dazu. Meine Aufgabe als Trainer blieb aufgrund der Corona-Pandemie im letzten Jahr auch etwas unvollendet. Als wir uns, nach einem holprigen Start, gerade stabilisiert hatten und bessere Spiele gemacht haben, wurde die Saison zunächst unterbrochen und danach auch abgebrochen. Es war dann ein abruptes und unvorhergesehenes Ende, nicht nur der Saison, sondern auch meiner dortigen Trainertätigkeit. Wir hätten gern die Saison noch zu Ende gespielt und den Nachweis erbracht, dass wir besser spielen können. So will man eine Saison auch nicht wirklich zu Ende bringen.

Welchen Anteil hat Ihr Sohn am erneuten Engagement in Süplingen?

Natürlich spielt auch eine Rolle, dass Mattes vor der Saison als Spieler nach Süplingen gewechselt war. Als er mich dann fragte, ob ich, nach dem Rücktritt des bisherigen Trainers, meinen Hintern nun nicht endlich nochmal von der Couch erheben und mich nochmal straffen möchte, fiel mir die Entscheidung natürlich nochmal so leicht. Wir wollten eigentlich schon im letzten Jahr nochmal fußballerisch etwas zusammen machen. Da hat es jedoch noch nicht funktioniert. Umso schöner ist es, dass es jetzt dann doch noch geklappt hat. Natürlich habe ich mich auch gefreut, dass gerade auch Mattes mich explizit gefragt hat, ob ich nicht helfen will. Das spricht für unser gutes Verhältnis, ist aber auch nicht selbstverständlich, denn sicherlich will nicht jeder seinen Vater auch als Trainer haben.

Dieser Umstand hat auch meine Verhandlungsposition bei meiner Frau, mit der ich jede meiner fußballerischen Stationen be- und abspreche, deutlich vereinfacht. In Anbetracht der familiären Situation hat sie diesmal ziemlich wenig Widerstand geleistet und wenig Bedenken geäußert.

Was haben Sie in der Zwischenzeit gemacht. Haben Sie Spiele in der Region verfolgt?

In der Zwischenzeit habe ich eine Menge Spiele in allen Klassen und Altersklassen und damit verschiedene Mannschaften in der Region angesehen, meine Aufgabe als Regionaltrainer in der DFB-Talentförderung wahrgenommen und auch meinen Sohn Mattes bei Spielen der von ihm betreuten Nachwuchsmannschaft des HSC unterstützt. Es gab seit Beginn der neuen Saison nahezu kein Wochenende, an dem ich nicht auf einem dieser Fußballplätze war. Oft habe ich dabei natürlich auch die Spiele des SV Grün-Weiß Süplingen in dieser Saison gesehen.

Sportlich lief es für ihr neues Team in den vergangenen drei Spielen nicht gut. Konnten Sie sich trotz der coronabedingten Pause schon einen Überblick verschaffen, wo die Probleme liegen?

Coronabedingt konnte ich mir nun, nach der wiederum plötzlichen Unterbrechung der Saison, noch keinen brandaktuellen Eindruck von der Mannschaft machen. Ich hätte mir gern noch das Spiel in Gröningen angesehen, das dann aber bereits abgesagt wurde. Da ich aber während der laufenden Saison bereits viele Spiele gesehen habe, denke ich, dass ich mir dadurch einen guten aktuellen Gesamteindruck verschaffen konnte. Dazu werden mir dabei auch meine Kenntnisse und Erfahrungen aus der vergangenen Saison als auch mein Trainerkollege Holger helfen. Die Probleme scheinen ähnlich zu sein, wie in der letzten Saison. Aber ich habe ein paar Ideen, wie wir die Dinge angehen und verbessern wollen. Die werde ich aber zuallererst mit Holger und anderen Verantwortlichen des Vereins sowie der Mannschaft besprechen.

Wo sehen Sie ihre Mannschaft im Vergleich zu den anderen Bördeoberligateams und was sind ihre Ziele in dieser Saison?

Das erste Ziel wird für uns als Trainer sein, dass wir der Mannschaft zunächst wieder mehr Stabilität und mehr Lockerheit verleihen und damit, nach den letzten Ergebnissen, den Spaß am Fußball zurückbringen. Damit wollen wir dann natürlich erstmal gute Ergebnisse erzielen und damit vordergründig einen möglichen Abstieg verhindern. Dies konnten Holger und ich, auch mit den anderen Verantwortlichen des Vereins, in unserem Gespräch bereits erörtern und festlegen.

Und Ihre Ziele auf dem Platz?

Natürlich wollen wir uns stetig auch fußballerisch verbessern und weiterentwickeln. Dabei darf man aber auch nicht vergessen, dass viele Spieler auf dieser Ebene zum Fußball kommen, um nach der Arbeit und in ihrer Freizeit ein bisschen zu kicken. Dennoch hatte ich auch letztes Jahr nicht das Gefühl, dass sich auch nur ein Spieler einer fußballerischen Entwicklung entgegenstellt und widersetzt. Dennoch müssen wir die Mannschaft in jedem Bereich auch wieder mehr in die Verantwortung nehmen und bekommen, da sie nicht zuletzt auch für die entstandene, aktuelle Situation verantwortlich ist. Ich freue mich jedoch auf die neue Aufgabe und die Arbeit mit Holger, Tobi und der Mannschaft und sehe der ganzen Sache insgesamt sehr positiv entgegen. Ich bin wieder neu motiviert und würde gerade am liebsten sofort loslegen. Ich hoffe deshalb, dass es bald wieder losgeht.

Sie arbeiten auch schon lange im Nachwuchsbereich. Wie ist dort der Stand der Dinge? Gibt es Entwicklungen, die sie nachdenklich stimmen?

Ja, es stimmt. Ich war in der Vergangenheit auch lange Jahre als Trainer im Nachwuchsbereich tätig und bin dies, aktuell vor allem in der DFB-Talentförderung, nach wie vor. Zwischenzeitlich hat man mir auch die Aufgabe des Regionalauswahltrainers der U 14 der DFB-Talentförderung in Sachsen-Anhalt übertragen. Diese ruht jedoch aktuell wegen der Corona-Pandemie.

Gerade, wenn man eine Männermannschaft im Fußballfreizeitbereich trainiert, lernt man insbesondere den Wert einer fußballerischen Ausbildung einmal mehr kennen und schätzen. Der Wert einer solchen Ausbildung ist durch nichts zu ersetzen, von der nicht nur die Spieler, sondern später auch alle Männermannschaften aller Spielklassen profitieren bzw. profitieren können. Deshalb sollte in jedem Nachwuchsalter insbesondere Wert auf eine vernünftige und solide fußballspezifische Ausbildung gelegt werden. Leider geht es für meinen Geschmack im Nachwuchs zu oft noch um zu viel Athletik und vor allem auch um Ergebnisse. Dabei bleibt jedoch die fußballerische Ausbildung des einzelnen Spielers oft noch zu sehr auf der Strecke. Wir müssen aber bedenken, dass es den Straßenfußball in seiner früheren Form so heute nicht mehr wirklich gibt.

Auch der eher geringe Stellenwert eines Nachwuchstrainers spielt in diesem Zusammenhang eine entscheidende Rolle. Deshalb bin ich auch dankbar, dass ich, als Trainer der DFB-Talentförderung, den Wert und die Inhalte fußballerischer Ausbildung kennenlernen und praktizieren darf. Ich bin nicht zuletzt deshalb auch Verfechter dieses Systems und finde, jeder talentierte Spieler sollte das gesamte Talentfördersystem, sowohl in den Stützpunkten als auch in der Talenteliga, durchlaufen und sich dann, solange wie möglich, mindestens in Verbandsligamannschaften des Nachwuchses weiterentwickeln. Da diese Möglichkeiten jedoch nicht alle Vereine liefern und leisten können, wie demgegenüber jedoch zum Beispiel der HSC oder auch Lok Stendal, sollten die kleineren Vereine öfter auch ihre Interessen zugunsten der Entwicklung des einzelnen Spielers zurückstellen und den Spieler viel öfter, einfacher und auch wohlwollender den besonderen Möglichkeiten des Talentfördersystems übergeben.

Viele kleine Vereine fühlen sich von diesem System benachteiligt.

Natürlich müssten im Gegenzug solche Ausbildungsvereine dann auch eher wieder bereit sein, solche Spieler im Bedarfsfall komplikationslos wieder zurückkehren zu lassen. Davon könnte dann jeder Verein profitieren und auch der Stellenwert solcher Ausbildungsvereine würde sich deutlich erhöhen können, so wie es eigentlich auch sein sollte. Letztlich würde dies, denke ich, dann auch einer nachhaltigen Qualität im Herrenfußballs des Landes Sachsen-Anhalt zugutekommen und dienlich sein.