Wolmirstedt l Nach seiner fußballerischen Laufbahn schlüpfte der 41-Jährige in die Trainer-Rolle und ist heute bei gleich zwei Vereinen aktiv. Im Interview mit Volksstimme-Autor Stefan Rühling sprach er über seinen Weg zum Fußball, seinen Fokus als Übungsleiter und seine persönliche Bedeutung von Erfolg.

Volksstimme: Herr Liebscher, wie geht es Ihnen?

Marcel Liebscher: Meiner Familie und mir geht es gesundheitlich sehr gut. Es ist nur schade, dass ich meinem Hobby, dem Fußball, zurzeit nicht nachgehen kann.

Haben Sie solche Zwangspausen in Ihrer fußballerischen Karriere schon einmal erlebt?

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In meinem ganzen Leben habe ich zwei bis drei Mal in der Woche Training gehabt und am Wochenende wurde mindestens ein Spiel bestritten. Längere Zwangspausen gab es bei mir nur bei meinem Mittelfußbruch und bei einer Knöchelverletzung.

Wie sind Sie überhaupt zum Fußball gekommen?

Mein Papa Harald war und ist immer noch Fußballer mit Leib und Seele, so dass er mich natürlich zum Fußball gebracht hat.

Wann haben Sie mit dem Kicken begonnen?

Ich habe im Alter von vier Jahren bei Kali Wolmirstedt angefangen Fußball zu spielen.

Wer war Ihr erster Trainer?

Wenn ich ehrlich bin, kann ich mich gar nicht mehr daran erinnern. Mir wurde aber gesagt, dass Hans Meier alle kleinen Kinder bei Kali trainiert hat.

Was konnten Sie von Ihren Trainern mitnehmen?

Von allen Trainern, die ich hatte, habe ich verschiedene Sachen gelernt. Von der Vielseitigkeit über die Torgefährlichkeit bis hin zur Kondition.

Haben Sie auch einmal für einen anderen Verein gespielt?

Meine gesamte Laufbahn war ich beim SV Kali Wolmirstedt aktiv. Als wir vor etwa vier Jahren unseren neuen Verein (Ohrekicker Wolmirstedt e. V.) gegründet haben, war ich noch ab und an aushilfsweise bei unserer Spielgemeinschaft Heinrichsberg/Wolmirstedt am Ball. Und wenn die Pandemie nicht ist, spiele ich freitags abends bei der Ü35 vom SSV Eintracht Loitsche/Zielitz.

Es ging für Sie bis in die Landesliga. Was war das für eine Zeit?

Spielerisch war es eine sehr schöne Zeit, weil wir aber auch eine eingeschworene Truppe waren. Selbst wenn wir sang- und klanglos untergegangen sind, standen wir alle zusammen und sind abends noch zur Disco gefahren. In der Landesliga waren auch immer die langen Busreisen ein Highlight, was ich nicht missen möchte.

War der Aufstieg in die zweithöchste Spielklasse des Landes Ihr schönstes sportliches Erlebnis?

Es gab einige schöne Erlebnisse. Angefangen als A-Jugendlicher in der Herrenmannschaft zu spielen, dann die Endspiele im Kreispokal und natürlich auch die Aufstiege in die Landesliga.

Wie ist es für Sie als Fußball-Rentner bei den Alten Herren in Loitsche/Zielitz?

Dort spielen viele alte Weggefährten, mit denen es immer noch Spaß macht, zusammen zu kicken. Aber ich muss sagen, dass es leider auch sehr, sehr selten geworden ist, weil ich freitags mit meinem Sohn Training habe.

Wenn Sie auf Ihre aktive Laufbahn zurückblicken – welcher Trainer hat Sie am meisten geprägt?

Mein Papa hat mich mein Leben lang begleitet und gefördert, unter Peter Bernhardt habe ich den Sprung in den Herrenbereich geschafft und unter Michael Richter haben wir in der Landesliga die Saison unseres Lebens gespielt.

Schon während Sie noch auf dem Feld standen, wurden Sie auch als Trainer aktiv. Wann wuchs in Ihnen der Entschluss dazu und wieso?

Irgendwann kam mal das Thema im Verein auf, dass noch Trainer benötigt werden. Dann haben Michael Zacher, Michael Leitel, mein Bruder Nico und ich den Entschluss gefasst, dem Verein zu helfen.

Bei welcher Mannschaft haben Sie begonnen?

Es war, glaube ich, die damalige E-Jugend.

Worauf haben Sie bei den Kids Ihren Fokus gelegt?

Ich achte immer darauf, dass ich eine Mannschaft habe und keine Einzelspieler. Alle Spielerinnen oder Spieler, egal wie gut sie sind, bekommen die gleiche Spielzeit - auch auf die Gefahr hin, dass wir das Spiel verlieren.

Konnten Sie auch Erfolge feiern?

Ja, ich konnte Erfolge feiern, aber bei den Kindern geht es nicht um den ersten Platz. Ein Erfolg war es auch, den Mädchen und Jungen beim Fußballspielen zu zuschauen und bei jedem einzelnen Kind den fußballerischen Fortschritt zu sehen.

Von 2009 bis 2018 zeichneten Sie zunächst bei Kali und dann den Ohrekickern Wolmirstedt für den Mädchen- und später Frauenfußball verantwortlich, obwohl Sie zu dieser Zeit gar keine Tochter hatten. Wie kam es dazu?

Als ich mit dem Trainer-Dasein angefangen habe, hatten wir schon einen großen Anteil an Mädchen in der Mannschaft. Irgendwann haben wir sogar eine Saison gespielt, wo wir neun Mädchen, aber nur einen Jungen im Team hatten. So hat sich das dann eigentlich automatisch zum Mädchenfußball hinbewegt.

Was unterscheidet Mädchen und Jungs beim Fußball?

Das ist natürlich die ganze Athletik und die Schnelligkeit. Es gibt immer Einzelfälle, die besondere Fähigkeiten haben, aber das sind dann auch Ausnahmen. Ich muss aber sagen, dass meiner Meinung nach Mädchen sowie auch Frauen verbissener sind als Jungs oder Männer.

Was war Ihr größter Erfolg mit den Mädchen und Frauen?

Der größte Erfolg ist, dass die Mannschaft noch Bestand hat. Es ist schon Wahnsinn, dass es den Frauenfußball in Wolmirstedt immer noch gibt. Als es damals angefangen hat, dachte ich mir, machst du ein, zwei oder vielleicht auch drei Jahre und dann widmest du dich deinem Sohn, der dann auch Fußball spielen wollte.

Bleibt Ihnen darüber hinaus etwas in Erinnerung?

Ja, auf jeden Fall. Egal welche Mannschaft ich im Nachwuchs trainiert habe, bin ich den Eltern sehr dankbar, dass sie mich unterstützt haben und dass wir immer ein herausragendes Verhältnis hatten. Ich hatte nie Probleme, eine Mannschaft abmelden zu müssen, weil keine Spieler da waren. Die Eltern haben alles möglich gemacht, dass immer alle Akteure da waren und gleichzeitig ihre Kinder anzufeuern.

Eines ist noch in Erinnerung geblieben: Mit Peter Lauenroth hatte ich immer einen Backup. Wenn ich mal nicht als Trainer beim Training oder Spiel dabei sein konnte, ist er eingesprungen und hat seine Sache so gut gemacht, dass er jetzt verdientermaßen Cheftrainer unserer Frauenmannschaft ist.

Wie bewerten Sie die Entwicklung des Mädchen- und Frauenfußballs in den vergangenen Jahren?

Es ist schade, dass es zu wenige Mannschaften im Mädchen- und Frauenfußball gibt. Dadurch kann fast kein geregelter Spielbetrieb stattfinden. Es fehlt sicherlich am Fußballnachwuchs und an den Trainern. Ich muss aber sagen, dass der Fußballverband das Beste daraus macht und jedes Jahr Spielformen anbietet und durchzieht, egal ob Kleinfeld, verkürztes Großfeld oder Großfeld.

Ihr Sohn Noah wechselte im Jahr 2018 zum 1. FC Magdeburg in den Nachwuchs. Was ist das für ein Gefühl, wenn so ein traditionsreicher Club auf den eigenen Sohn aufmerksam wird?

Wir haben öfter mal ein Trainingsspiel gegen den FCM gemacht oder uns gegenseitig zu Turnieren eingeladen. So kam der Kontakt zustande. Als der damalige Club-Trainer, Elko Duckstein, anrief, war es schon ein seltsames Gefühl. Ich hätte nie daran gedacht, dass es mal soweit kommen würde. Die Entscheidung, ob Noah beim FCM spielen wird, hat er ganz alleine getroffen. Wir haben ihm die Vor- und Nachteile aufgezeigt und er hat sich dann für den FCM entschieden.

Sie wurden dann auch Trainer im FCM-Nachwuchs. Wie kam es dazu?

Als die Frage aufkam, ob Noah bei Magdeburg spielen soll, ging es auch darum, dass noch ein Trainer für diese Mannschaft benötigt wird. Um ihm den Einstieg bei den neuen Kindern und Trainern zu erleichtern, habe ich dann auch zugesagt.

Sind Sie aktuell noch als Übungsleiter aktiv?

Ja, in der Tat. Nach wie vor begleite ich die U11 beim 1. FC Magdeburg und dazu betreue ich die E-Junioren bei den Ohrekickern Wolmirstedt.

Was unterscheidet die Arbeit mit den Junioren in Wolmirstedt und Magdeburg?

In Wolmirstedt macht die Arbeit mit den Kindern genauso Spaß, wie in Magdeburg und das ist das, was für mich wichtig ist. In Magdeburg hat man natürlich bessere Bedingungen als in Wolmirstedt. Dafür muss beim Club vor, während und nach dem Fußball mehr organisiert oder notiert werden. Da ist es bei den Ohrekickern natürlich entspannter, Trainer zu sein.

Wie bewerten Sie den Entschluss der Stadt Wolmirstedt, in den nächsten Jahren ein neues Stadion als Ersatz für die Anlage im Küchenhorn zu errichten?

Als ich 1995/1996 in den Herrenbereich gekommen bin, war schon immer die Rede davon, dass sich etwas ändern muss. Entweder die Sportstätten (Stadion Glück Auf, Stadion des Friedens) zu erneuern oder ein komplett neues Stadion zu bauen. Immer wieder wurden aber Anträge aus unterschiedlichsten Gründen abgeschmettert. Jetzt ist es hoffentlich soweit, dass wir in vier Jahren ein neues Stadion haben.

Bei all dem Fußball: Gehen Sie noch einer Arbeit nach?

Nach dem Realschulabschluss habe ich eine Ausbildung zum Industriemechaniker absolviert und als ich ausgelernt habe, wurde ich bei der heutigen K+S Kali GmbH übernommen.

Wie bekommen Sie Job, Hobby und Familie unter einen Hut?

Irgendwie geht alles. Ich habe geregelte Arbeitszeiten, bin ab 15 Uhr zu Hause und brauche am Wochenende nur selten zur Arbeit. Dadurch kann ich gut planen. Als ich jung war, stand der Fußball für mich im Vordergrund. Jetzt dreht sich alles um die Kinder und um meine Freundin. Ich versuche alles möglich zu machen, dass Luna, Noah und Jana glücklich, zufrieden und gesund sind.