Süplingen l Die 25-jährige Saskia Matthies spielt seit Kindertagen Fußball und hat bis hoch zur Verbandsliga schon alles gesehen. Mit der aktuellen Situation in der Regionalklasse ist sie aber unzufrieden.

Im Jahr 1995 in Helmstedt (Niedersachsen) geboren und zunächst in Wefensleben aufgewachsen, zog Saskia Matthies mit ihrer Familie nach Siegersleben. Noch heute wohnen ihre Eltern, ihr 16-jähriger Bruder und sie zusammen mit einem Labrador unter einem Dach. Dort ist auch der Ursprung des Hobbys, welchem die junge Frau bis heute nachgeht: Fußball.

„Im Grundschulalter bin ich auf Fußball gekommen, nachdem ich feststellte, dass Tischtennis und Handball nicht ganz so meins waren“, erzählt Saskia Matthies. „Noch gut kann ich mich daran erinnern, wie ich beinahe jeden Nachmittag zusammen mit meinen Freunden auf dem Bolzplatz war.“ So richtig auf den Sportplatz von Teutonia ging es erst später. „Wir selbst haben uns dann als Kinder im Alter von neun und zehn Jahren dafür eingesetzt, hier in Siegersleben eine D-Jugend Mannschaft zu gründen“, erinnert sich die 25-Jährige zurück. „Das ist uns auch gelungen, nur die Erfolge auf dem Spielfeld blieben leider aus.

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Das lag aber auch daran, dass wir teilweise viel jüngere Kinder dabeihatten, um überhaupt eine Mannschaft voll zu bekommen. Spaß machte es trotzdem.“ An ihre ersten Übungsleiter kann sie sich auch noch gut erinnern. Einer von ihnen kam immerhin aus der eigenen Familie: „Das Training leiteten Patrick Happe und mein Vater. An dieser Stelle möchte ich mich bei beiden noch einmal entschuldigen, dass wir ihnen so viele Nerven geraubt haben. Doch allen Trainern danach und bis heute ging es nicht besser. (lacht)“

Matthies beginnt Laufbahn in Hötensleben

Als Teenagerin im Alter von 15 Jahren schlug der Sport dann ein neues Kapitel für die Angreiferin auf: „Es ging zum Frauenfußball nach Hötensleben. Später sind wir dann geschlossen als Mannschaft nach Oschersleben gezogen und spielten dort für den VfB“, so Matthies. „Das war erst einmal komplett etwas anderes, da ich vorher nur mit etwa gleichaltrigen Jungs zusammengespielt habe. Nun waren wir alles Mädchen beziehungsweise Frauen verschiedenster Altersklassen.“ Selbstverständlich gab es mit einer neuen Mannschaft auch einen neuen Übungsleiter: Fabian Dilge. „Das war – auch persönlich gesehen – der beste Trainer, den ich je hatte“, sagt Matthies, die damit die Leistung anderer Trainer ihrer Laufbahn nicht schlecht machen möchte. „Die anderen waren und sind auch nicht schlecht, das Gegenteil ist sogar der Fall. Doch Fabian hatte das Talent, die Theorie einfach super rüberzubringen und besitzt einen gewissen sportlichen Ehrgeiz, der mich generell bei Menschen beeindruckt.“ Doch die 25 Jahre junge Frau konnte auch nachvollziehen, als Dilge das Team verlassen hat. „Er wollte sich persönlich weiterentwickeln und hat eine Jugendmannschaft übernommen. Das war für mich nachvollziehbar, da es für mich der gleiche Grund war, weshalb ich dann nach Süplingen gewechselt bin: die Chance der Weiterentwicklung.“

Wechsel nach Süplingen zur Saison 2015/2016

Seit Beginn der Saison 2015/2016 schnürt Saskia Matthies nun die Töppen für die Grün-Weißen von Trainer Uwe Krause und pendelt dafür mehrmals pro Woche die etwa 20 Kilometer von Siegersleben nach Süplingen. „Das war dann noch einmal ein ganz anderes Level“, sagt die Offensivspielerin. „Ich konnte bisher so viel von den erfahrenen Spielerinnen lernen, dass ich einen wahnsinnigen Sprung in meiner Entwicklung gemacht habe. Die letzten fünf Jahre waren so auch die schönsten und prägendsten in meiner bisherigen, fußballerischen Laufbahn. Dazu waren sie auch sehr erfolgreich.“ Denn bereits in ihrer ersten Spielzeit im neuen Verein gelang Matthies & Co. der Aufstieg aus der Regionalklasse Nord in die Landesliga. In sechs Partien steuerte die Angreiferin auch gleich zehn Treffer bei. In der ersten Saison auf Landesebene lief es dann nicht viel schlechter. Die Süplingerinnen legten einen Durchmarsch hin und konnten im Sommer 2017 schon den nächsten Aufstieg feiern. In 15 Partien traf Matthies seinerzeit gleich 27 Mal – eine beeindruckende Quote. Nebenbei war das Team auch bei zahlreichen Turnieren erfolgreich. „In dieser Zeit wurde ich oft Torschützenkönigin oder zur besten Spielerin ausgezeichnet, was aber ohne so eine starke Mannschaft im Rücken nicht möglich gewesen wäre“, lobt die 25-Jährige noch heute ihr Team von damals. „Dafür bin ich echt dankbar.“ Mindestens einen genauso großen Dank richtet Matthies auch an ihre zwei Großväter: „Sie waren so gut wie bei jedem Spiel dabei und haben uns unterstützt. Ihnen war dabei egal, wie weit der Weg war.“

Nach einem Jahr in der höchsten Spielklasse des Fußballverbands Sachsen-Anhalt war dann aber auch schon Schluss mit der Hochphase des Frauenfußballs in Süplingen. Mit 14 Toren in 14 Verbandsliga-Partien traf Matthies zwar weiter sehr erfolgreich ins Netz der Gegner, doch reichte es nicht, um noch ein Jahr weiterzumachen. „Aufgrund des stärker werdenden Personalmangels konnten wir die Spielklasse leider nicht halten und mussten bis in die Regionalklasse auf Kleinfeld zurück.“ Dort ist der SV Grün-Weiß Süplingen noch heute aktiv. „Mal sehen, wie es in Zukunft weitergeht“, meint Matthies.

Rang vier für Matthias nicht zufriedenstellen

Gegenwärtig belegt die Mannschaft Rang vier in der Regionalklasse 1, hat aber noch eine Partie weniger absolviert als die Konkurrenz. „Das ist für mich persönlich überhaupt nicht zufriedenstellend, da ich immer den ersten Platz anvisiere. Unser Problem liegt momentan in der Abwehr. Uns gelingt es oft nicht, geschlossen als Team zu verteidigen. Unsere Stärken liegen eher in der Offensive. Ich selber spiele im Sturm, was neben dem offensiven Mittelfeld auch meine Lieblingsposition ist.“

Aktuell spielen die Süplingerinnen, so wie alle anderen Fußballer und Kickerinnen im ganzen Bundesland, gar nicht. „Es ist zwar sehr schade, dass man gerade sein größtes Hobby nicht ausleben kann, aber ich denke, es gibt größere Probleme. Frühere Generationen mussten schlimmere Zeiten durchstehen. Wir werden es also überleben“, so die 25-Jährige, die allerdings auch keine Idee davon hat, wann und wie es weitergeht. „Ich bin ein sehr rationaler Mensch, der sich auf Fakten konzentriert und weniger auf Eventualitäten in der Zukunft.“

Neben der aktiven Laufbahn als Fußballerin hat Saskia Matthies bereits ein Wirtschaftsstudium absolviert. Aktuell macht sie noch eine Ausbildung in der Pflege. Doch im Privatleben dreht sich sonst beinahe alles um Fußball. So hat sie schon erste Schritte als Trainerin unternommen. „Als mein Bruder sechs Jahre alt war, übernahmen Martin Lüdtke und ich zusammen die F-Junioren des Eilslebener SV“, erzählt sie. „Das war eine schöne Zeit, Martin und ich funktionierten richtig gut als Trainerteam und die Mannschaft entwickelte sich super.“ Dies führte letztlich dazu, dass Bruder Laurin zu den D-Junioren nach Haldensleben wechselte. Dort spielte er Talenteliga „und wurde von einem Scout des 1. FC Magdeburg entdeckt“. Beim Club war er dann in der U14 und U15 aktiv.

Weiterhin verfolgt die 25-Jährige auch die Partien ihres Lieblingsvereins FC Schalke 04. „Das macht gerade wenig Spaß, die Spiele anzusehen.“ Viel mehr wird aus sportlicher Sicht in diesem Jahr auch nicht mehr möglich sein, denn bis mindestens zum 15. Januar setzt der Spielbetrieb in Sachsen-Anhalt aus.