Neuenhofe l Es war einer seiner schönsten Titel. Seine Zeit als Fußballer begann auf dem Bolzplatz, erst spät schloss sich der gebürtige Meseberger einem richtigen Verein an. Über seine Anfänge, sportlich schwierige Saisons in Magdeburg und seine Jahre in Neuenhofe sprach der 32-Jährige mit Sportredakteur Christian Meyer.

Herr Müller, was fehlt ihnen am meisten im Moment?

Am meisten an der zwangsbedingten Pause fehlt mir die Mannschaft. Ich betreibe diesen Sport nicht nur um mich zu bewegen. Für mich ist die Zeit mit den Jungs wichtig und dies fällt gerade weg. Auf der anderen Seite schafft dies mehr Zeit für die Familie, bzw. andere Projekte, die privat anliegen.

Bilder

Wann und wo haben Sie mit dem Fußballspielen begonnen?

Meine ersten Berührungspunkte mit dem Fußball hatte ich im Alter von sieben Jahren in meinem Heimatort Meseberg. Damals fragte mich mein bester Freund, ob ich nicht mal Lust hätte mit den anderen Jungs aus dem Dorf eine Runde Fußball zu spielen. Ich sagte zu und somit war es um mich geschehen. Bis zu diesem Zeitpunkt hat mich der Fußball eigentlich gar nicht interessiert. Aber seitdem sollte der Fußball mein Leben bestimmen. Ich spielte allerdings jahrelang nicht aktiv in einem Verein, sondern kickte mit meinen Freunden auf dem Bolzplatz. Zum Vereinsfußball kam ich erst im Alter von 16 Jahren. Meine damaligen Freunde überredeten mich letztendlich, mich dem SSV Samswegen anzuschließen.

Ihre ersten Spiele im Männerbereich haben Sie dann in Samswegen gemacht. Wie war das damals für Sie?

Meine erste Saison im Männerbereich war eine sehr aufregende und intensive Zeit. Wir spielten mit dem SSV in der damaligen 1. Kreisklasse, hatten aber für diese Liga eine überdurchschnittliche Mannschaft. Der SSV war mit vielen Spielern bestückt, die bereits über Jahre auf Landesebene gespielt haben. Zu Beginn der Vorbereitung war ich noch ziemlich eingeschüchtert und habe mich gefragt, ob ich überhaupt die Chance erhalten werde zu spielen. Die Zweifel legten sich relativ schnell. Die Mannschaft nahm mich gut auf und half mir, mich an die körperliche Spielweise im Männerbereich zu gewöhnen. Besonders Norman Spillker und André Neumann nahmen mich unter ihre Fittiche. Das Besondere an der Saison 2007/2008 war der Kreispokalsieg. Wir gewannen als Kreisklasse-Mannschaft den Pokal, nachdem wir mehrere höherklassige Mannschaften ausgeschaltet hatten. Das war einmalig und war für mich als junger Spieler gar nicht greifbar. Im Rückblick weiß ich mittlerweile, was wir damals eigentlich erreicht haben.

Im Jahr 2008 folgte ihr erster Wechsel nach Neuenhofe. Was waren die Gründe dafür?

Man muss dazu sagen, dass ich Neuenhofe zuerst abgesagt habe. Ich fühlte mich wohl beim SSV, meine Freunde spielten dort, wir hatten den Pokal gewonnen und durften im Landespokal starten. Doch der damalige Trainer Michél Hollweg war hartnäckig und konnte mich letztendlich doch überzeugen zu wechseln. Es gab zwei wesentliche Gründe für einen Wechsel, zum einen war Neuenhofe aufgestiegen, hatte einen super Trainer und bot mir somit eine super Möglichkeit mich weiterzuentwickeln. Zum anderem hatte Norman Spillker, der auch zu Neuenhofe wechselte, einen immensen Einfluss.

Wenig später ergab sich die Chance für einen Wechsel zum SV Fortuna Magdeburg, der gerade in die Verbandsliga aufgestiegen war. Sie waren Stammspieler, gewannen aber im Saisonverlauf nur zwei Partien. Wie schwierig war diese Zeit?

Von den Ergebnissen her war es eine schwierige Zeit. Ich war es nicht gewohnt, so viele Spiele zu verlieren. Auch die Stimmung in der Mannschaft war dementsprechend angespannt. Wir waren auch nicht immer die schlechtere Mannschaft. Wir haben oft geführt, konnten aber fast nie eine Führung über die Zeit bringen. Das war zum einen eine Qualitäts-, aber auch eine Erfahrungsfrage. Fortuna war zwei Jahre in Folge aufgestiegen und der Kern der Mannschaft hatte sich kaum verändert. Letztendlich hatten wir Glück, das sich zwei Mannschaften aus der Liga zurückgezogen haben. Für mich persönlich war es trotzdem eine erfolgreiche Saison. Ich kam aus der Kreisliga und wurde auf Anhieb Stammspieler. Ich konnte mich schnell an das Niveau anpassen und habe mich auch spielerisch weiterentwickeln können.

Es folgte ein weiteres Jahr Abstiegskampf und eine solide Saison in der Landesliga. Was ziehen Sie für ein Resümee von dieser Karrierephase?

Die 3,5 Jahre bei Fortuna waren die für mich lehrreichsten Jahre in meiner Fußballer-Laufbahn. Ich konnte mich zum Leistungsträger entwickeln und durfte mich Woche für Woche mit den besten Spielern des Landes messen. Ich bin dafür sehr dankbar und bin froh, unter Trainerpersönlichkeiten wie André Hoof und Dirk Hannemann trainiert zu haben.

Im Winter 2015 kehrten Sie erstmals nach Neuenhofe zurück, suchten nach dem Abstieg aus der Landesklasse 2016 aber nochmals die sportliche Herausforderung beim MSV Börde in der Verbandsliga. Wollten Sie es sich selbst noch einmal beweisen?

Das kann ich so unterschreiben. Eigentlich wäre ich den Weg mit Neuenhofe in die Bördeoberliga gegangen. Doch dann kam rein zufällig der Kontakt mit dem MSV Börde zu Stande. Nach den Gesprächen mit den Verantwortlichen und einigen Spielern war klar, dass ich die Herausforderung einfach annehmen will.

Warum endete das Intermezzo bereits nach einem Jahr wieder? Mit 28 Jahren ist man doch im besten Fußball-Alter.

Normalerweise wäre meine Zeit beim MSV weitergegangen. Aber meine Freundin wurde schwanger und wir erwarteten unseren Sohn. Damit war klar, dass ich zukünftig nicht mehr die Zeit in den Fußball investieren kann, die ich gern wollte. Somit endete das Kapitel leider frühzeitig.

Ihre erneute Rückkehr nach Neuenhofe verlief dann äußerst erfolgreich. Sie holten den Kreismeistertitel mit zwölf Punkten Vorsprung. Waren Sie enttäuscht, dass das Aufstiegsrecht damals nicht wahrgenommen wurde?

Im Nachgang hätten wir das Aufstiegsrecht wahrnehmen sollen. Zu dem Zeitpunkt, als es entschieden wurde, war es aber die richtige Entscheidung in der Liga zu bleiben. Zum einen haben uns junge Spieler gefehlt, die frischen Wind in die Mannschaft bringen und zum anderen hatten wir viele Spieler, die bereits eigene Familien hatten. Der Zeitaufwand wäre wahrscheinlich nicht weniger in der Landesklasse geworden. Somit war unklar, ob wir überhaupt Woche für Woche eine schlagkräftige Truppe auf den Platz schicken können.

In den Jahren danach spielte Neuenhofe stets oben mit, wurde Zweiter hinter dem TSV Niederndodeleben und war auch Zweiter in der abgebrochenen Saison 2019/2020. Was macht die Mannschaft aus?

Was uns als Mannschaft auszeichnet, ist die enorme Gier Tore zu schießen, die Schnelligkeit vieler Spieler und die Kommunikation untereinander. Wir haben auch mittlerweile eine gute Mischung zwischen jungen und erfahrenen Spielern. Und das schöne ist, die jungen Spieler übernehmen auch Verantwortung. Besonders herausheben möchte ich aber das Klima in der Mannschaft. Das zeigt sich Woche für Woche auf und neben dem Platz.

Im Sommer folgte mit dem Gewinn des Bördecups sicherlich einer der größten Erfolge der Vereinsgeschichte. Welchen Stellenwert hat dieser Titel für Sie persönlich?

Dieser Pokalsieg war für mich einer der schönsten Titel in meiner Laufbahn. Im Halbfinale und Finale hat die Mannschaft gezeigt, welches Potential in ihr steckt. In diesen Spielen hatten wir einen unglaublichen Teamspirit und absoluten Fokus. Das war einzigartig. Außerdem haben wir etwas Historisches geschaffen. Man sah dies zum Teil in den nassen Augen der zahlreichen Neuenhofer Anhänger, welcher Stellenwert dieser Titel für den Verein hat. Das war ein schöner Tag.

Nach dem Pokalerfolg ist die Mannschaft in ein kleines Loch gefallen, verlor drei der ersten vier Spiele. Was waren die Ursachen dafür und wie sehr ärgert Sie das? Sie gelten ja als sehr ehrgeiziger Sportler.

Das ist einfach zu erklären. Nach dem Pokalerfolg war die Luft bei uns raus, auch bei mir. Nach dem wir aus der Coronapause kamen, galt unser ganzer Fokus den beiden Pokalspielen. Wir wollten unbedingt den Pokal holen. Nachdem wir das geschafft hatten, war dieses Ziel erstmal weg. Wir hatten keine Zeit den Erfolg zu genießen oder mal durchzuschnaufen. Durch den eng getakteten Terminkalender mussten wir bereits am folgenden Freitag zum Eröffnungsspiel. Das merkte man. Wir waren vom Kopf nicht da. Die Spiele danach liefen genauso. Alles was uns sonst auszeichnete, konnten wir nicht mehr abliefern. Das zog sich bis zur Unterbrechung durch. Das zeigt aber wieder, dass wir immer alles abrufen müssen, um erfolgreich zu sein. Und das sollte auch unser Anspruch sein.

Was möchten Sie in ihrem Fußballer-Leben noch erreichen und können Sie sich eine Rolle als Trainer in Zukunft vorstellen?

Ich persönlich würde gern nochmal mit Neuenhofe in die Landesklasse aufsteigen. Ob das in naher Zukunft funktioniert, wird sich zeigen. Wir arbeiten jedenfalls dran. Momentan sehe ich mich nicht als Trainer. Ich will in erster Linie gesund bleiben und so lange wie möglich noch spielen. Wie es danach weitergeht, weiß ich noch nicht. Aber ich werde mit Sicherheit dem Fußball erhalten bleiben.