Seehausen l 2018 kam er dann kurzfristig in seine neue Rolle als Übungsleiter beim SV Seehausen: Alexander Schröder. Im Interview mit Volksstimme-Autor Stefan Rühling blickt er einmal auf seine Laufbahn zurück. 

Volksstimme: Herr Schröder, wie geht es Ihnen?

Alexander Schröder: Mir aber auch meiner Familie geht es gut, danke der Nachfrage. Wir sind alle gesund und wohlauf, was in der aktuellen Zeit das Wichtigste ist.

Bilder

Sie sind einer der wenigen, die öffentlich Kritik am Lockdown geäußert haben. Welche Rückmeldungen haben Sie darauf bekommen?

So viele Rückmeldungen habe ich gar nicht erhalten, vielleicht 20 bis 30 Nachrichten. Darunter aber auch von Menschen, die im Gesundheitswesen viel mit der Sache zu tun, aber trotzdem meine Meinung unterstützt haben. Das hat mich bestätigt, dass das ein sehr schwieriges Thema ist. Einige Gespräche haben mir aber auch gezeigt, wie viel Angst es bei der Bevölkerung auch gibt – und das, wo Deutschland so sicher ist wie nie.

Haben Sie solche Zwangspausen in Ihrer fußballerischen Karriere schon einmal erlebt?

Nein, in dieser Form nicht wirklich. Aufgrund von Verletzungen musste ich zwar einige Male pausieren, doch das war dann schon etwas anderes.

Wie sind Sie überhaupt zum Fußball gekommen?

Ich bin noch in einer Zeit groß geworden, in der es keine Playstation oder Mobiltelefone gab. Meine Freunde und ich waren immer viel draußen, so auch auf dem Fußballplatz. Dort war mein Vater selbst aktiv und als Knirps war ich immer dabei. So lag es auf der Hand, dass ich auch einmal Fußballspielen würde.

Wann haben Sie damit begonnen?

So richtig ging es los, als ich fünf Jahre alt war. Ich habe mich damals selbst bei Motor Seehausen, dem Vorgänger des heutigen SV, angemeldet. Meine Eltern wussten das nicht, denn meine Mutter wollte es eigentlich auch nicht. Daher habe ich selbst unterschrieben und den Beitrag in Höhe von 2 Ost-Mark bezahlt. Das Geld hatte ich von meiner Oma für Eis bekommen. Aus dem Weihnachtsbild des Kindergartens habe ich dann mein Foto für den Pass ausgeschnitten. Am Ende wunderte sich mein Vater beim sonntäglichen Frühschoppen, dass ich plötzlich bei den Kindern aufgelaufen bin.

Wer war Ihr erster Trainer?

Ich hatte zwei, allerdings auch nur kurz: Ralf „Ralli“ Falke und Frank Ferl. Damals war das noch etwas strukturierter als heute, die Trainer sind nicht mit einer Mannschaft von klein bis groß durchmarschiert, sondern in jedem Altersbereich gab es neue Übungsleiter.

Was konnten Sie von ihnen mitnehmen?

Die beiden haben uns in erster Linie den Spaß am Fußball vermittelt, denke ich. Das ist für Kinder in dem Alter auch das Wichtigste. Ein Leistungsdruck sollte hier noch nicht aufgebaut werden.

Sie haben später viele Jahre in Völpke gespielt – wie kam es dazu?

Bei meinem Heimatverein in Seehausen war ich eigentlich Kapitän, jedoch verletzt und wurde dann vom Trainer nicht so wieder herangeführt, wie ich mir das vorgestellt hatte. Damit wuchs die Unzufriedenheit bei mir und ich wollte eine Veränderung, die es dann zur Winterpause der Saison 2003/2004 gab. Lars Buchholz war zuvor aus Seehausen nach Völpke in die zweite Mannschaft gewechselt und so entstand der Kontakt.

Es ging für Sie dann bis in die Oberliga?

Das stimmt, jedoch natürlich nicht sofort. Ich kam aus der Landesklasse und meine Einstellung war so, dass ich mich in der Ersten beweisen wollte. So kam es auch zum Gespräch mit den Trainern beider Mannschaften: Thoralf Bennert und Holger Scheuer. Wir haben uns dann darauf verständigt, dass ich mich in der Rückrunde in der Reserve fit mache – mein athletischer Zustand war auch nicht gut – und wir dann sehen, wie es weitergeht. Zur Saison 2004/2005 bin ich dann in den Kader der Verbandsliga-Mannschaft, die gerade Landespokalsieger geworden ist, aufgerückt. Hier musste mich aber auch erst einmal durchsetzen, was mir im Verlauf der Spielzeit gut gelungen ist. Am Ende haben wir in einem knappen Finale den Aufstieg in die Oberliga geschafft. Im Nachhinein musste ich meinem alten Seehäuser Coach also dankbar sein.

War der Aufstieg Ihr schönstes sportliches Erlebnis?

Er zählt in jedem Fall zu den schönsten Momenten, sagen wir es mal so. Ich habe im Fußball sehr viel erlebt. Mit dem TSV Völpke waren es die sportlichen Erfolge, während in Seehausen eher das Gemeinschaftliche im Vordergrund stand und auch tolle Erlebnisse mit sich gebracht hat. Ein absolutes Highlight war aber auch das Aufeinandertreffen im DFB-Pokal mit dem FC Bayern München unter der Leitung von Trainer Felix Magath in der Saison 2005/2006.

Sie haben aber nicht mitgespielt?

Ja, das stimmt. Aber ich war im Paul-Greifzu-Stadion in Dessau mit dem Team dabei. Die Kulisse mit fast 21.000 Zuschauer war beeindruckend. Doch schon die Vorbereitung auf das Top-Spiel war etwas Besonderes: Wir haben gegen die Amateure des VfL Wolfsburg gespielt und dort stand plötzlich ein Roy Präger, den ich zuvor aus dem Fernsehen kannte, vor mir auf dem Platz.

Können Sie eine Anekdote vom Duell mit den Bayern berichten?

Tatsächlich gab es eine lustige Situation. Meine Mannschaft und auch ich standen nach der Partie in den Katakomben und warteten eigentlich auf den Trikot-Tausch mit den Bayern. Diese aber hatten sich bereits in ihre Kabine zurückgezogen – bis Uli Hoeneß kam. Er fragte uns, wieso wir dastehen. Danach marschierte er zu seiner Mannschaft und kam mit einem Berg Trikots wieder heraus. Er entschuldigte sich für seine Spieler und wir haben am Ende jeder unser Trikot erhalten – so ich eben das von Robert Kovac.

Ihre Karriere haben Sie dann in Seehausen ausklingen lassen?

Ja, ich bin quasi zu meinen fußballerischen Wurzeln zurückgekehrt. Der SV Seehausen ist und bleibt der Verein meiner Heimat.

Wenn Sie auf Ihre aktive Laufbahn zurückblicken – welcher Trainer hat Sie am meisten geprägt?

Auch hier möchte ich zwei nennen: Zum einen Thoralf Bennert, der uns in Völpke jede Menge vermittelt hat. Er hat uns auch eine andere Art des Fußballs gezeigt, als ich ihn bis dahin kannte. Davor aber war es schon Hans-Joachim „Franzl“ Peham, mein Jugendtrainer von den C- bis zu den A-Junioren. Er war der Vater meines damaligen besten Freundes und für mich so etwas wie ein zweiter Vater, weil ich auch häufig bei der Familie war. Er ging vor dem Spiel zu den besseren aus dem Team und fragte, wie wir spielen wollen. Auf der anderen Seite hat er uns aber auch am Schlafittchen gepackt, wenn wir Blödsinn im Kopf hatten und uns dann im rechten Moment wieder eingenordet. Zu seinem 60. Geburtstag habe ich ihm auch mein Kovac-Trikot aus dem Bayern-Spiel geschenkt, da er ein großer Fan war.

Heute sind Sie selbst Trainer. Wann haben Sie sich dafür entschieden?

Eine bewusste Entscheidung für die Laufbahn als Trainer habe ich gar nicht getroffen. Mir war schon mit Ende meiner aktiven Zeit klar, dass ich sowas sicher einmal machen würde, weil ich dem Fußball einfach viel zu sehr verbunden bin, als nur ab und an als Zuschauer am Platz zu sein. Für mich ist dieses Regelmäßige schon wichtig. Im Jahr 2018 ging es dann ganz schnell. Der SV Seehausen und Übungsleiter Patrick Horn haben sich kurzfristig getrennt und es kam die Frage auf, ob ich das nicht machen würde. Binnen weniger Stunden habe ich dann zugesagt, weil der SV Seehausen eben mein Verein und damit Herzenssache ist. Seither habe ich den Schritt nicht bereut, muss in die Rolle aber auch noch weiter hineinwachsen. Wie im aktiven Fußball auch, habe ich nun den Ehrgeiz, herauszufinden, wie weit ich als Trainer kommen kann.